Handball EM
Nur Glück hilft noch für Blech

Die Deutschen Handballer verlieren bei der EM in der Schweiz mit 25:27 gegen Frankreich und hoffen trotzdem auf eine Medaille.

HB BASEL. Im vergangenen Jahrzehnt hatten sich fast alle Begegnungen zwischen den benachbarten Handball-Nationen Deutschland und Frankreich als eng umkämpfte, dramatische Spektakel erwiesen (unter den letzten sechs Partien verzeichnet die Statistik nicht umsonst drei Unentschieden), und so hatten sich diese Partien zu einem Klassiker dieser Sportart entwickelt.

Gestern Nachmittag in Basel indes, am letzten EM-Vorrundenspieltag der Gruppe B, waren die Verhältnisse ungewöhnlich früh geklärt. Als der wendige französische Linksaußen Michael Guigou in der 51. Minute zum 23:16 traf, wussten die mehrheitlich deutschen Fans in der mit 6 600 Zuschauern ausverkauften St. Jakobshalle, dass dies die Entscheidung bedeutete. Am Ende siegte der WM-Dritte Frankreich sicher und verdient mit 27:25 gegen den im Rückraum verletzungsgeplagten Außenseiter aus Deutschland – das erste Mal in einem Pflichtspiel seit dem WM-Viertelfinale 2001.

Frankreich besitzt damit weiterhin alle Chancen auf das Halbfinale, da es morgen nun mit 2:2-Punkten in die Hauptrunde startet. Deutschlands Chancen, den EM-Titel zu verteidigen, sind auf ein Minimum gesunken. Muss das Team von Bundestrainer Heiner Brand (1:3 Punkte) doch nun auf einen Ausrutscher Frankreichs oder des Weltmeisters Spanien (3:1) hoffen. „Wir sind schon in der Vorrunde an unsere Grenze gegangen“, sagte Brand, „aber wir werden versuchen, uns weiterhin so teuer wie möglich zu verkaufen“.

In den ersten zehn Minuten schien das unerfahrene deutsche Team, das am Donnerstag überraschend einen Punkt gegen Spanien gewonnen hatte, auf eine zweite Sensation hinzusteuern. Torwart Johannes Bitter hielt in den ersten 15 Minuten fünf schwere Bälle, und der deutsche Angriff produzierte einige sehenswerte Kombinationen, die der starke Kreisläufer Andrei Klimovets (sechs Treffer) zunächst sicher verwandelte.

Doch nach dem 5:3 stellte sich die von Didier Dinart organisierte Abwehr besser auf die Deutschen ein. Als der französische Tormann Thierry Omeyer einen Siebenmeter Kehrmanns entschärfte, und Michael Guigou mit einem Strafwurf zum 7:6 die erste Führung Frankreichs besorgte, drehte sich die Partie.

Fortan baute der Weltmeister von 1995 und 2001 seinen Vorsprung aus. Zwar konnte Deutschland einen Vier-Tore-Rückstand noch einmal durch Michael Kraus zum 15:17 verkürzen. Doch zwei Sprungwürfe durch Daniel Narcisse raubten den Deutschen alle Illusionen, das Blatt noch einmal zu wenden. „Wir sind im Angriff gescheitert, weil wir die wenigen Möglichkeiten, die wir hatten, nicht genutzt haben“, analysierte Brand hernach.

Die Machtverhältnisse im europäischen Handball, die der stark verjüngte Europameister Deutschland gegen Spanien noch in Frage gestellt hatte, sind mit diesem Resultat wieder zurecht gerückt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%