Eisschnelllauf
Dopingvorwurf: Pechstein geht in die Offensive

Nur wenige Stunden nach Bekanntwerden ihrer zweijährigen Sperre suchte Claudia Pechstein am Wochenende ihr Heil in einer rastlosen Flucht nach vorn.

BERLIN. Die 37 Jahre alte Eisschnellläuferin, mit fünf Goldmedaillen die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin, veröffentlichte eine persönliche Erklärung auf Ihrer Internetseite, suchte Tageszeitungsredaktionen wie den Tagesspiegel auf, ließ sich im Aktuellen Sportstudio zum Vorwurf des Blutdopings befragen und beteuerte dabei immer wieder ihre Unschuld. Aber sie konnte nicht erklären, wie es in den vergangenen Jahren zu einer ganzen Reihe von erhöhten Blutwerten kommen konnte. Und so blieb ihr das Heil verwehrt.

Doch Pechstein gibt nicht auf. Sie hat ihre Anwälte beauftragt, den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne anzurufen. Die Sportlerin drängt auf ein "beschleunigtes Verfahren". Gibt das Gericht dem Gesuch statt, ist ein Urteil bis spätestens November möglich. Das könnte für einen Start bei den Olympischen Spielen im kanadischen Vancouver im kommenden Februar reichen - so das Urteil denn zu ihren Gunsten ausfällt. Pechstein sagt, sie gehe von ihrer Rehabilitierung aus.

Allerdings fehlt ihr bislang der Beweis. Seit 2003 hat die Internationale Eisschnelllauf-Union ISU Pechsteins Blutwerte ermittelt. Dabei sind die Antidoping-Experten mehrmals auf eine über dem Grenzwert liegende Anzahl von Retikulozyten gestoßen, zuletzt bei den Mehrkampf-Weltmeisterschaften im Februar im norwegischen Hamar. Die jungen roten Blutkörperchen sind die Vorläuferzellen der reifen roten Blutkörperchen und entstehen im Knochenmark. Je höher ihre Anzahl, desto eifriger die Produktion und umso besser die Sauerstoffaufnahme im Blut.

Messwerte reichen als Beweis für Epo-Doping nicht aus

Auslöser für eine Überproduktion können Anomalien, Tumore und Leukämie sein. Aber sie kann auch künstlich angeregt werden, etwa durch Aufenthalte in sauerstoffarmen Gegenden oder durch Erythropoetin, kurz Epo, das Blutdopingmittel schlechthin im Spitzensport.

Für den deutschen Molekularbiologen Werner Franke kommt nur der Blutbeschleuniger als Grund für Pechsteins anormale Werte in Frage. Der Dopingexperte erklärte am Wochenende: "Eine krankhafte Erhöhung der Retikulozyten scheidet aus. Das ist hanebüchener Unsinn. Dann müsste Pechstein eine spezielle Art von Leukämie haben, und mit dieser wären Spitzenleistungen nicht möglich." Franke schließt auch eine genetische Krankheit aus, denn das hätte Pechstein "innerhalb weniger Tage mit der DNA messen können." Er glaubt an eine "manipulierte Erhöhung der Blutkörperchen".

Dennoch: Trotz dieser Aussagen weiß auch der Antidopingkämpfer, dass die Messwerte als Beweis für Epo-Doping nicht ausreichen; zu viele Unwägbarkeiten verbergen sich in ihrer Auslegung. Genau darauf wird sich Pechstein bei ihrer Anhörung berufen. Zusätzlich werden ihre Anwälte gegen die Zulässigkeit eines Indizienbeweises vorgehen, wie er in diesem Fall Anwendung fand.

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