Interview mit Robert Stapleton, Teamchef T-Mobile
„Ethik-Kodex ist nicht verhandelbar“

Die diesjährige Tour de France steht wie nie zuvor im Schatten des Doping. Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußert sich T-Mobile Teamchef Robert Stapleton unter anderem über den Ethik-Kodex, die „Sauberkeit“ im eigenen Team und die zukünftige Vermarktung des Radsports.

Handelsblatt: Herr Stapleton, jede Tour-Berichterstattung in Deutschland beginnt mit der D-Frage.

Robert Stapleton: Ich weiß.

Sollen wir die Frage aussparen?

Bloß nicht.

Der Weltverband UCI hat dem spanischen Rennstall Relax-GAM in Aussicht gestellt, 2008 in die Pro-Tour aufzusteigen. Relax-GAM beschäftigt mit Oscar Sevilla, Francisco Mancebo und Angel Vicioso drei in den spanischen Blutdoping-Skandal verwickelte Fahrer. Was würde die Lizenzvergabe bedeuten?

Es wäre kein gutes Zeichen. Es ist im Ethik-Kodex ganz klar formuliert: Teams, die in den Skandal verwickelte Fahrer halten, muss die Lizenz verweigert werden. Der Kodex ist nicht verhandelbar.

Der deutsche Sprinter Erik Zabel fordert eine Generalamnestie für Radprofis, solange sie gestehen. Dies, sagt Zabel, wäre wichtig für die Vergangenheitsbewältigung.

Die Frage ist: Was braucht der Radsport? Er braucht in erster Linie ein für alle Teams verbindliches Testsystem, das den neuesten Standards entspricht. Dies ist die einzige Lösung unseres Problems. Wenn wir das hinbekommen, dann soll man auch über eine Generalamnestie nachdenken.

Sie würden in erster Linie Fahrern nützen, die gegen Regeln verstoßen und betrogen haben.

Sehen Sie, vor wenigen Monaten hatte ich zwei klare Positionen: Der Skandal in Spanien muss aufgeklärt werden. Und wir brauchen eine neue Antidopingrichtlinie. Von der ersten habe ich mich verabschiedet.

Der Skandal wird demnach ohne Konsequenzen bleiben.

Ich habe den Glauben daran verloren, dass er aufgeklärt wird. Ich sehe einfach keinen großen Enthusiasmus. Zu viele Teams, zu viele Fahrer und zu viel Geld sind involviert. Vielleicht müssen wir es ruhen lassen.

Jüngst wurde auch T-Mobile wieder von der Dopingvergangenheit eingeholt. Es gibt Unterlagen, die den Verdacht nahe legen, Rogers, Sinkewitz und Bernhard Eisel haben als Junioren beim Team Mapei gedopt.

Ich habe keine Zweifel, dass früher bei Mapei gedopt wurde, ob meine drei Fahrer, kann ich nicht sagen. Aber für mich als Manager ist eines von viel größerer Bedeutung als persönlich darüber zu richten, was früher gewesen ist: Wie sauber sind meine Fahrer heute.

Sind Sie es?

Alle Daten, die wir zur Verfügung haben, sagen: Ja. Sie werden von allen möglichen Verbänden und Agenturen getestet. Zusätzlich auch von uns, wie etwa auf Eigenblut, was nicht alle Teams so halten. Und sie haben als erste die Antidopingerklärung unterschrieben. Sie haben alles getan, um Stellung gegen Doping zu beziehen.

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