Leichtathletik EM
Ralf Bartels überrascht mit goldenem Stoß

Der deutsche Kugelstoßer Ralf Bartels sorgte durch seine Goldmedaille für einen gelungenen EM-Einstand des DLV. Derweil verschafften sich Betty Heidler, Jennifer Oeser und Lilli Schwarzkopf gute Ausgangspositionen.

Kugelstoßer Ralf Bartels hat bei den 19. Europameisterschaften in Göteborg überraschend für einen goldenen Auftakt des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) gesorgt. Im letzten Versuch erzielte der 28-jährige Marinesoldat 21,13m und wurde als insgesamt siebter Deutscher seit 1 969 Europameister in dieser Disziplin. Nach Bronze bei EM 2002 und WM 2005 ist dies die dritte internationale Medaille seiner Karriere. "Ich danke euch allen, mir fehlen die Worte", meinte der Neubrandenburger nach seinem Überraschungscoup.

Silber holte vor 16 500 Zuschauern in der nur halb vollen Arena Weißrusslands Ex-Weltmeister Andrej Michnewitsch in einem packenden Wettkampf mit 21,11m vor dem dänischen Olympiadritten Joachim Olsen (21,09). Guter Siebter wurde mit 19,95m Andy Dittmar (Ohra-Hörsel). Bartels, neun Stunden zuvor mit 20,58m schon Bester der Qualifikation, war im März bei der Hallen-WM noch am Einzug ins Finale gescheitert. "Ich hatte Moskau natürlich im Hinterkopf und war sehr nervös", meinte der 125-Kilo-Mann, dem der Sieg in Runde eins den richtigen Auftrieb gab.

Bartels: "Während des gesamten Finals habe ich an mich geglaubt"

"Mein Sieg war sehr knapp, aber das interessiert später niemanden mehr", kommentierte der 28-Jährige Ralf Bartels seinen Erfolg. "Während des gesamten Finals, auch als ich Vierter war, habe ich an mich selbst geglaubt und wusste, dass ich alle schlagen könnte, weil ich in exzellenter Form bin."

Am Vortag hatte der Oberbootsmann der Marine die Parole ausgegeben: "Ich muss ein gewisses Risiko eingehen, wenn ich vorne landen will. Es ist ein schmaler Grat." Voller Respekt war Andy Dittmar: "Im sechsten Versuch so ein Ding rauszuhauen, davor kann man nur den Hut ziehen. Nachdem ich im dritten Versuch ganz gut war, habe ich zu Ralf gesagt, jetzt bist du dran."

Inga Abitowa düpiert Favoritinnen über 10.000m

In der zweiten Entscheidung des Tages gewann die russische Außenseiterin Inga Abitowa den ersten Titel bei den Frauen. In 30:31,42 siegte die 26-Jährige über 10.000m vor der Norwegerin Susannwe Wigene (30:32,36) und Lidija Grigorjewa (30:32,72), einer zweiten Russin. Die hohe Favoritin Elvan Abeylegesse (Türkei) war ausgestiegen.

Das deutsche Duo hatte mit dem Kampf um Bronze nichts zu tun. Achte in deutscher Jahresbestzeit von 31:40,28 Minuten wurde die letztjährige Cross-EM-Zweite Sabrina Mockenhaupt (Köln). Neunte wurde in 31:44,82 die Sydney-Olympiafünfte Irina Mikitenko (Wattenscheid) bei ihrem Abschied von der Bahn.

Deutsche Medaillenchancen im Hammerwerfen und Siebenkampf

Überraschend eröffnen sich für Dienstag nicht nur im Hammerwerfen durch die Frankfurter Weltranglistenfünfte Betty Heidler, sondern auch im Siebenkampf hinter Schwedens umjubeltem Star Carolina Klüft weitere deutsche Medaillenchancen. Während Frankreichs Ex-Weltmeisterin Eunice Barber in Führung liegend mit lädiertem Oberschenkel ausschied, wuchsen Jennifer Oeser (Leverkusen) nach Bestleistungen über Hürden und im Hochsprung (1,86m) sowie Lilli Schwarzkopf über sich hinaus. Oeser strebt als Halbzeit-Sechste (3 725) etwa 6 300 Punkten entgegen, die Paderbornerin (3 691) als Achte ebenfalls nie erreichten 6 450. Klüft führt mit 3 990 Zählern.

"Ich habe kein Quali-Trauma mehr. Jetzt sehe ich eine gute Perspektive fürs Finale", freute sich die Olympiavierte Betty Heidler nach Rang zwei (71,40m) in der Qualifikation. Während sich die 22-Jährige im Kontrast zum WM-Aus 2005 und der Europacup-Pleite in Runde eins voll auf ihre Technik besann, schwächelten mit Ausnahme von Russlands Weltrekordlerin Tatjana Lysenko (73,23) andere Favoritinnen. Das Finale verpassten Oxana Menkowa (Weißrussland/62,85) und Jekaterina Choroschich (62,97) nach zuvor weltrekordnahen 76-m-Würfen. Mit 66,45m schied auch Susanne Keil (Leverkusen) als 13. aus, dagegen kam Kathrin Klaas (Frankfurt) mit 67,59m als Achte weiter.

Mehrere deutsche Ausfälle zum Auftakt

Es gab auch deutsche Ausfälle am ersten Tag. Neben Keil war gleich am Morgen auch der Frankfurter 400-m-Läufer Sebastian Gatzka als Vorlaufsiebter in 46,55 Sekunden gescheitert. Die Wattenscheider 800-m-Meisterin Monika Gradzki blieb in 2:03,42 Minuten als Sechste auf der Strecke, 1 500-m-Läufer Carsten Schlangen (Berlin) als Zehnter in in 3:42,62 und Speerwerfer Christian Nicolay (Wattenscheid) mit 77,94m.

Den Auftakt des siebentägigen Titelwettstreits der rund 1 300 Athleten aus 48 europäischen Nationen überstanden neben Klaas und 400-m-Meister Kamghe Gaba (46,55 als Dritter) weitere DLV-Athleten. Claudia Marx (Erfurt) gelangte über 400m-Hürden als Dritte in 56,05 Sekunden in den Zwischenlauf, der deutsche 100-m-Meister Ronny Ostwald (Wattenscheid) kam in der zweiten Runde als Vierter in schwachen 10,48 Sekunden ins Halbfinale. Im Speerwerfen kamen der Kornwestheimer Peter Esenwein mit 82,71m und Stefan Wenk aus Sindelfingen (80,90) sicher weiter.

© SID

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