Formel 1
Weltmeistertitel macht Brawn GP attraktiv für einen Käufer

Brawn GP hat allen Grund zur Zufriedenheit: Das Formel-1-Team hat nicht nur die Fahrerweltmeisterschaft gewonnen, sondern auch die Kontrukteurswertung. Auch wirtschaftlich steht der Rennstall nun auf der Pole Position. Von dieser guten Ausgangslage könnte auch Mercedes profitieren. Der Einstieg lässt aber weiter auf sich warten.
  • 0

scf/sid KÖLN. Bei Brawn GP herrscht große Zufriedenheit. Nicht nur weil das Formel-1-Team am Wochenende im brasilianischen Sao Paolo die Konstrukteurs- und die Fahrerweltmeisterschaft gewonnen hat. Brawn GP, das erst vor einem Jahr den Platz von Honda in der Formel 1 übernahm, ist auch in den Medien so präsent wie kein anderer Rennstall.

Insgesamt achteinhalb Stunden waren die Boliden des Teams bei den internationalen Fernseh-Übertragungen der ersten 15 Rennen in dieser Saison zu sehen - länger als jeder andere Rennstall. Das hat das britische Marktforschungsunternehmen Margaux Matrix herausgefunden. Brawn GP habe mit dieser massiven TV-Präsenz einen Werbewert von mindestens 255 Mio. Dollar erreicht. So steht Brawn GP nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich auf der Pole Position für die nächste Saison.

Von dieser guten Ausgangslage könnte auch Mercedes profitieren. Bis zum Jahr 2012 wolle der deutsche Autokonzern 75 Prozent von Brawn GP übernehmen, hieß es noch im September in der Fachpresse. Der Vertragsabschluss stehe bereits kurz bevor. Schon in der nächsten Saison solle Brawn mit Mercedes-Stern fahren. Gestern mochte man sich bei Mercedes zum aktuellen Stand der Pläne allerdings nicht äußern.

Einen Schub fürs Image könnte Mercedes gerade jetzt gut gebrauchen. Gestern offenbarte eine Untersuchung des Center for Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, dass Konkurrent Audi schon im nächsten Jahr weltweit mehr Autos verkaufen wird als Mercedes. Bei den Oberklasse-Autos verdrängt Audi damit die Stuttgarter von Platz zwei hinter BMW.

Der steile Aufstieg von Brawn GP dürfte es für Mercedes indes nicht leichter machen, dort schnell zum Zuge zu kommen. Der Einstieg bei Brawn GP würde die erfolgreichen Strukturen, die Chef Ross Brawn binnen eines Jahres aufgebaut hat, empfindlich stören. "Dieses Team würde nicht existieren, wenn Ross nicht hier wäre", sagte der neue Weltmeister Jenson Button.

Ross Brawn gilt als Vater des Erfolgs. Er hatte die volle Konzentration schon früh im vergangenen Jahr auf die Entwicklung des neuen Autos gelegt. Ein Vorsprung, den die gestürzten Branchenführer McLaren-Mercedes und Ferrari nicht mehr aufholen konnten. "Ich denke nicht, dass irgendeiner von uns glaubt, dass wir es ohne ihn geschafft hätten", sagte Button.

Mercedes ist zudem noch in einem bis Ende 2011 laufenden Vertrag an das englische McLaren-Team gebunden. Das erschwert den Einstieg bei Brawn, denn auch die Allianz mit McLaren kostet Geld. Mercedes beliefert McLaren mit Gratismotoren, zahlt einen Entwicklungszuschuss und beteiligt sich an den Fahrergagen.

Brawn hingegen hatte schon bei der Nachfolge von Honda ein gutes Geschäft gemacht. Das Team erhielt vom japanischen Autobauer eine kräftige Finanzspritze - nicht ganz ohne Eigennutz: Unter anderem sparte sich Honda so die Abfindungen an die 700 Werksangestellten im britischen Brackley, die nach dem Formel-1-Ausstieg wohl arbeitslos gewesen wären.

Kommentare zu " Formel 1: Weltmeistertitel macht Brawn GP attraktiv für einen Käufer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%