Handball EM
Deutsche Handballer müssen gegen Spanien ran

Die vom Verletzungspech gebeutelten deutschen Handballer bestreiten heute ihr Auftaktspiel zur EM gegen Weltmeister Spanien. Trotzdem gibt sich die DHB-Auswahl positiv und beruft sich auf ihren Team-Geist.

Langsam hält die Hoffnung Einzug in das feudale Fünf-Sterne-Hotel Swissotel Le Plaza in Basel, der Mannschaftsunterkunft der deutschen Handballer während der Vorrunde der Europameisterschaften in der Schweiz (26. Januar bis zum 5. Februar). Kurz nach der Ankunft am Mittwoch fieberte das Team von Bundestrainer Heiner Brand dem EM-Auftaktspiel heute gegen Weltmeister Spanien (15.45 Uhr/live in der ARD) entgegen. "Die Euphorie ist unsere große Stärke. Wir haben eine guten Ruf zu verteidigen und müssen das Beste aus unserer Situation machen", betonte Welthandballer Henning Fritz vom THW Kiel mit einer wiedergewonnenen Portion Zuversicht.

Den im abschließenden dreitägigen Trainingslager beschworenen "Geist von Steinbach" brachte Pascal Hens auf den Punkt. "Es ist einfach geil, in dieser Mannschaft zu spielen", erklärte der Hamburger und will aus der obligatorischen Personalnot eine Tugend machen: "Darin liegt schließlich auch eine Chance."

Nicht zuletzt der 25-jährige Hens selbst ist wegen der "Seuche im Rückraum" auf der Königsposition im linken Aufbau einer der Schlüsselspieler. "Pascal ist gefordert, er soll der Vollstrecker sein", nimmt Brand den 2,03-m-Schlaks in die Pflicht und hofft bis zum Auftakt auch auf die vollständige Genesung des Kieler Linkshänders Christian Zeitz (Magen-Darm-Beschwerden). Der Einsatz des 25-Jährigen ist gefährdet. Zeitz fehlte am Mittwoch beim Abschlusstraining. Als Alternative für den 111-maligen Nationalspieler steht nur Routinier Volker Michel zur Verfügung.

Quote spricht für Spanien

Der ungewohnten Rolle des Olympia-Zweiten versucht Brand im Jahr vor der Heim-WM 2007 sogar noch etwas Positives abzugewinnen. "Vielleicht unterschätzen uns die Spanier ja und wir können überraschen", unkt der 53-Jährige, der aus den Stärken der Iberer keinen Hehl macht: "Sie sind Weltmeister, haben exzellente Einzelkönner, sind aber trotzdem zu einem richtigen Team gewachsen."

Die Zahlen jedenfalls sprechen für die Mannschaft von Weltmeister-Trainer Juan Carlos Pastor. Acht von 13 Partien hat Spanien, dessen Nationalspieler ausnahmslos in der heimischen Eliteliga "Asobal" ihr Geld verdienen, gegen die DHB-Auswahl bei wichtigen Turnieren gewonnen. Der denkwürdige deutsche Viertelfinalsieg bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen (32:30 nach Siebenmeterwerfen) spielte bei der Video-Vorbereitung allerdings "überhaupt keine Rolle mehr", erzählte Brand.

Spanien ist hungrig

Sein spanisches Pendant Pastor erwartet eine körperbetonte deutsche 6:0-Deckung, nimmt die Favoritenrolle aber gewohnt selbstbewusst an. "Wir sind nach dem WM-Titel 2005 noch immer hungrig und wollen gegen Deutschland um jeden Preis gewinnen", kündigte Pastor an.

Doch nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Vorzeichen könnte gerade ein Überraschungserfolg gegen den Weltmeister bei der Brand-Sieben ungeahnte Kräfte freisetzen. "Dann ist einiges möglich, auch das Erreichen des Halbfinals", beteuert Manager Thorsten Storm vom Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt.

DHB plagen Nachwuchssorgen

Sein Magdeburger Kollege Bernd-Uwe Hildebrandt indes sorgt sich derzeit vielmehr um die Zukunft. Der Vorsitzende der Handball-Bundesliga (HBL) will sich schon während der EM mit den verantwortlichen Kommissions-Mitgliedern des DHB treffen, um Konzepte für eine forcierte Jugendförderung anzuregen. "Noch haben wir ein paar junge Spieler, doch in den nächsten Jahren stehen wir vor einem Scherbenhaufen", sagte Hildebrandt.

Auch Brand fordert bereits seit geraumer Zeit die Beschränkung auf zunächst zehn ausländische Profis pro Bundesligist. Längerfristig soll sich die Anzahl auf sechs Legionäre je Team einpendeln. Ein notwendiger Schritt, wie auch Welthandballer Fritz findet: "Sonst verliert die deutsche Nationalmannschaft den Anschluss, es muss etwas geschehen."

© SID

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