Eiskunstlauf National
Eiskunstlauf-Lehrmeisterin Jutta Müller wird 80

Die ehemalige Profi-Eiskunstlauf-Trainerin Jutta Müller, die unter anderem Katarina Witt trainierte, wird heute 80 Jahre alt. Sie erreichte als Trainerin insgesamt 55 Medaillen.

Sie war die pelzbehangene resolute Dame in der Tränenecke neben dem schönsten Gesicht des Sozialismus. Triumphierend oder mürrisch - die eindeutige Mimik von Jutta Müller verriet binnen Sekunden, ob die erfolgreichste Eiskunstlauf-Trainerin aller Zeiten mit Katarina Witt zufrieden war. 14 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Wettkampf mit der zweimaligen Olympiasiegerin feiert Jutta Müller am heutigen Samstag ihren 80. Geburtstag.

"Bei den Kindern sieht man jeden Tag Fortschritte"

Auch wenn es stiller um sie geworden ist, die Arbeit auf dem Eis ist nach wie vor ihr Jungbrunnen. Obgleich sichtbar ergraut, merkt man der Sächsin wahrlich nicht an, dass sie in der kommenden Woche ihr neuntes Lebensjahrzehnt beginnt. Dreimal pro Woche arbeitet Jutta Müller immer noch mit Nachwuchsläufern aus dem C- und D-Kader, eine Beschäftigung, die ihr viel Freude macht: "Bei den Kindern sieht man jeden Tag Fortschritte, mehr als bei den Großen."

Mit denen allerdings hat sie Großes erreicht. 55 internationale Medaillen zwischen 1966 und 1990 haben die Statistiker gezählt. Im übergroßen Schatten von Kati Witt sind Namen wie der von Jutta Müllers Tochter Gabi Seyfert sowie Sonja Morgenstern, Jan Hoffmann und Annett Pötzsch untrennbar mit ihr verbunden.

"Was ich erreicht habe, habe ich zu 75 Prozent Frau Müller zu verdanken."

Ihre einstigen Schützlinge sind auch geladen, als ihre oftmals gestrenge Lehrmeisterin am Freitag bei einer Feierstunde im Rathaus zur Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt Chemnitz ernannt wurde. Ein Ruhm, den sie ganz selbstlos teilt, denn: "Ohne meine Schüler wären alle diese sportlichen Erfolge ja nicht möglich gewesen." Ein Kompliment, das Hoffmann zurückgibt: "Was ich erreicht habe, habe ich zu 75 Prozent Frau Müller zu verdanken."

Vergessen sein wird in diesem feierlichen Moment die Enttäuschung darüber, dass die Deutsche Eislauf-Union Jutta Müller nach dem Vollzug der deutschen Einheit die kalte Schulter zeigte, sie als Witt-Betreuerin allerdings zähneknirschend ins deutsche Olympia-Team für Lillehammer 1994 eingliedern musste. "Natürlich war ich ein Kind des alten Systems, aber ich hätte mehr Verständnis dafür erwartet, dass ich mich während des Umbruchs in vielen Dingen neu zurechtfinden musste", sagt Jutta Müller.

Im Rückblick räumt sie durchaus ein, dass ihr Verhältnis zu ihrer Meisterschülerin - vorsichtig gesagt - starken Schwankungen unterworfen war. Derlei Wogen haben sich mittlerweile längst geglättet. "Früher war es Hassliebe, jetzt ist es eine verständnisvolle Gemeinsamkeit unter Erwachsenen", sagt Witt.

Doch selbst dann, wenn zwischen Kati und ihr wieder einmal die Funken sprühten, ein Ausbrechen aus dem DDR-System wäre für die linientreue Sportlehrerin Jutta Müller, Mitglied der SED, nie in Frage gekommen: "Mein Beruf war die Arbeit mit den Sportlern. Und viel schöner als Eisrevue und Geld war es, zu erleben, wie aus Kindern weltbekannte Läufer wurden. Ich glaube nicht, dass ich etwas verpasst habe."

© SID

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