Hauptsponsor gesucht
RheinEnergie Köln verliert seinen Namen

Nach fünf Jahren, drei Pokalsiegen und einer Meisterschaft steigt der Energiekonzern „RheinEnergie“ als Namensponsor des deutschen Basketballmeisters aus. Zurück bleibt eine Finanzierungslücke von zwei Millionen Euro. Die bislang erfolglose Suche nach einem Nachfolger gefährdet die Zukunft des Kölner Vereins.

KÖLN. Zumindest die Wirtschaftsjunioren der Internationalen Handelskammer (IHK) in Köln hörten Jens Brämer staunend zu. Mit einem Beamer ausgestattet hatte der Manager des amtierenden Basketball-Meisters und Pokalsiegers RheinEnergie Köln seine ehrgeizigen Pläne an die Wand geworfen. Zu sehen war die neue Spielstätte des derzeit erfolgreichsten Basketballklubs der Republik: Für knapp 30 Millionen Euro wollen die Kölner im benachbarten Hürth bis Herbst 2008 eine Arena bauen. Dort wo einst Alex und Slatko als „Big Brother“-Helden geboren wurden, soll eine Multifunktionshalle für 8 500 Zuschauer entstehen. „Unser Potenzial steckt in der Halle“, sagt Brämer.

Sein Vortrag für angehende Wirtschafts-Experten fand im „Energy-Dome“ statt, der aktuellen Kölner Heimat. Dort wo RheinEnergie am vergangenen Dienstag durch einen 73:71-Playoff-Erfolg die Chance auf ein fünftes und finales Spiel heute in Bremerhaven wahrte, erinnert allerdings wenig an C-Promis. Im Kölner Norden riecht es nach Schweiß und harter Arbeit. Brämer sagt: „Hier haben wir unsere Nische gefunden.“ Doch die Nische ist auf Dauer zu klein. Nur 3 200 Fans finden in der vor sechs Jahren eilig angefertigten Zeltkonstruktion Platz. Damals, als der Klub mit einer Wildcard aus der Regionalliga in die Bundesliga gehievt wurde, musste alles schnell gehen. Jetzt wollen die Kölner solider planen. Doch der Sprung ins Rampenlicht will nicht so recht gelingen.

Nach fünf Jahren, drei Pokalsiegen und einer Meisterschaft, steigt der Energiekonzern „RheinEnergie“ als Namensponsor aus. Zurück bleibt eine Finanzierungslücke von zwei Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wurden über 100 Anfragen an potenzielle Nachfolger gestellt. Vergeblich. „Es überrascht mich, dass noch kein Vertrag unterzeichnet wurde. Jetzt wird es allmählich eng“, sagt Marcel Cordes. Als Geschäftsführer der Unternehmensberatung „Sport+Markt“ wies Cordes unlängst nach, dass Köln zusammen mit Branchen-Primus Alba Berlin das national bekannteste Basketballteam stellt. Eigentlich würde alles passen, sagt Cordes. Jedoch fehlten dem Basketball „planbare mediale Leistungen“.

Da die 18 Bundesligisten bisher nur im Bezahlfernsehen zu sehen waren, hat sich die Liga für die kommende Spielzeit mit dem Vermarkter „Sport Five“ und dem Online-TV-Portal „sportdigital.tv“ verbündet. Ob dadurch eine breitere mediale Wahrnehmung generiert wird, ist aber unklar. So unklar wie die sportliche Zukunft des Meisters. Außer einiger deutscher Nachwuchsspieler hat Köln keinen seiner Angestellten langfristig unter Vertrag. Nur Trainer Sasa Obradovic verlängerte seinen Vertrag jüngst um zwei Jahre. „2008 wird für uns ein Übergangsjahr“, sagt Brämer. Man wolle bewusst auf „junge, deutsche Spieler“ setzen. Eine Idee, die auch Obradovic mittragen will. Entscheidend sei dabei der Hallenneubau. Obradovic erinnerte die Situation in Köln an seine Zeit in Berlin. 1996 war Alba in die mondäne Max-Schmeling-Halle umgezogen. Zehn Jahre später zählen die Berliner 6 500 Besucher im Schnitt.

Dass im Rhein-Ruhr-Gebiet mit Krefeld, Oberhausen, Düsseldorf und Essen bereits flächendeckend Mehrzweckhallen ähnlicher Größe stehen, schreckt die Kölner nicht ab. Auch nicht, dass laut Paul Keusch „keine dieser Hallen Gewinn macht“. Der Manager des Krefelder Königspalastes fuhr im vergangenen Jahr einen Verlust von einer Millionen Euro ein. Trotzdem hält Unternehmensberater Cordes den Hallenneubau für das entscheidende Argument, einen potenten Namenssponsor zu gewinnen. „Es gibt genug Unternehmen, für die RheinEnergie Köln ein guter Case wäre“, sagt Cordes.

Ob die Wirtschaftsjunioren der IHK verstanden haben, warum Köln bald die dritte Namensänderung in der sechsjährigen Vereinsgeschichte vollzieht? Brämer erklärt: „Wenn wir einmal Millionen über TV-Gelder verdienen, bin ich der erste, der sagt, wir behalten den Namen. Aber so ist es unser wertvollstes Gut.“ Bei einer Niederlage am Donnerstag in Bremerhaven ist die Saison vorbei. Den Meistertitel und ihren Namen wären die Kölner dann auch erst einmal los.

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