Handball
Nordhorn hofft auf neue Geldgeber

Handball-Bundesligist HSG Nordhorn-Lingen sucht mit Hochdruck nach neuen Sponsoren. Nach der Insolvenz von Tusem Essen droht der Handball-Bundesliga nun die zweite Pleite eines Klubs binnen einer Saison. Die Entwicklung ist auch eine Folge des Handball-Booms nach der WM 2007.

DÜSSELDORF. Letzte Hoffnung Sponsoring: Nachdem gestern der Insolvenzantrag eingereicht wurde, werben die Verantwortlichen des Handball-Bundesligisten HSG Nordhorn-Lingen um neue Geldgeber. "Wir haben drei bis vier Wochen Zeit, um die Dinge zu regeln", sagte Berend Greven, Geschäftsführer der HSG Sport Marketing, dem Handelsblatt. Ziel sei, Sponsoren zu akquirieren, um die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens und den damit verbundenen Zwangsabstieg abzuwenden. Es gebe Verhandlungen mit Interessenten, so Greven. "Wir sind ständig in Gesprächen." Ob der am Wochenende besiegelte sofortige Wechsel von HSG-Star Holger Glandorf zum TBV Lemgo helfen kann, den Klub zu retten, ließ Greven offen. Über Ablöse-Zahlungen sei Stillschweigen vereinbart worden.

Bereits in den letzten Monaten hat der Klub die Suche nach Sponsoren intensiviert - allerdings ohne großen Erfolg. Im Herbst wurde mit der HSG Nordhorn-Lingen eine eigene Gesellschaft gegründet, die die Suche nach Unterstützern aus der Wirtschaft zum Ziel hat. Das Ergebnis sei "sehr bescheiden", sagte Holger Beelmann, Geschäftsführer Marketing. Immerhin hatten neue Geldgeber Ende letzten Jahres den schon damals finanziell in Schieflage geratenen Klub vor dem Aus bewahrt.

Beelmann kündigte an, dass die HSG Nordhorn-Lingen am 1. März die Lizenz für die kommende Saison der ersten oder zweiten Bundesliga beantragen will - und nach Saisonende den bisherigen Vereinsträger HSG Sport Marketing ablöst. Sein Unternehmen habe "keine Altlasten", sagte Beelmann. Das sei ein Vorteil. Ende letzten Jahres nahm die Steuerfahndung den Klub ins Visier. Zum aktuellen Stand des Verfahrens wollte sich Greven nicht äußern.

Nach der Insolvenz von Tusem Essen droht der Handball-Bundesliga nun die zweite Pleite eines Klubs binnen einer Saison. "Die Entwicklung ist eine Folge des Handball-Booms nach der WM 2007", sagt Hartmut Zastrow, Vorstand der Kölner Sponsoringberatung Sport + Markt. Bei den Spielergehältern habe es einen "unwahrscheinlichen Zug nach oben gegeben". Die Folge: "Unprofessionell aufgestellte Vereine, die sich jahrelang durchgewurschtelt haben, kommen jetzt unter die Räder."

Zastrow rät zu einem verschärften Lizensierungsverfahren für die Bundesliga: "Es muss Ballast abgeworfen werden." Zudem rät er den Klubs, rasch Strukturen aufzubauen, die den veränderten Rahmenbedingungen gerecht werden. "Viele von ihnen haben niemanden, der speziell für das Sponsoring zuständig ist."

Hier liege noch Potenzial brach: "Sponsoring im Handball ist völlig unterschätzt", sagte Zastrow. "Für die Medienpräsenz, die sie haben, verkaufen sich die Klubs viel zu billig. Viele werden von Sponsoren mit einem Butterbrot abgespeist." Bei den Zuschauereinnahmen sei das Potenzial weitgehend ausgereizt - vor allem bei regionalen Unternehmen müssten die Vereine nun Begeisterung entfachen und ihnen einen Gegenwert für ein Engagement bieten, sagte Zastrow. "Es bringt nichts, den Leuten damit zu kommen, dass man pleite geht, wenn sie nicht helfen."

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