Handball Bundesliga
"THW Kiel zu einhundert Prozent nicht schuldig"

Der Bundesligist THW Kiel wurde von den Gremien der Handball-Bundesliga von jeglichen Manipulationsvorwürfen freigesprochen. Im Fokus der Kritik stehen nun die Rhein-Neckar Löwen.

Die Affäre um Manipulationsvorwürfe gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel ist nur 72 Stunden nach ihrem Beginn für die Handball-Bundesliga (HBL) wieder beendet. Das teilte Geschäftsführer Frank Bohmann dem Sport-Informations-Dienst (sid) nach einer rund vierstündigen Sitzung des HBL-Präsidiums am Mittwoch in Dortmund mit.

"Aus unserer Sicht ist der THW zu einhundert Prozent nicht schuldig. Es gilt dabei die Unschuldsvermutung. Wir haben keine Veranlassung, in diesem Fall weiter tätig zu sein", sagte Bohmann. Wenn allerdings in den kommenden Tagen oder Wochen neue Fakten auftauchen würden, müsse man sich erneut zusammensetzen, so Bohmann.

Kiels Ex-Trainer Noka Serdarusic gibt Erklärung ab

Dem THW Kiel wurde vorgeworfen, seit 2000 Spiele in der Champions League verschoben und als "Höhepunkt" auch die polnischen Schiedsrichter Miroslaw Baum und Marek Goralczyk im Champions-League-Finale 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt beeinflusst zu haben.

THW-Manager Uwe Schwenker hatte bereits bei der ersten HBL-Sitzung am Montag in Hamburg sein Ehrenwort gegeben, nicht manipuliert zu haben. Auch die Kieler Gesellschafter und der damalige Trainer Noka Serdarusic gaben nun eine entsprechende Erklärung ab. "Ich habe weder selbst an einer Spielmanipulation teilgenommen noch beschuldige ich irgendjemanden vom THW Kiel, so etwas getan zu haben", sagte Serdarusic, der zudem erneut bestritt, eine Selbstanzeige erstattet zu haben.

"Nach unseren Nachforschungen und Anhörungen gehen wir davon aus, dass die Vorwürfe haltlos sind", meinte Bohmann. Neue Beweise kamen am Mittwoch nicht auf den Tisch. Weder bei der Staatsanwaltschaft Berlin noch bei der Staatsanwaltschaft Kiel liegt eine Anzeige vor. Wo die Vorwürfe herkamen, ist daher weiter ungewiss. Auch die Spielbeobachter des europäischen Verbandes hätten keinen manipulierten Spielverlauf festgestellt, heißt es in einer Erklärung der HBL.

Flensburgs Manager Fynn Holper übt Kritik an die Rhein-Neckar Löwen

Weiter mitten in der Diskussion sind aber dennoch die Rhein-Neckar Löwen. Deren Gesellschafter Dieter Matheis, zugleich HBL-Aufsichtsratsmitglied, hatte mit der Aufforderung an Uwe Schwenker, zu den Manipulationsvorwürfen Stellung zu nehmen, die Lawine ins Rollen gebracht hatte.

"Da fragt man sich schon, ob da Methode dahinter steht", sagte Flensburgs Manager Fynn Holpert dem Internetportal Spox. Er selbst habe von Verdachtsmomenten gegen Kiel nie etwas gehört. "Eine Behauptung einfach so zu veröffentlichen, schadet unserer Sportart und sicherlich auch den Rhein-Neckar Löwen, die ja eh kein gutes Image haben", meint Holpert.

Erst am Dienstag hatte Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen die Manipulationsvorwürfe gegen den THW erneuert. Auch habe dessen Ex-Trainer Serdarusic wegen der Debatte nicht Coach bei den Löwen werden können. Serdarusic hatte bei den Mannheimern bereits einen Vertrag unterschrieben, in der vergangenen Woche aber offiziell aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Schon bei den Vertragsverhandlungen sollen mögliche Bestechungen in Kiel Thema gewesen sein. Die Löwen bestreiten alle Spekulationen, sie könnten derartige Informationen als Druckmittel im Wechselpoker um Kiels Welthandballer Nikola Karabatic benutzt haben.

© SID

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