Leichtathletik
Gatlin: Vom Coverboy zum Angeklagten

Eine neue Dopingaffäre erschüttert den Sport in seiner Glaubwürdigkeit stärker denn je. Zwei Tage nach Bekanntwerden des Falles von Tour-de-France-Sieger Floyd Landis hat Justin Gatlin die Leichtathletik mit seinem Doping-Geständnis in die größte Glaubwürdigkeitskrise seit Ben Johnson und dem Balco-Skandal um Marion Jones gestürzt.

Der 100- Meter-Olympiasieger, Weltmeister und Co-Weltrekordinhaber aus den USA gab eine positive Dopingprobe zu und muss als potenzieller Wiederholungstäter mit einer lebenslangen Sperre und der Aberkennung seines Weltrekordes (9,77 Sekunden) rechnen. Der 24-jährige beteuert seine Unschuld, sein Trainer Trevor Graham spricht von Sabotage.

„Ich bin von der Anti-Doping-Agentur der USA (Usada) informiert worden, dass ich positiv auf Testosteron oder ein Testosteron-Derivat getestet worden bin“, erklärte der 24 Jahre alte US-Amerikaner in einer schriftlichen Stellungnahme, „ich kann mir das nicht erklären, denn ich habe weder wissentlich verbotene Substanzen eingenommen noch irgend jemanden autorisiert, mir solche Substanzen zu geben“. Der Superstar wurde nach einem Staffelrennen am 22. April in Kansas City positiv getestet. Laut „New York Times“ liegen A- und B-Probe vor.

„Sind die Athleten grenzenlos dumm oder absolut zynisch?“, fragte Thomas Bach als Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des IOC in Reaktion auf den Fall Gatlin. Lamine Diack, der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, sprach von ernsthaften Doping-Vorwürfen gegen „einen der größten Stars unserer Sportart“. Zugleich bekräftigte der Senegalese das „totale Engagement“ der IAAF im weiteren Kampf gegen Doping.

Dass ausgerechnet der selbst ernannte „Saubermann“ Gatlin vom Coverboy zum Angeklagten mutierte, macht den Imageschaden für die krisengeschüttelte Leichtathletik und den gesamten Sport noch größer. „Wenn die Usada das Vergehen von Justin Gatlin bestätigt, ist nach den Regeln der IAAF die Sanktion eine lebenslängliche Suspendierung“, gab der Weltverband IAAF gestern bekannt. Dann wäre der Doppel-Weltmeister von Helsinki nach Ben Johnson (Kanada), Linford Christie (Großbritannien), Tim Montgomery und Kelli White (beide USA) bereits der fünfte prominente Sprinter, der im Dopingsumpf versinkt. „Wir sind sehr besorgt, dass Justin positiv getestet wurde, denn er war einer prominentesten Fürsprecher für saubere Siege in der Leichtathletik“, sagte Craig Masback, der Präsident des US-Verbandes USATF.

Peter Ueberroth, der Vorsitzende des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC), meinte in einer offiziellen Mitteilung: „Seit die Usada vor sechs Jahren ihre Arbeit aufnahm, haben wir große Fortschritte gemacht, aber noch viel Arbeit vor uns. Wir wollen den Kampf gewinnen, aber die traurige Wahrheit ist: Wir haben den Kampf noch nicht gewonnen. So kann es nicht weitergehen.“

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