Eisschnelllauf National
Pechstein mit Eilantrag in der Schweiz erfolgreich

Claudia Pechstein hat mit ihrem Eilantrag vor dem Schweizer Bundesgericht Erfolg gehabt. Damit darf die 37-Jährige beim Weltcup am Wochenende in Salt Lake City starten.

Spektakuläres Comeback und olympischer Hoffnungsschimmer für Claudia Pechstein. Die fünfmalige Olympiasiegerin darf 307 Tage nach ihrem letzten Rennen am kommenden Freitag für mindestens einen Wettkampf aufs Eis zurückkehren. Das Schweizer Bundesgericht gab dem Eilantrag der 37-Jährigen statt und ermöglicht der wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrten Pechstein doch noch den Start beim Weltcup in Salt Lake City - und damit eine letzte Chance auf die sportliche Qualifikation für die Olympischen Winterspiele im kommenden Februar in Vancouver.

Diese letzte Chance will Pechstein im 3 000-m-Rennen auf der Olympiabahn von 2002, auf der sie zwei Goldmedaillen gewann, am Freitag (ca. 21.45 Uhr MEZ) nutzen. "Diese Startmöglichkeit ist für mich eine kleine Genugtuung", sagte eine sichtlich gelöste Pechstein am Rande ihres Trainings am Dienstagvormittag im Sportforum in Berlin-Hohenschönhausen, "denn ich habe nichts getan und immer noch gehofft".

"Großes kann man nicht erwarten"

Allerdings gab Pechstein, die den erlösenden Anruf ihres Anwalts im Auto auf dem Weg zur Eishalle erhalten hatte, zu bedenken: "Ich habe zehn Monate lang unter unglaublicher nervlicher Anspannung trainieren müssen. Großes kann man da nicht erwarten. Ich will mich qualifizieren, mehr nicht." Pechstein reicht ein achter Platz, um die Kriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb) zu erfüllen.

Ob sie in Salt Lake City noch bei weiteren Rennen an den Start gehen darf, ist noch ungewiss. Die einstweilige Verfügung richtete sich explizit auf das 3 000-m-Rennen. "Das ist meine Hauptstrecke. Was den Rest angeht, werden wir sehen", sagte Pechstein am Nachmittag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Bad Saarow bei Berlin.

"Das ist ja geil"

Dort wirkte Pechstein aufgekratzt. "Als mein Anwalt Simon Bergmann mich anrief, habe ich erst mal überlegt, ob er das ernst meint. Danach habe ich gesagt: Das ist ja geil", sagte Pechstein: "In der Umkleidekabine nach dem Training habe ich die Meldung noch mal im Radio gehört. Da war ich ganz für mich alleine, und es ist schon eine Träne gekullert. Da ist eine Last abgefallen."

Pechstein wurde schnell wieder sachlich: "Es ist nur ein einziger kleiner Baustein, seit zehn Monaten der erste kleine Sieg. Ich kotze immer noch über die Urteile der ISU und des CAS." Sie wisse nicht, was das Training ihr gebracht habe, die kurzfristige Anreise am Mittwoch in die Höhe von Salt Lake City sei problematisch. "Aber ich habe gute Erfahrungen mit der Bahn", sagte Pechstein, die 2002 in der Mormonenmetropole Gold über 3 000 und 5000m gewonnen hatte. Ihren letzten Wettkampf hatte Pechstein am 7. Februar bei der Mehrkampf-WM in Hamar bestritten.

Bach reagiert abwartend

Dosb-Präsident Thomas Bach, der Pechstein seit der Bestätigung der Zwei-Jahres-Sperre durch den CAS offiziell als Dopingsünderin betrachtet, äußerte sich zurückhaltend zu der Entscheidung. "Wir respektieren die einstweilige Verfügung des Schweizer Bundesgerichts und hoffen auf eine baldige endgültige Entscheidung", sagte Bach. Wann diese fällt, steht noch nicht fest. Pechsteins Verteidiger haben den Einspruch für das Hauptverfahren noch nicht eingereicht.

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) begrüßte die Entscheidung. "Das ist eine faire Lösung. Wir hoffen sehr, dass Claudia trotz fehlender Wettkampferfahrung und der nervlichen Belastung leistungsfähig sein wird", sagte Desg-Präsident Gerd Heinze.

Olympia-Start bei Qualifikation noch ungewiss

Ob Pechstein bei einer erfolgreichen Qualifikation tatsächlich in Vancouver starten dürfte, ist indes vollkommen ungewiss. Dies hängt vom Hauptverfahren ab. "Wir würden sie nominieren, aber das ist eine einseitige Betrachtung. Das müsste noch mit allen anderen beteiligten Parteien abgesprochen werden", sagte Heinze.

Ihr Anwalt Simon Bergmann nannte die Entscheidung eine Interessensabwägung des Schweizer Bundesgerichts. "Wenn Claudia nicht hätte teilnehmen können, wäre Olympia für sie gestorben gewesen. Hätten dann aber unsere Rechtsmittel Erfolg gehabt, wäre ein irreparabler Schaden entstanden. Deshalb überwogen Claudias Interessen", sagte Bergmann, stellte jedoch klar: "Das ist kein Indiz dafür, dass unsere Beschwerde im Hauptsacheverfahren automatisch auch Erfolg haben wird. Die Trauben hängen in diesem Fall sehr hoch für uns."

Hauptbeschwerde wird vorbereitet

Die Hauptbeschwerde wird von Pechsteins Anwälten gerade vorbereitet. Über weitere bereits in der Schweiz eingegangene Eil-Anträge, die darauf zielen, dass Pechstein wieder am Verbandstraining und auch an anderen Wettkämpfen teilnehmen darf, hat das Gericht noch nicht entschieden.

Auch der CAS-erfahrene Heidelberger Rechtsexperte Michael Lehner sieht nun eine kleine Chance für Pechstein: "Es ist deutlich mehr als ein Funken Hoffnung, aber es ist auch noch kein Ansatz zur Euphorie", sagte er. Das Bundesgericht habe sich damit Zeit geschaffen, die Sache zu prüfen. Lehner wies darauf hin, dass das Gericht nicht so entschieden hätte, "wenn die Sache hoffnungslos wäre".

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte am 25. November die zweijährige Sperre des Weltverbandes ISU bestätigt, der Pechstein aufgrund von Indizien (mehrfach überhöhter Retikulozytenwert), jedoch ohne positiven Dopingbefund für zwei Jahre gesperrt hatte. Diese Sperre endet am 9. Februar 2011. Pechstein hat stets ihre Unschuld beteuert.

© SID

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