Italien-Rundfahrt
Ullrich gibt beim Giro auf

Jan Ullrich hat seine Generalprobe zur Tour de France abgebrochen. Zwei Tage vor dem Finale des 89. Giro d'Italia ist er aus dem Rennen ausgestiegen. Das hätte „nichts mit den Anschuldigungen“ in Zusammenhang mit der spanischen Doping-Affäre zu tun, in der auch sein Name genannt wurde, erklärte der 32-jährige T-Mobile-Kapitän.

HB BERLIN/FALCADE. Den Tagessieg auf der 19. Etappe auf dem Passo di San Pellegrino sicherte sich der spanische Meister Juan-Manuel Garate nach 224 Kilometern. Zweiter mit wenigen Sekunden Rückstand wurde der Mann mit dem größten Kämpferherz, Jens Voigt (Berlin). Sein Team-Kapitän Ivan Basso (Italien) verteidigte das Rosa Trikot des Gesamtführenden souverän und wirkt weiter sportlich unantastbar. Der zweitplatzierte José Gutierrez aus Spanien liegt jetzt 6:07 Minuten zurück.

„Ich kann mir von einer Meldung nicht meinen Trainingsplan diktieren lassen. Ein vorzeitiger Ausstieg beim Giro war von vornherein eine unserer Optionen. Ich fühle mich gut, auch wenn ich natürlich ein bisschen müde bin. Ich werde jetzt bei mir zu Hause in der Schweiz trainieren, um mich weiter konsequent auf die Tour de France vorzubereiten“, sagte Ullrich, der das Rennen als bestplatzierter deutscher Profi auf Rang 42. aufgab. Am Schlussanstieg stieg er rund 14 Kilometer vor der Ziellinie in den Begleitwagen.

Ullrich, der seinen Saisoneinstand wegen einer Kniereizung verschieben musste, konnte mit seinem Giro dennoch zufrieden sein: Die Form ist ansteigend. Höhepunkt seines vorläufigen Aufwärtstrends war der erste Giro-Etappensieg seiner Karriere beim 50 Kilometer Zeitfahren von Pontedera 28 Sekunden vor dem mutmaßlichen Gesamtsieger Ivan Basso. Der 28-jährige Italiener gilt auch bei der am 1. Juli in Straßburg beginnenden Tour als Topfavorit und damit vermutlich härtester Widersacher des Wahlschweizers, der nach 2001 erst bei seiner zweiten Italien-Rundfahrt am Start war. Im Hochgebirge fehlt Ullrich allerdings noch einiges. Auch deshalb ist jetzt die Asturien-Rundfahrt in Spanien im Juni als Tour-Generalprobe im Gespräch.

Sein jetziges Giro-Timing ist aber auch widersprüchlich. Vor dem Start in Lüttich hatte Ullrich erklärt, zum Formaufbau brauche er jeden Giro-Kilometer und besonders die schweren Bergetappen würden ihm als optimale Vorbereitung für den Saisonhöhepunkt in Frankreich dienen. Im Lauf des harten Rennens hatte Ullrich aber beschlossen, „jetzt ein bisschen Luft ranzulassen“ und sich die noch kommenden schweren Steigungen in den Dolomiten zu schenken. Diese Vorgehensweise befürwortete auch sein Intimus, Teamchef Rudy Pevenage. „Das ist für seinen weiteren Aufbau günstiger“, sagte der Belgier.

Die Prominenz im Ruhestand stärkt Ullrich den Rücken und sieht in ihm bereits den Tour-Favoriten Nummer eins. So äußerte sich in Monte Carlo am Rande der Formel 1-Piste der siebenfache Rekordsieger Lance Armstrong (USA). Auch der fünfmalige Toursieger Miguel Indurain favorisiert den gebürtigen Rostocker: „Ivan Basso ist den Beweis noch schuldig, Giro und Tour hintereinander gewinnen zu können, so wie er es sich vorgenommen hat. Vielleicht hat er sich zu viel vorgenommen. Ullrich hat es richtig gemacht, den Giro nur als Tour-Vorbereitung zu fahren. Der Sieg in Frankreich führt nur über ihn.“ Indurain gewann 1992 und 1993 in einem Jahr Giro und Tour.

Ullrich war nach der Aufdeckung eines der größten Dopingskandale in der Geschichte des Radsports mit dem als Schlüsselfigur geltenden Arzt Eufemiano Fuentes, der am Freitag in Madrid dem Haftrichter vorgeführt wurde, in Verbindung gebracht worden. Der spanische Radiosender Cadena Ser hatte berichtet, der Tour-de-France-Sieger von 1997 habe Verbindungen zu dem Mediziner. „Wir haben bei allen Verantwortlichen im Team recherchiert und alle haben bestätigt, dass es absolut keine Verbindung zwischen dem Liberty-Arzt und Jan Ullrich gibt“, erklärte T-Mobile-Sprecher Christian Frommert.

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