Eishockey Nationalmannschaft
Reichlich Diskussionsstoff vor Vierländerturnier

Vor dem heute beginnenden Vierländerturnier in Lausanne/Schweiz gab es zwischen DEL-Klubs und Eishockey-Nationaltrainer Uwe Krupp Redebedarf über die Auswahl des deutschen Kaders.

Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp verspürt drei Monate vor der WM in Kanada erstmals Gegenwind. Die Kölner Haie kritisieren fehlende Spielbeobachtung und mangelnde Kommunikation, die Iserlohn Roosters wundern sich über das Fehlen von DEL-Topscorer Robert Hock in der Nationalmannschaft. Doch Krupp setzt seinen Weg unbeirrt fort. "Ich versuche, die richtigen Spieler für mein System zu finden. Daran wird meine Arbeit gemessen", sagte der 42-Jährige vor dem Vierländerturnier am Wochenende in Lausanne.

"Ich respektiere die Arbeit der Kölner und rede ihnen nicht rein. Ich hoffe nur, dass sie auch meine Entscheidungen respektieren", sagte Krupp weiter. Haie-Manager Rodion Pauels hatte bemängelt: "Es gibt zu wenig Kommunikation." Ihm sei nicht bekannt, wie der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) Spiele in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) beobachte: "Uwe ist ja gar nicht da, und sonst zeigt sich keiner."

Topscorer Hock nicht mit dabei

Auf Unverständnis stieß indes in Iserlohn die Nichtberücksichtigung des derzeit erfolgreichsten DEL-Stürmers Hock. Der 35-Jährige, mit 74 Punkten in 47 Spielen die Nummer eins der Liga, hat 2001 sein letztes Länderspiel absolviert. "Er hat seine Qualitäten in der Offensive und wird uns international in der Defensive nicht helfen", meinte Krupp.

Gerade in diesem Bereich habe sich der DEL-Topscorer aber enorm verbessert, widersprach Roosters-Manager Karsten Mende: "Er hat defensiv extrem dazugelernt, sonst wäre er nicht Kapitän und würde nicht so oft in Unterzahl spielen." Auch am Seilersee wird der Wahl-Amerikaner Krupp im DEL-Alltag vermisst. "Den Bundestrainer habe ich in dieser Saison hier noch nicht gesehen", meinte Co-Trainer Uli Liebsch.

Kölner Haie kritisieren Vorgehensweise

Die Kölner warfen dem DEB außerdem vor, dem 17 Jahre alte Kölner Talent Jerome Flaake zu einem Wechsel in die kanadische Juniorenliga geraten zu haben. Ohne Krupp namentlich zu nennen, sagte Manager Pauels: "Es geht nicht, wenn leitende Angestellte des DEB einen 17-Jährigen verrückt machen."

Krupp entgegnete: "Wenn mich ein Spieler um Rat fragt, sage ich ihm meine ehrliche Meinung. Ich bin kein Spielervermittler. Mich interessiert im Sinne der Nationalmannschaft nur, dass die Spieler gut ausgebildet werden und Spielpraxis bekommen." Flaake, der in Köln bis 2010 unter Vertrag steht, ist laut Pauels für die kommende Saison "als Stammspieler in der DEL" vorgesehen.

Nachwuchsarbeit in Deutschland unvollständig

Für den Haie-Manager war der Fall Flaake Anlass, das DEB-Nachwuchskonzept generell in Frage zu stellen. "Bis 17 ist die Ausbildung in der DNL top, doch dann hört es abrupt auf", sagte Pauels, "danach gilt das Prinzip Zufall." Die Junioren-Bundesliga sei zu schwach, ein Wechsel zu einem Oberliga- oder Zweitliga-Klub wegen Schule oder Ausbildung schwierig. "Wir können nicht für jeden eine eigene Liga schaffen", konterte DEB-Generalsekretär Franz Reindl, die Möglichkeiten für 18- und 19-Jährige seien ausreichend.

Reindl wies die Kritik an Krupp zurück. "Das ist Käse. Uwe hat bewiesen, dass er die richtigen Spieler ausgewählt hat", meinte der DEB-Generalsekretär mit Blick auf die starken Leistungen bei der WM 2007 in Russland: "Die Vorwürfe sind populistisch."

Keine Debütanten in Lausanne

Das Turnier in Lausanne, bei dem die DEB-Auswahl heute (20.10 Uhr) auf Gastgeber Schweiz, am Samstag (16.00) auf Frankreich und am Sonntag (12.00) auf die Slowakei trifft, will Krupp vor allem zum Einspielen nutzen. Er lud keine Neulinge ein, sondern setzt mit Blick auf die WM in Halifax und Quebec (2. bis 18. Mai) auf bewährte Kräfte: "Wir hatten zuletzt kaum Trainingsmöglichkeiten. Jetzt können wir zwei Tage zusammen trainieren und ein paar Sachen auffrischen - vor allem im Überzahlspiel, das zuletzt nicht so geklappt hat."

© SID

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