Handball Bundesliga
Wetzlar kann Kieler Meisterfeier nicht stören

Im ersten Spiel nach dem feststehenden Titelgewinn hat der THW Kiel in der Handball-Bundesliga 36:28 gegen die HSG Wetzlar gewonnen. Neuer Zweiter sind die Rhein-Neckar Löwen.

Ein Feuerwerk vor Spielbeginn, Partystimmung von der ersten bis zur letzten Minute und ein standesgemäßer Sieg zur Krönung: 24 Stunden nach dem Titelgewinn hat der THW Kiel mit einem 36:28-Sieg gegen die HSG Wetzlar nachträglich seine 15. deutsche Handball-Meisterschaft gefeiert und sich auch von den seit Wochen schwelenden Manipulationsvorwürfen die Feierlaune nicht verderben lassen. 10 250 Fans in der bis zum letzten Platz gefüllten Arena ließen ihre Mannschaft vier Spieltage vor Saisonende hoch leben und skandierten trotzig: "Deutscher Meister wird nur der THW!"

Der vorzeitige Triumph der Norddeutschen hatte bereits einen Tag zuvor festgestanden: Dank des 32:28-Erfolgs von Erzrivale SG Flensburg-Handewitt gegen den schärfsten Verfolger HSV Hamburg hatten die Kieler den Titel praktisch "im Sitzen" gewonnen.

Den Ausrutscher der Hamburger nutzten die Rhein Löwen-Neckar aus, die sich nach dem 38:21-Kantersieg beim Tabellenvorletzten Stralsunder HV mit 42:14 Punkten an Hamburg (43:13) vorbei auf den zweiten Platz vorschoben. Im Kampf um die Europapokal-Plätze kamen die HSG Nordhorn (36: 29 gegen die Füchse Berlin) und der VfL Gummersbach (32:26 gegen den TSV Dormagen) ebenfalls zu wichtigen Siegen.

Kiel derart dominant wie nie

Ungeachtet der dunklen Schatten der Kieler Manipulationsaffäre sicherte sich der THW die Schale so früh wie nie und als erster Verein zum fünften Mal in Folge. "Zu Hause auf dem Sofa Meister zu werden, ist mal etwas Besonderes. Dennoch war die Art und Weise dieses Titelgewinns schon beeindruckend", sagte THW-Kapitän Stefan Lövgren. Nach der Fete am Mittwochabend steigt die ganz große große Sause auf dem Kieler Rathausplatz am 6. Juni. Bis dahin sollen auch der sechste Pokalsieg und der zweite Gewinn der Champions League nach 2007 perfekt gemacht werden. "Das Triple ist wieder möglich", meinte Lövgren.

Doch der erste Dreifach-Triumph vor zwei Jahren steht auch für die Betrugsvorwürfe gegen den Rekordmeister. So sprach HSV-Präsident Andreas Rudolph den Kielern zwar einerseits seine Glückwünsche zur Meisterschaft aus ("Diesen Titel haben sie mehr als verdient"), forderte aber zugleich eine Bestrafung des Rivalen. "Wenn sich herausstellen sollte, dass an der Manipulationsaffäre wirklich etwas dran ist, bin ich der Meinung, dass der THW weder in Europa noch in Deutschland straffrei davonkommen kann", sagte Rudolph der Sport Bild.

Hamburgs Trainer Martin Schwalb erkannte die sportliche Übermacht des Konkurrenten neidlos an. "Der THW ist ein absolut verdienter deutscher Meister. Alfred Gislason und die Mannschaft haben die gesamte Saison auf einem unheimlich hohen Niveau gespielt", sagte er nach der Niederlage in Flensburg. Auch die SG, die sich als unterlegener Champions-League-Finalist von 2007 Schadensersatzforderungen gegen Kiel vorbehält, zeigte keine Spur von Missgunst: "Es ist doch schön, dass wir mal den Meistermacher geben durften", meinte Manager Fynn Holpert.

Gislasons erster Titel mit dem THW

Für THW-Coach Alfred Gislason war der erste Titel mit den Kielern angesichts der schwierigen vergangenen Wochen eine besondere Genugtuung. "Ich freue mich sehr über diese Meisterschaft, denn es ist wichtig, dass die Erfolgsgeschichte des THW auch unter mir fortgestzt wird", sagte der Isländer, der in dieser Saison das schwere Erbe des ebenfalls unter Manipulationsverdacht stehenden Kieler Meistertrainers Noka Serdarusic angetreten hatte.

Den Meistertitel schon nach 29 Bundesligaspielen unter Dach und Fach zu haben, war dem THW unter Serdarusic nie gelungen. Einen noch früheren Titelgewinn hatten die Kieler am Sonntag durch die erste Saisonniederlage beim TBV Lemgo (27:34) vergeben. "In diesem Jahr haben wir auch davon profitiert, dass Flensburg, Lemgo und Hamburg nicht so stark waren", sagte Kiels Welthandballer Nikola Karabatic.

Dass die Freude über eine sportlich glänzende Saison für die Spieler dennoch getrübt ist, verdeutlichte Nationalspieler Christian Zeitz: "Es ist schade, dass unsere Leistung so wenig zur Geltung kommt und nur über die Bestechungsvorwürfe gesprochen wird."

© SID

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