Handball Bundesliga
Wolf wirft Thüringens Müller "Sozial-Betrug" vor

Skandal in der Handball-Bundesliga der Frauen: Bayer Leverkusens Trainerin Renate Wolf wirft Thüringens Coach Herbert Müller "Wettbewerbsverzerrung durch Sozial-Betrug" vor.

"Sozialbetrug", "Wirtschaftsdoping", "Geldschiff aus Amerika": Vor dem Spitzenspiel der Handball-Bundesliga fliegen zwischen Tabellenführer Thüringer HC und Bayer Leverkusen die Fetzen. Im Fokus: THC-Coach Herbert Müller, der sich heftigen Attacken von Leverkusens Trainerin Renate Wolf ausgesetzt sieht. "Es muss mal jemand die Wahrheit aussprechen. Was da läuft, gefährdet unsere Arbeitsplätze", sagte die für ihre unbequemen Aussagen bekannte 96-malige Nationalspielerin dem SID.

Wolf beschuldigt Müller, dass er in Leverkusen und bei seinen vorherigen Vereinen Spielerinnen angeblich mit "Mondgehältern" angelockt habe - das Geld am Ende aber das Arbeitsamt zahlen müsse. "Folgendes Szenario soll keine Seltenheit sein: Das eigentliche Gehalt kommt von einem Arbeitgeber, der aber der Spielerin nach der vertraglich vereinbarten Mindestfrist kündigt", sagte Wolf auf handball-world.com. Anschließend müsse die betroffene Sportlerin zum Arbeitsamt gehen: "Das ist unrechtmäßig, zumindest moralisch nicht vertretbar." Diese "Wettbewerbsverzerrung durch Sozialbetrug" sei laut Renate Wolf angeblich bekannt, allerdings traue sich offenbar niemand, es auszusprechen.

Wolf: "Ich nenne es Methode"

Ähnlich habe Müller schon bei seinen Stationen in Nürnberg, Augsburg-Hochzoll und dem rumänischen Brasov gearbeitet, wo er überall finanziell angeschlagene Klubs hinterlassen habe. "Es kann ja einmal Pech gewesen sein. Aber dreimal? Wer glaubt da noch an Zufall? Ich nenne es Methode", sagte Wolf, die am Samstag mit dem Tabellen-Vierten aus Leverkusen in Erfurt zu Gast ist. Die Thüringer, die in ihrer Bundesliga-Geschichte nie über Platz sechs hinausgekommen sind und vergangene Saison nur Achter wurden, führen derzeit mit 14:0 Punkten die Tabelle an.

Müller wies die Vorwürfe unterdessen weit von sich. "Das ist kompletter Schwachsinn. Ich weiß nicht, ob das Frustration oder Neid ist. Renate Wolf versucht seit 25 Jahren vergeblich, deutsche Meisterin zu werden. Vielleicht liegt es daran", sagte der Coach der Thüringer dem SID. Sein Klub spreche "normale Angebote" aus und zahle nicht mehr und nicht weniger als andere Vereine.

Wolf sieht das anders. Der THC habe "das Risiko zum System gemacht", sagte die Trainerin, die in ihrem fünfzehnten Amtsjahr in Leverkusen mit Etatkürzungen und einer Mannschaft im Umbruch zu kämpfen hat. Thüringen habe dagegen auf dem Transfermarkt kräftig zuschlagen können: "Das soll Herbert Müller mir doch mal erklären. Vielleicht ist ja ganz plötzlich ein Geldschiff aus Amerika angekommen." Besonders pikant: Nicht nur in der Liga, auch im Pokal muss Rekordmeister Leverkusen in der nächsten Runde nach Erfurt.

Auch andere Ligen und Sportarten betroffen

Das Problem überzogener Gehälter betreffe unterdessen auch anderen Ligen und Sportarten, sagte die 53 Jahre alte Wolf. "Leider muss man sagen, dass solche Machenschaften in den unterklassigen Ligen nicht nur im Handball an der Tagesordnung sind. Es werden doch mittlerweile erstklassige Gehälter für Freizeitkicks gezahlt." Auf Dauer könne dieses Modell nicht funktionieren.

Müller riet seiner Kollegin derweil, sich auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren. "Trainer sollten sich um das Training kümmern. Ich weiß nicht, was sie geritten hat", sagte der Thüringer. Wolf ließ sich davon nicht beirren: "Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe."

© SID

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