Klagen der Wettbewerber
Gericht stoppt Vergabe von Sportwettenlizenzen

Die deutschen Länder wollen die Spielsucht bekämpfen. Doch die Beschränkung auf 20 Anbieter bei Sportwetten ist umstritten. Klagen anderer Bewerber außerhalb des ausgewählten Kreises haben die Vergabe vorerst gestoppt.
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WiesbadenDie Vergabe von 20 Lizenzen für den milliardenschweren Sportwettenmarkt in Deutschland ist vorerst gestoppt. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden untersagte dem hessischen Innenministerium, die Konzessionen wie geplant am Donnerstag an Wettanbieter auszuhändigen.

Bei dem Gericht war nach Angaben einer Sprecherin „ein gutes Dutzend“ Klagen nicht berücksichtigter Wettbewerber eingegangen. Das Innenministerium kündigte Beschwerde gegen den Beschluss an, um die Konzessionen doch noch möglichst bald erteilen zu können.

Deutsche Spieler setzen bei Sportwetten jährlich für geschätzte vier Milliarden bis acht Milliarden Euro. Mit den Konzessionen wollen die Bundesländer den bisherigen grauen Spielemarkt regulieren. In einem zweijährigen Verfahren hat das federführende hessische Innenministerium 20 Anbieter ausgewählt. Dazu zählen der Spielautomatenhersteller Gauselmann mit seiner Wetttochter Cashpoint, aber auch die staatliche Oddset Deutschland Sportwetten GmbH.

21 Bewerber, darunter der Marktführer Tipico, gingen leer aus. Tipico begrüßte den Beschluss: „Die über 850 Tipico-Wettannahmestellen in Deutschland mit ihren 5000 Mitarbeitern können folglich weiter betrieben werden“, erklärte das Unternehmen in Frankfurt.

In dem sogenannten Hängebeschluss gab das Gericht dem Ministerium auf, das Verfahren offen zu halten. „Wir sind sehr enttäuscht, dass es bisher zu keiner Vergabe gekommen ist“, sagte der Geschäftsführer von Oddset, Christoph Schmidt, in München. Eigene rechtliche Schritte werde man prüfen und dann entscheiden.

Die Unternehmen auf der 20er-Rangliste hatten zuvor gewarnt, dass die Klagewelle den Beginn eines geregelten Wettmarktes verzögern könnte. „Es besteht die Gefahr, dass der Wettmarkt weiter unreguliert bleibt“, hatte der Geschäftsführer von Lotto Hessen, Heinz-Georg Sundermann, vergangene Woche gesagt.

Das Land Hessen habe nur zwei Überblicksbände an Akten vorgelegt, verweigere aber die Herausgabe der vollständigen Bestände, kritisierte das Verwaltungsgericht. „Eine Kontrolle der Auswahlentscheidung ist damit nicht gewährleistet.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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