Fechten National
Fechter trauern um Ex-Bundestrainer Emil Beck

Der deutsche Sport hat eine große Persönlichkeit verloren. Im Alter von 70 Jahren ist der ehemalige Fecht-Bundestrainer Emil Beck in Tauberbischofsheim verstorben.

Der ehemalige Fecht-Bundestrainer Emil Beck ist tot. Er starb im Alter von 70 Jahren in seiner Wohnung in Tauberbischofsheim an Herzversagen. Beck zählte mit Karl Adam (Rudern) und Gustav Kilian (Bahnrad) zu den großen Drei unter den Trainer-Autodidakten im bundesdeutschen Sport. 1973 wurde sein Degenteam erstmals Weltmeister, 1975 folgte Alexander Pusch mit WM-Einzelgold, 1976 wurde die Herrenflorett-Mannschaft (mit Thomas Bach) und Pusch Olympiasieger.

1988 schrieb Beck mit seinen Florett-Damen noch einmal Fechtgeschichte. Sie holten, angeführt von Anja Fichtel, bei Olympia in Seoul jede mögliche Medaille.

Steinbach: Olympischer Spitzensport trauert um Emil Beck

"Der olympische Spitzensport trauert um Emil Beck", würdigte NOK-Präsident Klaus Steinbach den einstigen Medaillenschmied. "Wie kein Zweiter hat er das Fechten in Deutschland geprägt. Große Erfolge, positive Entwicklungen und entscheidende Weichenstellungen im deutschen Sport sind ihm zu verdanken und wären ohne sein Engagement nicht denkbar gewesen."

Doch trotz aller Erfolge blieb Becks Bild und Lebensleistung zeitlebens umstritten, war es um den Ehrenbürger seiner Heimatstadt "Tbb" seit Jahren einsam geworden. "Er war eine charismatische Persönlichkeit, die keinen, der mit ihr zu tun hatte, gleichgültig ließ", beschreibt ihn Thomas Bach. Der IOC-Vize war einer von vielen, deren persönliche Beziehung zum langjährigen Wegbegleiter in den letzten Jahren zunehmend zwiespältiger geworden war.

Wegen des Verdachts der persönlichen Bereicherung stand seit Monaten in Mannheim ein Prozess gegen Beck und einen seiner Söhne an. Vor seinem unfreiwilligen Ausscheiden aus dem Fechtzentrum hatte er sich mit allen früheren Schützlingen überworfen und anschließend einen Scherbenhaufen hinterlassen. "Emil Beck war ein Bessener seines Sports mit unbestreitbaren Erfolgen, dessen persönlicher Ehrgeiz leider auch gelegentlich in falsche Bahnen gelenkt wurde", sagte DSB-Präsident Manfred von Richthofen.

Als sein Imperium zu bröckeln begann, hatte Beck es mit jener Wagenburg-Mentalität zu verteidigen versucht, gegen die er einst selbst zu Feld gezogen war. Denn in einem Sport, der von Tradition und Elitedünkel geprägt war, hatte er sich nur mühsam gegen alle Widerstände nach oben kämpfen können.

Inspiriert von Wochenschau-Bericht

Begonnen hatte Beck, fasziniert von einem Wochenschau-Bericht, in den Fünfzigerjahren in einem Heizungskeller mit Fechtanzügen aus Sackleinen. Selbst nach den ersten deutschen Meistertiteln in den sechziger Jahren und dem ersten WM-Titel 1973 mit dem Degenteam blieb ihm die Anerkennung noch oft versagt. Der Durchbruch gelang erst mit den Olympiasiegen 1976 in Montreal durch Alexander Pusch und das Herrenflorett-Team (mit Bach). Becks wichtigster Mentor wurde Sporthilfe-Chef Josef Neckermann, bald weitete sich das Netzwerk in höchste Kreise von Politik und Wirtschaft aus.

Seine Geschichte passte wunderbar zum Wirtschaftswunder. Als Beispiel dafür, dass nichts unmöglich ist: Ein kleiner Friseur, eines von 13 Kindern, gründet 1954 einen Fechtclub, macht das bis dahin kaum bekannte Tauberbischofsheim zum Nabel der Sportwelt.

Noch einmal Thomas Bach, der als Fünfjähriger zu Beck gekommen war: "Emil Beck hat in den siebziger- und achtziger Jahren das Gesicht des Fechtens nicht nur national geprägt und nicht nur diesen Sport gewandelt, er hat dazu noch eine ganze Stadt wie Tauberbischofsheim positiv verändert. In dieser Hinsicht bleibt seine Lebensleistung herausragend und reicht weit über den Tod hinaus." Beck hinterlässt seine Frau Karin und zwei Söhne.

© SID

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