Hamburg 2024
Das Rennen um Olympia wird knapper

Die Unterstützung für die olympischen Spiele 2024 in Hamburg sinkt vor der entscheidenden Volksabstimmung. Doch eine Mehrheit scheint immer noch wahrscheinlich – falls die jüngste Terrorgefahr die Zustimmung nicht bricht.

HamburgDie größte Sorge von Hamburgs Olympia-Befürwortern scheint zu schwinden: Die Angst vor der niedrigen Wahlbeteiligung: Ein Drittel der Stimmberechtigten hat ihre Stimme bereits per Briefwahl abgegeben. „Das deutet auf eine hohe Wahlbeteiligung hin“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem Handelsblatt. Schließlich hatte die Stadt diesmal die vollständigen Unterlagen ungefragt an alle Wahlberechtigten geschickt. Nicht ohne Hintergedanken: Erfahrungsgemäß gehen Kritiker eher zur Wahl, weshalb das Nein-Lager wohl von einer niedrigen Beteiligung profitieren würde. Über Hamburgs kompliziertes Wahlrecht etwa beschloss 2004 eine Minderheit von gerade mal 34 Prozent der Berechtigten.

Und auch sonst zeigt eine neue Forsa-Umfrage, dass die ungeklärte Finanzierung Hamburgs Bürger zwar skeptischer macht, aber die Zustimmung noch immer recht hoch bleibt. 57 Prozent hätten Anfang November für die Spiele gestimmt, nur 36 Prozent dagegen. Der Rest war noch unentschlossen. Die Befürworter haben damit einen Vorsprung von 21 Prozentpunkten - in normalen Zeiten ein komfortabler Vorsprung. Allerdings: Im September lag die Zustimmung noch bei 64 Prozent, der Vorsprung der Ja-Sager bei 33 Prozentpunkten.

Seitdem ist einiges passiert. So bezifferte Bürgermeister Olaf Scholz den nötigen Steuerzuschuss auf unerwartet hohe 7,4 Milliarden Euro. Davon verlangt er 6,2 Milliarden Euro vom Bund - der zunächst Widerstand gegen die Forderung signalisierte. Schließlich wäre Olympia das teuerste Großprojekt für die Bundesrepublik.

Entsprechend sagen 58 Prozent der befragten Hamburger, finanzielle Gründe seien ein nachvollziehbarer Nachteil. 20 Prozent meinen, Deutschland habe andere Sorgen und könne das Geld entsprechend anderswo besser einsetzen. „Die Flüchtlingsfrage macht die Menschen etwas verhaltener“, interpretiert Güllner dieses Ergebnis. Andere Ablehnungsgründe - etwa mögliche Korruption oder zu viel Kommerz - spielen so gut wie keine Rolle.

Zugleich formiert sich in Hamburg kaum organisierter Widerstand. Veranstaltungen der Olympia-Gegner, die in verschiedene Gruppen zersplittert sind, waren wenig besucht. Die Umfrage zeigt auch: Gerade ihre häufig bemühte Kritik an IOC und Sponsoren stößt kaum auf Resonanz. In Berlin, das sich ebenfalls - vergeblich - um die deutsche Bewerbung bemüht hatte, wäre eine größere Mobilisierung der Gegner zu erwarten gewesen, meinte Güllner.

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