Erst seit 2002 ist Ingolstadt erstklassig
Ende der Beschaulichkeit

Dank Stars aus Nordamerika steht der ERC Ingolstadt im Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft.

HB BERLIN. Oberbayern, Audi, 120 000 Einwohner - das ist Ingolstadt. Eine überschaubare Stadt, die einen immer bekannter werdenden Sportverein beherbergt, dessen Manager in dieser Saison oft nervös war, wie Stefan Wagner über sich sagt. Denn mit Beschaulichkeit ist es beim ERC Ingolstadt, dem Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht mehr weit her. Jetzt steht der Club im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft, spielt von heute an in der "Best-of-five"-Serie gegen die Berliner Eisbären. So weit waren die Bayern schon vergangenes Jahr. Damals war es eine Überraschung, heute ist es keine mehr: Ingolstadt hat Köln im Viertelfinale bezwungen, und nicht wenige glauben, dass die Bayern auch gegen Berlin gewinnen.

Stefan Wagner holt tief Luft. "Der Rummel ist mir hier manchmal zu groß", sagt er. Selbst schuld. Denn als sich andeutete, dass in der National Hockey-League (NHL) die Saison nicht beginnen sollte, wurde Wagner als Erster in der DEL aktiv. Er sicherte sich die Unterschrift von Marco Sturm. Ernst genommen hat Sturm das zunächst nicht. Der deutsche Nationalspieler und Star der San José Sharks sagte im August 2004: "Ich glaube, dass die NHL spielt." Doch im Februar wurde die NHL-Saison endgültig abgesagt. Dank der NHL-Spieler Sturm und Andy McDonald hatte der Klub schon für Furore in der DEL gesorgt. Hätte das Sturmduo zurück nach Nordamerika gemusst, wer weiß, wo der ERC gelandet wäre - wohl nicht im Halbfinale der Play-offs.

Erst seit 2002 ist Ingolstadt erstklassig. Dank des im Klub engagierten Media-Markt-Gründers Leopold Stiefel wurde vor anderthalb Jahren eine neue Arena errichtet. Für DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke wird in Oberbayern "vorbildlich gewirtschaftet". Auch abseits der Eisfläche: Mehr als 1000 Trikots mit Sturms Namenszug wurden schon verkauft, Stückpreis 79 Euro. Enorm, zumal Sturm laut Wagner "aus alter Verbundenheit bei uns spielt, weil der Marco mich noch aus meiner Landshuter Zeit kennt". Na gut, sagt Wagner, "wir zahlen nicht schlecht." So gut, dass auch noch die Kanadier Jamie Langenbrunner und Aaron Ward zum ERC kamen - wie Sturm Spieler, die in der NHL Saisonverträge über zwei Millionen Dollar haben.

Nun geht Ingolstadt von heute an als einziger DEL-Club mit vier NHL-Profis in die Play-offs. Die Bayern sind nicht weniger Meisterschaftsfavorit als die Eisbären oder die Frankfurt Lions, die gegen die Adler Mannheim spielen. Trainer Ron Kennedy versprach den Berlinern schon mal, "dass wir noch eine Rechnung aus dem Vorjahr offen haben und nicht nach Berlin fahren, um zu verlieren". So spricht einer, der vom Außenseiter zum Favoriten geworden ist. Bis zum Sommer. Dann gehen die Stars zurück nach Amerika. Und es wird wieder ruhig in Oberbayern.

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