Eishockey National
Deutsche Eishockey-Legende Gerd Truntschka wird 50

858 Bundesligaspiele, 1 420 Scorerpunkte, acht Meisterschaften, neun Weltmeisterschaften, vier Olympische Spiele. So liest sich die Vita von Gerd Truntschka, der heute 50 wird.

Eishockey steht im Leben von Gerd Truntschka nicht mehr im Fokus. Regelmäßig besucht der einstige Weltklassestürmer zwar die Spiele seines EV Landshut in der zweiten Bundesliga, doch den großen Sport mit dem Puck verfolgt er nur noch hin und wieder am Fernseher oder in der Zeitung.

Und was er sieht und liest, gefällt ihm gar nicht. "Es ist katastrophal und wird immer schlimmer", sagt der 215-malige Nationalspieler über den Sport, der ihn einst berühmt machte. Mangelhafte Nachwuchsarbeit, kein Geld für die Spieler von morgen, ein schlechtes Image, kaum Bilder im freien Fernsehen - über die jahrzehntelangen Versäumnisse im Eishockey könnte Truntschka lange reden.

Doch er hat gar keine Zeit dafür. Auch am Mittwoch, wenn er im kleinen Kreis seinen 50. Geburtstag feiert, wird der schnellste Mannschaftssport der Welt nicht das Hauptthema sein. "Ich hätte gerne die alten Kollegen eingeladen, aber dann hätte ich mich zwei Tage darum kümmern müssen", sagt er. Zwei Tage, an denen er als Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens (Lavita), das ein Fitnessgetränk zur Nahrungsergänzung produziert und vertreibt, mit anderen Dingen beschäftigt war.

"Das Schönste fehlt dir, der Zusammenhalt in der Truppe"

Seine Firma, die mittlerweile mehr als 20 Mitarbeiter hat und rund acht Mill. Euro im Jahr umsetzt, hat den Sport längst in den Hintergrund geschoben. Schon nach dem Ende seiner Karriere 1994 entschied sich Truntschka gegen Eishockey.

"Als Trainer oder Manager kannst du deine aktive Zeit nicht verlängern", erklärt er, "du hast zwar denselben Lebensstil wie als Spieler - Freitag, Sonntag, Gewinnen, Verlieren. Aber das Schönste fehlt dir, die Kameradschaft in der Truppe."

So zog Truntschka nach 858 Bundesligaspielen mit Landshut, den Kölner Haien, der Düsseldorfer EG und Hedos München mit 1 420 Scorerpunkten und acht Meistertiteln, nach neun Weltmeisterschaften und vier Olympischen Spielen einen Schlussstrich. Verabschiedete sich aus der Eishockey-Szene und beschäftigte sich fortan ganz mit Vitaminen, Spurenelementen, Omega-3-Fettsäuren und Enzymen. "Das Thema hat mich schon als 20-Jähriger interessiert. Ich habe Fachbücher gekauft und mir die Sachen selbst zusammengestellt."

Medaillentraum blieb unerfüllt

Geschadet hat es seiner Karriere auf dem Eis auf keinen Fall. Der technisch versierte Mittelstürmer zählte in den 80er Jahren zu den Besten der Welt, wurde bei der WM 1987 sogar ins All-Star-Team gewählt. Zu einer Medaille hat es dennoch nie gereicht, obwohl "wir ein paarmal ganz nah dran waren".

1 987 in Wien zum Beispiel, als nach Siegen gegen Kanada und Finnland die Medaillenrunde nahe war. "Wir waren brutal stark, alles hat super funktioniert. Wir waren uns sicher, diesmal holen wir eine Medaille. Aber dann kam das Kasperltheater um Miro Sikora", erinnert sich Truntschka. Der gebürtige Pole war nicht spielberechtigt, die Punkte wurden erst abgezogen, dann vor Gericht zurückgewonnen - doch die Chance auf Edelmetall war dahin.

Oder 1992 in Prag, als Truntschka sogar den späteren Weltmeister Schweden schlugen - um im Viertelfinale ausgerechnet gegen die Schweiz, "gegen diese Trottel", auszuscheiden. "Das tut heute noch weh."

Oder ein Jahr später bei der Heim-WM, als die Deutschen mit vier Siegen und nur einer Niederlage, getragen von der Begeisterung in Dortmund ("der Wahnsinn"), in die K.o.-Runde stürmten - und im trostlosen München "das Scheißspiel" gegen Russland verloren. Wieder Aus, wieder keine Medaille.

Erfolge auf beiden Rheinseiten

Weil das Edelmetall fehlt, erinnert sich Truntschka an andere Höhepunkte seiner Karriere. An den ersten Titel mit Köln 1984, "weil ich unbedingt endlich mal Meister werden wollte", an die erste Meisterschaft mit der DEG 1990, "als der Druck brutal war, weil ich der Kölner war und deshalb besonders kritisch beäugt wurde", und an den letzten Titel mit München 1994, "eine wahnsinnige Befreiung".

In Erinnerung blieb vor allem ein besonderer Moment, von dem er gar nicht genug bekommen konnte: "Wenn du in Düsseldorf an der Brehmstraße aufs Eis gegangen bist, war die Atmosphäre unbeschreiblich. Dagegen kannst du alle Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele vergessen."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%