Floyd Landis überzeugt bei der Tour de France
US-Amerikaner fährt in die Favoritenrolle

Der US-Amerikaner Floyd Landis hat immer im Schatten des großen Lance Armstrong seine Arbeit verrichtet. Nach seinem Wechsel zum Schweizer Phonak Team ist der Ex-Mountainbiker jetzt alleiniger Kapitän und gilt bei der diesjährigen "Doping-Tour" als einer der Besten vom übriggebliebenen Rest.

HB BORDEAUX. Floyd Landis wandelt auf Lance Armstrongs Spuren. Während T-Mobile mit Sergej Gontschar das Gelbe Trikot holte und mit Michael Rogers, Patrik Sinkewitz sowie Andreas Klöden gleich vier Fahrer unter den besten sechs des Gesamtklassements stellt, ist der ehemalige Helfer des siebenmaligen Tour-Siegers der Beste vom Rest. Der US-Amerikaner hat als Zweiter derzeit nur eine Minute Rückstand auf Gontschar und gilt nun als Favorit auf den Gesamtsieg der 93. Tour de France. Der 36-jährige Ukrainer in Bonner Diensten gilt nur als Spitzenreiter auf Zeit.

"Nein, die Präsenz der vielen T-Mobile-Fahrer neben mir im Gesamtklassement stresst mich nicht", sagte der ehemalige Mountainbiker selbstbewusst. In diesem Jahr unterstrich Landis seine Siegambitionen bei der Frankreich-Rundfahrt schon im Frühjahr, als er die Kalifornien-Rundfahrt, die Tour of Georgia und Paris-Nizza gewann. Beim ersten von zwei Einzelzeitfahren der Tour in Rennes wurde der Neunte des Vorjahres Zweiter und gehörte zu den wenigen Favoriten, die der Erwartungshaltung gerecht wurden.

"Ich bin sehr zufrieden. Auch wenn ich weiß, dass noch ein ganzes Stück zu fahren ist. Ich habe nicht die schlechteste Zeit, aber die ersten Bergetappen werden uns einen besseren Eindruck geben", meinte der 30-Jährige nach dem Kampf gegen die Uhr. Trotz seiner ungewöhnlichen Körperhaltung und eines technischen Defektes distanzierte er im Zeitfahren insbesondere die US-amerikanische Konkurrenz und seine ehemaligen Team-Gefährten Levi Leipheimer (Gerolsteiner) und George Hincapie (Discovery Channel).

Von 2002 bis 2004 war der Mann mit den roten Haaren beim Tour- Rekordsieger Armstrong in der Lehre. Doch schon bald hatte Landis genug von Armstrongs Diktatur im Team US-Postal. Er fühlte sich eingeengt, wollte fortan auf eigene Rechnung fahren und wechselte zum Schweizer Phonak-Team. Dass die Mannschaft von Team-Manager John Lelangue immer wieder mit Doping in Zusammenhang gebracht wurde, schien Landis nicht zu stören. Erst vor kurzem hatte Phonak im Zuge des spanischen Dopingskandals die Fahrer Santiago Botero und José Gutierrez suspendiert - rechtzeitig vor der Tour. Im September 2004 wurde Olympiasieger Tyler Hamilton - ebenfalls einst bei Phonak - des Dopingmissbrauchs überführt.

Trotzdem hatte Landis zu Beginn einige Mühe, mit der Kapitänsrolle richtig umzugehen. Ihm fehlten taktisches Gespür und Führungsqualitäten. Mit unglaublichem Einsatz und starkem Willen macht Landis dies nun wett. Vor dem Zeitfahren in Rennes saß er schon ab 7.30 Uhr auf dem Fahrrad: "Bei uns in der Familie sind alle Frühaufsteher." Schon als Kind biss er sich früh gegen den Willen seiner streng religiösen Eltern durch: Als Jugendlicher in Farmersville drehte er seine Trainingsrunden durch Pennsylvania heimlich in der Nacht.

Auch Landis Chef Lelangue, früher Mitglied der Chefetage der Tour- Organisation, sah die Leistung seines Kapitäns beim Zeitfahren mit großer Freude: "Wenn man die Zeiten der anderen Favoriten betrachtet, dann haben wir schon einen Punkt gesetzt. Aber das ist nur eine Momentaufnahme und hat noch nichts zu heißen. Trotzdem bleiben wir bei dem, was wir seit Januar sagen: Wir wollen die Tour de France gewinnen." Landis ist bei seiner fünften Teilnahme auf einem guten Weg dahin.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%