Leichtathletik National
100m-Olympiasieger Hary feiert 70. Geburtstag

Als bisher einziger Deutscher feierte Armin Hary 1960 in Rom den Olympiasieg über die 100m-Distanz. Heute wird Hary, der als erster Mensch die 100m in blanken 10,0 Sekunden lief, 70 Jahre alt.

Der Startschuss ist immer noch präsent - seine Reaktion fühlt er noch heute mit jeder Faser seines Körpers. "Ich habe mich auf den Knall gestürzt wie ein Boxer auf den Gegner", sagt Armin Hary über den Auftakt des 100-m-Rennens, das er am 21. Juni 1960 in Zürich als erster Mensch in blanken 10,0 Sekunden beendete. 72 Tage später gewann der damals 23-Jährige in Rom als bisher einziger Deutscher Olympia-Gold auf dieser Strecke, eine Woche darauf auch mit der 4x100-m-Staffel. Am heutigen Donnerstag wird Armin Hary 70 Jahre alt.

Feier mit den Staffelkameraden

"Es gibt nur eine kleine Feier. Aber die Staffelkameraden von Rom werden dabei sein", sagt Armin Hary, der vor zehn Jahren mit den drei anderen noch an historischer Stätte den 60. Geburtstag zelebriert hatte. Mit Startläufer Bernd Cullmann, Walter Mahlendorf, an den er den Stab weiterreichte, und Martin Lauer, der durch die Disqualifikation der Amerikaner als Sieger durchs Ziel lief.

Der Mann, dessen Leben im Zeichen des Duells mit der Zeit stand, hat heute das Gefühl, dass ihm diese zwischen den Fingern zerrinnt. Vor fünf Jahren war der Rentenbescheid für ihn "wie ein Schock", nun sagt er: "Unfassbar, dass ich in elf Jahren schon auf die 90 zugehe. Ich habe noch so viel vor und so wenig Zeit für alles. Golf habe ich schon seit zwei Jahren nicht mehr gespielt."

Stiftung zur Förderung jugendlicher Sporttalente gegründet

"Bis zu 18 Stunden täglich" ist er für seine AHA-Stiftung tätig, eine von ihm gegründete Initiative zur kommunalen Förderung jugendlicher Sporttalente. Mit finanzieller Hilfe von Gemeinden und Firmen versucht er den Nachwuchs für den Sport zu gewinnen und beklagt, dass es "statt der 15 000 Talente, die ich jährlich vermitteln könnte, am Ende viel zu wenig sind."

Das eigene Talent erkannte Armin Hary selbst früh. Doch erst einmal erhielt der Sohn eines saarländischen Bergmanns und deutschen Ringermeisters von der Mutter Fußballverbot, weil er angeblich zu schmächtig war. Über den Handall kam er zur Leichtathletik, stellte im Zehnkampf mit 19 schon einen saarländischen Nachkriegsrekord (5 376 Punkte) auf und konzentrierte sich dann auf den Sprint. Als der deutsche Juniorenmeister mit 20 in 10,5 Sekunden DM-Zweiter bei den Männern hinter Manfred Germar wurde, meinte der damalige Leverkusener Meistertrainer Bertl Sumser: "Den hol´ ich mir. Der wird der Erste in der Welt werden, der die 100m in 10,0 Sekunden läuft."

Doch Ärger mit den Funktionären bremste die Karriere des jungen Heißsporns. 1958 wurde Hary wegen einer Spesenabrechnung über 70 Mark vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) mehrere Monate wegen Verstoßes gegen die Amateurstatuten gesperrt.

Im gleichen Jahr wurde er nach der Steigerung auf 10,2 völlig überraschend 100-m-Europameister, dann mit Germar, Heinz Fütterer und Lauer auch in der Staffel. Ein erster Weltrekord wurde ihm Wochen später in Friedrichshafen/Bodensee verwehrt, weil die Aschenbahn statt erlaubten 10cm ein Gefälle von 10,9cm aufwies.

Nach neuen Querelen mit Funktionären nahm Hary 1960 in Los Angeles ein Stipendium an, kehrte wegen der Olympiaqualifikation aber zurück, um dann in Zürich Sportgeschichte zu schreiben. Wieder wurde erst ein Weltrekord annulliert, diesmal wegen Fehlstarts. 35 Minuten später war Hary beim Wiederholungslauf am Ziel der Träume.

"Nach 50 Metern wusste ich, dass ich nicht verlieren konnte"

Olympiagold gewann er am 1. September 1960 in 10,2 vor dem Amerikaner Dave Sime. "Nach 50 Metern wusste ich, dass ich nicht mehr verlieren konnte", meinte der damals 1,83m große und 78 Kilo schwere Athlet.

Nach weiterem Verbandsärger wegen eines Interviews und angeblich falscher Spesenabrechnung sowie einer Knieverletzung nach Autounfall ließ Armin Hary am 1. Mai 1961 durch seinen Anwalt das Ende der nur dreijährigen Karriere verkünden.

1966 heiratete der Weltrekordler seine Christiana, eine Gutsbesitzers-Tochter (Sohn Armin, Tochter Diana). Beruflich und versuchte sich der gelernte Feinmechaniker in vielen Sparten, gründete in München eine Immobilienagentur und geriet 1980 bei Grundstücksgeschäften mit dem Gesetz in Konflikt, als er wegen Beihilfe zur Untreue an der katholischen Kirche erst zu zwei Jahren Gefängnis, dann in zweiter Instanz zu eineinhalb Jahren mit Bewährung und 20 000 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. "Bei den Gedanken daran brechen alte Wunden auf", sagt der Mann, dessen sportlicher Ruhm unvergänglich bleibt.

© SID

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