Handball International
Vereins-EM heizt alte Diskussionen wieder an

Die sportlich unbedeutende Handball-Vereins-EM im slowenischen Celje feuert in der deutschen Handballszene alte Diskussionen über eine Überlastung der Spieler wieder an. "Wir werden verheizt", beklagt sich Pascal Hens.

Als Nationalspieler Pascal Hens gestern mit dem HSV Hamburg zur 1 200-Kilometer-Reise nach Slowenien aufbrach, war es bereits die dritte Auswärtsanreise dieser Woche. In Celje treffen die Hanseaten im Halbfinale der Handball-Vereins-EM heute auf den THW aus dem 95km entfernten Kiel (19.00 Uhr). Bereits ab 17.00 Uhr fordert Magdeburg den früheren Champions-League-Sieger Celje.

Der sportlich unbedeutende Wettbewerb wirft alte Diskussionen wieder auf. Am letzten Sonntag Champions League in der Ukraine, am Mittwoch Bundesliga-Zwischenstopp bei Balingen-Weilstetten, am Freitag weiter zur Vereins-EM nach Slowenien: Das Programm für Weltmeister Pascal Hens und seine Kollegen kennt keine Gnade. "Wir werden verheizt", sagte der Rückraumstar vom HSV Hamburg kürzlich der Bild und heizt damit eine seit Jahren andauernde Debatte im Handball neu an.

Denn der Reisestress nimmt einfach kein Ende. "Wir sitzen zur Zeit zu viel im Bus und im Flieger rum, trainieren wenig", meint Weltmeister Dominik Klein von Meister und Champions-League-Sieger THW Kiel und gibt zu: "Dann fehlt irgendwann die Kraft."

Neben den Auftritten in Europacup, Bundesliga und DHB-Pokal stehen für die deutschen Topspieler natürlich noch die Spiele mit der Nationalmannschaft auf dem Programm. Allein in der um die zweite Gruppenphase aufgestockten Königsklasse und Bundesliga können 50 Partien pro Saison zusammen kommen - und im Januar wartet schon die EM mit bis zu acht Spielen in elf Tagen.

Christian Fitzek, sportlicher Leiter beim HSV, sagt: "Wir gehen schon auf dem Zahnfleisch mit den vielen Spielen. Der Rhythmus wird immer galoppierender." Die Belastung gehe über das normale Maß hinaus. Dabei verdienen Vereine, nationale Verbände sowie die europäische EHF und die internationale IHF natürlich gutes Geld. Und auch die Spielergehälter schießen immer mehr in die Höhe.

Doch wie lange die Stars ihrem Beruf auf diesem Wege noch nachgehen können, weiß keiner. Nur 15 Tage Urlaub habe er im Olympia-Jahr 2008, rechnete Kiels französischer Superstar Nikola Karabatic kürzlich vor, höchstens fünf Jahre könne er das noch durchstehen. Derzeit pausiert der 23-Jährige wegen einer Schulterverletzung. Um kleinere Wehwehchen auszuschalten oder die Schmerzgrenze heraufzusetzen, ist die Einnahme von Schmerzmitteln unter Handballern ohnehin üblich.

Zu allem Überfluss müssen der THW Kiel, Pokalsieger-Cupsieger HSV und EHF-Pokalsieger SC Magdeburg am Wochenende in Celje gemeinsam mit dem Gastgeber Pivovarna Lasko auch noch bei der Champions Trophy um den sportlich völlig unbedeutenden Titel des Vereins-Europameisters sowie 70 000 Euro Preisgeld spielen. THW-Trainer Noka Serdarusic gab dann auch als oberste Devise aus, die verbliebenen elf "Zebras" möglichst gesund aus Slowenien wieder nach Hause zu bekommen.

Jeder Versuch einer Eindämmung der Terminflut gestaltet sich schwierig. Der Weltverband will alle zwei Jahre eine WM, der europäische im gleichen Rhythmus eine EM. Und weil die Vereine ihre angestellten Spieler dafür immer wieder abstellen müssen und schlimmstenfalls sogar verletzt zurückbekommen, steht die Forderung nach Abstellungsprämien im Raum.

Im anstehenden Olympia-Jahr kommen mit den Sommerspielen in Peking und zuvor der EM zwei Großveranstaltungen innerhalb weniger Monate auf die Spieler zu. Der frühere Welthandballer Daniel Stephan dachte deshalb schon mal laut über einen Spielerstreik nach und bezeichnete den Terminkalender als "Wahnsinn". Kiels Manager Uwe Schwenker als Vertreter der Vereine sagt: "Es ist unsere Minimalforderung, dass wir höchstens einen Event für Nationalteams pro Saison haben."

© SID

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