Klubs fühlen sich vom Vermarkter überfahren
Vergabe der Namensrechte spaltet die Handball-Liga

Zehn von 18 Bundesligaklubs haben eine Offerte von Toyota über den Kauf des Liganamens abgelehnt. Sportfive-Manager Lars Reckwitz sieht die Liga nun am Scheideweg.

DÜSSELDORF. Eine perfekte Saison liegt hinter den 18 Klubs der Deutschen Handball-Bundesliga (HBL): Vor 21 Millionen Zuschauern an den Fernsehgeräten wurde Deutschland sensationell Weltmeister, danach gewannen die deutschen Klubs alle drei europäischen Wettbewerbe, angeführt vom Champions League-Sieger THW Kiel. Und zu den Bundesliga-Spielen kommen so viele Zuschauer wie nie.

Trotz dieses Booms ging es am vergangenen Freitag bei der abschließenden Ligaversammlung im Dortmunder Hilton-Hotel hoch her. „Eine turbulente Sitzung“, registrierte HBL-Vorstandsmitglied Manfred Werner. Und Lars Reckwitz vom Hamburger Sportvermarkter Sportfive spricht gar von einem „klärenden Gewitter“. Grund der hitzigen, stundenlangen Debatte: Die Zentralvermarktung der Liga.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit hatten Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann und Sportfive eine Partnerschaft mit Toyota vorbereitet. „Toyota wollte absolute Diskretion“, erklärt Werner. Der japanische Automobilkonzern will sich für zwei bis sechs Jahre als Namensgeber der Liga engagieren, rund zwei Millionen Euro jährlich stehen für die Handballer auf dem Spiel. Rund 55 000 Euro pro Jahr sollten in die Etats der Klubs fließen.

Dennoch lehnten die Vertreter der 18 Vereine diesen Deal nach Informationen des Handelsblatts mit 10:8-Stimmen ab – nicht wegen der Sache an sich, sondern weil sich die meisten Klubvertreter von der Liga-Geschäftsführung und Sportfive überfahren fühlten.

„Die Art und Weise, wie das kommuniziert wurde“, fand nicht nur Jens Wachowitz, Manager vom Aufsteiger TuSEM Essen, nicht in Ordnung: „Wir wussten vorher von Nichts, und dann soll alles sofort abgestimmt werden, das kann nicht sein.“ Liga-Schwergewichte wie der VfL Gummersbach, der HSV Hamburg und der TBV Lemgo stimmten aus den gleichen Gründen dagegen.

Da nützte es wenig, dass der Branchenführer THW Kiel vertreten durch seinen Managers Uwe Schwenker für den Toyota-Deal kämpfte. „Die diskrete Vorbereitung war ein Spagat, der die Liga überfordert hat“, sagt Werner.

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