Eishockey Nationalmannschaft
Krupp beerbt Poss an der DEB-Bande

Wie erwartet wird Uwe Krupp das Amt des deutschen Eishockey-Bundestrainers übernehmen. "Er hat mir gesagt, dass er es macht", erklärte Vorgänger Greg Poss, der den Posten am Mittwoch zur Verfügung gestellt hatte.

Stanley-Cup-Held Uwe Krupp soll das deutsche Eishockey wieder aus der Krise führen. Nach dem überraschenden Abschied von Bundestrainer Greg Poss wird der frühere NHL-Profi dessen Nachfolge antreten und der neue Hoffnungsträger nach dem WM-Debakel vor sieben Monaten. "Ich werde das Konzept, das wir mit Greg Poss erarbeitet haben, in meiner neuen Rolle weiterführen. Wir sind damit auf einem guten Weg und werden nun gezielt auf Olympia und die B-WM im April hinarbeiten. Ich freue mich auf diese Herausforderung", sagte Krupp, der beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) vorerst einen Vertrag bis zum Saisonende erhalten wird.

"Uwe Krupp ist prädestiniert für den Job, er kennt die Spieler und spricht ihre Sprache", sagte Generalsekretär Franz Reindl, der am Donnerstag am Rande der B-WM der U20-Junioren im slowenischen Bled mit dem Stanley-Cup-Gewinner über dessen Beförderung vom Assistenten zum Chefcoach sprechen wollte. Der 40 Jahre alte Wahlamerikaner hatte beim Deutschland-Cup im November sein Debüt als Co-Trainer von Poss gegeben.

"Sehr, sehr große Autorität"

"Krupp hat sehr, sehr große Autorität", sagte auch DEB-Präsident Hans-Ulrich Esken, der trotz der heftigen Kritik nach dem Abstieg bei der WM im Frühjahr in Österreich an Poss als Bundestrainer festgehalten hatte. Dessen Entscheidung für Mannheim und gegen den DEB wollte der Richter nicht kommentieren: "Ob ich sauer bin oder nicht, spielt keine Rolle."

In der kommenden Woche muss der neue Bundestrainer bereits das Aufgebot für die Olympischen Winterspiele in Turin (10. bis 26. Februar 2006) benennen. Krupp, in Slowenien als Assistent von Nachwuchs-Bundestrainer Ernst Höfner aktiv, ist für Reindl der logische Poss-Nachfolger: "Er kann die Spieler motivieren und ihnen Freude am Eishockey vermitteln, das hat oberste Priorität."

"Neuanfang für beide Seiten"

Die Trennung von Poss sieht der DEB-Generalsekretär als "Neuanfang für beide Seiten". Nach dem WM-Debakel hatte sich das DEB-Präsidium überraschend für ein Verbleiben des US-Amerikaners entschieden. Krupp, der damals schon als Bundestrainer im Gespräch gewesen war, wurde zunächst nur als Poss-Assistent installiert.

Beim Deutschland-Cup im November deutete sich allerdings trotz eines 7:2-Auftakterfolges gegen die USA keine Wende zum Besseren an. Das DEB-Team wurde wie im Vorjahr Letzter, die Kritik an Poss nicht geringer. Bereits bei dem Turnier in Mannheim und Hannover soll es erste Kontakte zwischen dem Bundestrainer und dem DEL-Rekordmeister Mannheim gegeben haben.

Der Wechsel von Poss zu Krupp findet auch die Zustimmung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). "Die Sportkommission war in die Ereignisse der vergangenen Tage eingebunden und hat ihr Okay gegeben", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, der den zweimaligen Stanley-Cup-Sieger Krupp schon 2004 als Nachfolger für Zach favorisiert hatte: "Wichtig ist, dass es einen Bundestrainer gibt, der neutral ist."

810 NHL-Spiele und zwei Stanley-Cup-Siege

Der Ex-Kölner Krupp, der seit 1986 in den USA lebt und insgesamt 810 NHL-Spiele bestritt, hatte bis zu seiner Verpflichtung als Poss-Assistent im vergangenen Sommer nur im Nachwuchsbereich als Trainer gearbeitet. Der Stanley-Cup-Sieger mit Colorado Avalanche (1996) und den Detroit Red Wings (2002) betreute in seiner Wahlheimat Atlanta das Jugendteam seines Sohnes Björn und wurde vom DEB bei der U18- und der U20-Nationalmannschaft als Assistent eingesetzt. Einzige Trainer-Erfahrung im Profi-Eishockey: Am Ende seiner Karriere half er bei den Atlanta Thrashers für ein paar Monate als Assistent von Chefcoach Bob Hartley aus.

Nach den Olympischen Spielen, bei denen auch die deutschen NHL Profis eingesetzt werden können, erwartet den neuen Bundestrainer bei der B-WM (24. bis 30. April 2006) die wichtigste Aufgabe. Denn in Amiens geht es gegen Gastgeber Frankreich, Ungarn, Japan, Großbritannien und Aufsteiger Israel um die sofortige Rückkehr in die Erstklassigkeit.

© SID

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