Handball Nationalmannschaft
Gedämpfter Optimismus bei deutschen Handballern

Knapp drei Monate vor der WM in Deutschland sind die Handballer des DHB in ihren Leistungen noch nicht gefestigt. Gründe zur Vorfreude gebe es aber genug, glaubt auch Bundestrainer Heiner Brand.

In Hochform sind Deutschlands Handballer 82 Tage vor Beginn der Heim-WM noch nicht. Der ersatzgeschwächte Ex-Europameister zeigte beim World Cup Licht und Schatten, doch alarmiert fühlte sich Bundestrainer Heiner Brand ob der Leistungsschwankungen bei der "Mini-Weltmeisterschaft" nicht. "Sicher sind wir noch nicht in WM-reifer Form. Aber dass wir nah an den Spitzenteams dran sind, hat man bei der knappen Niederlage gegen Olympiasieger Kroatien gesehen", kommentierte Brand vor dem Spiel um Platz fünf am Sonntag in Malmö gegen Serbien die durchwachsene Bilanz.

Das Fehlen von sieben Spielern konnte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) beim letzten Kräftemessen mit der Weltspitze vor der WM nicht kompensieren. Für Brand war das Verpassen des Halbfinals nach der Niederlage gegen Dänemark (25:29) im abschließenden Gruppenspiel in Bremen deshalb auch keine große Überraschung: "Unser Nachholbedarf hat sich besonders in den Bereichen Spielfluss und Athletik bemerkbar gemacht. Die individuelle Stärke der anderen hat sich durchgesetzt", erklärte der Gummersbacher: "Aber mit viel Training in den 14 Tagen vor der WM kriegen wir das schon hin." Vom taktischen Repertoire her seien die anderen Mannschaften ohnehin nicht besser.

Brand hofft auf Rekonvaleszenten

Auch Weltklasse-Rechtsaußen Florian Kehrmann (Lemgo) sieht den WM-Gastgeber drei Monate vor dem Eröffnungsspiel am 19. Januar in Berlin gegen Brasilien auf dem richtigen Weg. Immerhin setzte sich der Olympia-Zweite in der Gruppenphase gegen Serbien (40:32) durch und lag am Tag darauf gegen Kroatien (27:30) zeitweise mit fünf Toren in Führung.

"Hier wächst etwas zusammen. Jedes Spiel in der Vorbereitung hilft uns weiter, die Ergebnisse sind zweitrangig", sagte Kehrmann und verdrängte die Gedanken an die unglaubliche Verletztenmisere auf seine Weise: "2004 sind wir in Slowenien trotz vieler Ausfälle Europameister geworden."

Brand setzt besondere Hoffnungen in die baldige Rückkehr der beim World Cup fehlenden Rückraumspieler Oleg Velyky (Lymphknoten-OP), Michael Kraus (Daumenblessur), Volker Michel (Adduktoren) und Lars Kaufmann (Rippenprellung). Auch der wegen einer Hüftverletzung erst zur Platzierungsrunde in Schweden auf Wunsch der Mannschaft nachgereiste Christian Zeitz (Kiel) spielt in Brands Konzept eine Hauptrolle: "Ich hoffe, sein Gesundheitszustand bleibt stabil. Dann haben wir eine Alternative mehr."

Keeper Fritz spürt Brands Vertrauen

Für allgemeine Erleichterung sorgte zudem die ansteigende Form von Keeper Henning Fritz, der besonders im ersten Platzierungsspiel am Samstag in Helsingborg gegen Griechenland (24:21) überzeugte. Der ehemalige Welthandballer bekommt momentan bei seinem Klub THW Kiel nur wenig Einsätze und holt sich sein Selbstvertrauen in der Nationalmannschaft. "Es hilft mir sehr, dass Brand weiter auf mich setzt. Der World Cup war für mich ein weiterer Schritt nach vorne", meinte Fritz, der laut Brand ebenso wie seine Torwart-Kollegen Johannes Bitter (Magdeburg) und Carsten Lichtlein (Lemgo) für die WM gesetzt ist.

Die fast schon obligatorische Absagenflut nahm der 54 Jahre alte Bundestrainer zum Anlass, die "unkoordinierte Terminfülle" im Handball zu kritisieren und erneut eine Reduzierung der Bundesliga um zwei auf 16 Vereine anzuregen. "Das wäre aus sportlicher Sicht vernünftig. Es müssen Lösungen angeboten und diskutiert werden", forderte Brand unmissverständlich.

© SID

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