Golf National
Langer: "Mehr erfüllt, als ich mir erträumt habe"

Profigolfer Bernhard Langer wird 50 Jahre alt und erzählt im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst über Träume, Ziele und den Status quo im Golfsport: "Es hat sich zum Teil mehr erfüllt, als ich mir erträumt habe."

Früher musste der deutsche Profigolfer Bernhard Langer noch mit seinem Ford Escort durch Europa tingeln und sich Geld für Hotels und Essen verdienen. Jetzt wird er 50 Jahre alt und blickt im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst auf eine erfolgreiche Karriere zurück.

sid: "Wo werden Sie an Ihrem Geburtstag sein?"

Bernhard Langer: "Am Montag werde ich im Flugzeug nach Amerika sitzen. Meine Familie fliegt nach Florida und ich zum nächsten Turnier. Wir werden meinen Geburtstag vorher oder nachher feiern."

sid: "Was wird sich für Sie nach dem 27. August ändern?"

Langer: "Für mich ist das nur eine Zahl, auch wenn es eine runde ist. Ich fühle mich nicht so alt. Verändern wird sich die Tatsache, dass ich auf der US Senior (Champions) Tour mir unbekanntere Plätze vorfinde. Das ist eine neue Herausforderung, irgendwo wieder frischer und interessanter."

sid: "Gibt es einen besonderen Tag in Ihrer Karriere?"

Langer: "Das ist schwer zu sagen. Es gab gewisse Meilensteine wie die zwei US-Masterssiege, auch die Ryder Cups, die Kapitänsrolle. Das war ein Riesenerlebnis. Aber auch mein erster Tour-Erfolg oder meine ersten Siege bei der German Open oder dem German Masters sind für mich wichtig."

sid: "Haben Sie es jemals bereut, keinen Mannschaftssport auszuüben?"

Langer: "Es gibt ja auch im Golf Mannschafts-Wettbewerbe. Das macht mir auch Spaß. Ich bin es jedoch gewohnt, ein Einzelkämpfer zu sein."

sid: "Hätten Sie damals, als sie am Anfang Ihrer Karriere noch mit Ihrem Ford Escort durch Europa gefahren sind, im Traum an eine solche Karriere gedacht?"

Langer: "Ich weiß nicht mehr, wovon ich damals geträumt habe. Damals hatte ich nur so eine Vorstellung wie es wohl wäre, Millionär zu sein. Das war eine unglaubliche Vorstellung."

sid: "War Ihnen das Geld damals so wichtig?"

Langer: "Geld war insofern wichtig, dass es eine Überlebensfrage war. Ich brauchte Geld, um für meinen Beruf durch Europa zu reisen, Hotels und Essen zu bezahlen. Die Million war schon eine sehr entfernte Traumzahl."

sid: "Wie sieht Ihre Karriere-Bilanz aus?"

Langer: "Es hat sich zum Teil mehr erfüllt, als ich mir erträumt habe. An so viele Siege habe ich nie geglaubt. Einiges hat sich auch nicht erfüllt. Natürlich hätte ich gerne die British Open gewonnen, zumal ich einige Male so nah dran war."

sid: "Wie schaffen Sie es, sich immer wieder gegen jüngere Spieler zu behaupten?"

Langer: "Es gibt sicherlich viele Dinge, die dazu beigetragen haben: Disziplin, harte Arbeit, Konzentrationsfähigkeit, mentale Stärke, gute Technik, das Umfeld muss stimmen, die Einstellung zum Beruf. Man muss willig sein, von zu Hause, von Freunden weg zu sein. "

sid: "Woher nehmen Sie diese Disziplin?"

Langer: "Das habe ich wohl von meinen Eltern. Sie haben jahrelang zum Teil 16 bis 18 Stunden am Tag gearbeitet. Dazu kommt der Wille sich zu verbessern, vielleicht auch die Angst vor dem Schlechtsein. Ich habe schon oft darüber nachgedacht. Aber ich habe da keinen genauen Fingerzeig."

sid: "Hatten Sie schon einmal Versagensängste?"

Langer: "Ich glaube, das hat jeder wohl mal. Es gibt ja zwei Gründe, hart zu arbeiten: entweder der Wille sich zu verbessern oder die Angst vorm Versagen."

sid: "Haben Sie eine solche Versagensangst in Ihrem Umfeld erlebt?"

Langer: "Nein, habe ich nicht. Ich weiß nur, ich mag es überhaupt nicht, den Cut nicht zu schaffen. Das ist mir immer schon bitter aufgestoßen. Das ärgert mich furchtbar und motiviert mich nur noch intensiver zu arbeiten."

sid: "Was schätzen Sie an sich selbst am meisten?"

Langer: "Ehrlichkeit und die Gradlinigkeit."

sid: "Welche Dinge schätzen Sie an sich selbst am wenigsten?"

Langer: "Dass ich nicht öfters nein sage. Das kann eine Stärke, aber auch eine Schwäche sein. Grundsätzlich suche ich das Gute im Menschen. Ich glaube, dass das der bessere Weg ist."

sid: "Ab 2008 wird es auch im Golf Kontrollen geben. Glauben Sie, dass Doping im Golf ein Problem wird?"

Langer: "Nein, denke ich nicht. Im Radsport ist es die pure körperliche Leistung, eine unglaublich große Anstrengung. Was die Radsportler leisten, ist fast unmenschlich. Das geht zum Teil über alle Grenzen. Ich glaube, dass bei solchen Sportarten Doping eine große Versuchung darstellt. Ich finde es aber trotzdem gut, dass es auch im Golfsport Tests geben wird."

sid: "Wird es bei Ihrem Turnier, der Mercedes-Benz Championship im September in Pulheim, als ein Signal bereits Dopingtests geben?"

Langer: "Nein, nicht dass ich wüsste. Das ist Sache der European Tour, die sich mit den anderen Touren und den zuständigen Behörden bzw. Institutionen abstimmen wird."

sid: "Gibt es Persönlichkeiten im Sport, die Sie bewundern?"

Langer: "Ich habe als kleiner Junge öfter mal Björn Borg im Fernsehen gesehen und bewundert, wie eiskalt er war. Auch im Kontrast zu John Mcenroe, der dauernd irgendwas zu Meckern hatte und sich aufgeregt hat. Borg hat auch ungerechte Entscheidungen weggesteckt. Der hat mir imponiert. Auch Gary Player war für mich ein Idol."

sid: "Gibt es Sportler, die Ihnen aktuell imponieren?"

Langer: "Tiger Woods und Roger Federer. Das sind Ausnahmespieler."

sid: "Wäre Golf bei Olympia für Sie ein Anreiz?"

Langer: "Es wäre 1996 in Atlanta mit Augusta als Platz ein großer Anreiz gewesen. Aber heute ist Olympia für mich nicht mehr das, was es sein sollte. Für mich sind das keine Amateure mehr. Das ist nicht mehr das Gelbe vom Ei."

sid: "Wie lange wird es den Golfer Bernhard Langer noch geben?"

Langer: "So lange ich gesund bin und Spaß und ein bisschen Erfolg habe, werde ich weiterspielen. Und wenn eins oder zwei dieser Dinge weg sind, dann ist es Zeit, aufzuhören. Es können mich auch andere Umstände dazu bringen, beispielsweise private, die mir dann wichtiger sind."



© SID

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