Leichtathletik National
Weltfinale in Stuttgart begeistert die Massen

Nach den eher mäßigen Auftritten in Monte Carlo hat das Weltfinale in Stuttgart die Zuschauer begeistert. Die zahlreichen Leichtathletik-Stars geizten im Gottlieb-Daimler-Stadion nicht mit herausragenden Leistungen.

Die Leichtahtletik-Fans in Stuttgart durften sich nach drei mäßigen Auftritten im mondänen Monte Carlo über das erste Weltfinale freuen, das seinen Namen wirklich verdiente. Vor 56 000 begeisterten Zuschauern im Gottlieb-Daimler-Stadion kassierte zwar niemand 100 000 Dollar Weltrekordprämie, doch die Weltelite verbreitete Glanz beim Kampf um drei Mill. Dollar Preisgeld.

Allen voran Liu Xiang (China), der in 12,93 Sekunden seinen 110-m-Hürden-Weltrekord streifte (12,88), Asafa Powell (Jamaika), der 2006 die 100m in 9,89 zum 13. Mal unter zehn Sekunden rannte und der Amerikaner Tyson Gay mit seinen 19,68 Sekunden über 200m. Schneller als er waren nur Ausnahmeläufer Michael Johnson (19,32) und US-Landsmann Xavier Carter (19,63). Nur 4,75m schaffte diesmal Russlands Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa mit dem Stab.

"Gut möglich, dass das Weltfinale schon 2007 über die drei geplanten Jahre hinaus langfristig nach Stuttgart vergeben wird", meinte Helmut Digel, Vizepräsident des Weltverbandes Iaaf. Denn ähnlich wie bei der glanzvollen WM 1993 an gleicher Stätte machten Atmosphäre und Zuschauer die Wettkämpfe am Neckar zum Ereignis - mit zehnmal mehr Publikum als in Monte Carlo. "Stuttgart war eine gute Wahl. Alles war extrem gut organisiert", sagte der überaus zufriedene Iaaf-Präsident Lamine Diack.

14 Olympiasieger und 17 Weltmeister in Stuttgart am Start

Wie stark Stuttgart besetzt war, zeigt die Tatsache, dass in 36 Disziplinen nur vier Weltranglisten-Erste fehlten und neben 14 Olympiasiegern und 17 Weltmeistern zwei Drittel aller Athleten der "Top Ten" des Jahres teilnahmen. Elf Siegerleistungen waren besser als jene in den drei Finals zuvor.

Die 21 deutschen Athleten kassierten von den drei Mill. 165 000 Dollar Preisgeld. Große Gewinnerin war eine Verliererin der EM von Göteborg. Die Olympiavierte Betty Heidler (Frankfurt/Main) gewann in Abwesenheit der russischen Weltrekordlerin Tatjana Lysenko mit 75,44m das Hammerwerfen und strich wie alle Disziplinsieger 30 000 Dollar ein: "Damit kaufe ich ein Grundstück in der Nähe meiner Eltern bei Berlin", meinte die Wahl-Frankfurterin. Ein Sieg glückte auch Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch (Neubrandenburg), die nach einer Woche Sondertraining mit 64,73m klar vorn lag und nun beim Weltcup in der nächsten Woche in Athen noch einmal 30 000 Euro kassieren möchte.

Wie Europameisterin Steffi Nerius (Leverkusen), die mit 65,06m die EM-Revanche gegen die Tschechin Barbora Spotakova (66,21) verlor und als Zweite 20 000 Dollar erhielt. Als Stabhochsprung-Zweiter hinter dem Australier Paul Burgess teilte sich der EM-Zweite Tim Lobinger (Köln) mit dem ebenfalls höhengleichen Amerikaner Toby Stevenson 32 000 Dollar. Dritter wurde der EM-Sechste Peter Esenwein (Kornwestheim), der für 85,30m im Speerwurf 12 000 einsackte und für die einzige deutsche Saisonbestmarke sorgte.

Liu Xiang verfehlt eigenen Weltrekord nur knapp

Im zweitgrößten 110-m-Hürden-Rennen aller Zeiten verfehlte Chinas von mehreren hundert Landsleuten gefeierter Olympiasieger Liu Xiang seinen Weltrekord vom 11. Juli nur um 0,05 Sekunden. Als Zweiter steigerte sich der Kubaner Dayron Robles auf 13,00 und Ex-Weltmeister Allen Johnson (USA) blieb trotz 13,01 nur Rang drei. "Ein phantastisches Publikum, eine tolle Atmosphäre, das gab mir viel Zuversicht", meinte Chinas Hürden-Star.

Asafa Powell, der im Mai 2005 sowie in diesem Jahr in Gateshead und Zürich in 9,77 Weltrekord gelaufen war, kam einmal mehr spät aus dem Startblock und siegte nur mit 0,02 Sekunden Vorsprung auf den Amerikaner Leonard Scott. "Ich wollte nicht den zweiten Fehlstart verursachen. Aber die Jungs sollten nicht gewinnen", meinte der 23-Jährige, der eine Woche zuvor in Berlin wie die erneut siegreichen amerikanischen 400-m-Stars Jeremy Wariner (44,02) und Sanya Richards (49,25) 250 000 Dollar im Golden-League-Jackpot kassiert hatte.

Von 14 Olympiasiegern gewannen acht wie Liu, Issinbajewa, Wariner und Norwegens überragender Speerwerfer Andreas Thorkildsen (89,50). Unter 17 Weltmeistern landeten zehn auf Rang eins wie Äthiopiens Läuferstar Kenenisa Bekele über 5000m. Doch von 22 Europameistern verloren 15 wie Nerius oder der auf Rang sechs gelandete Neubrandenburger Kugelstoßer Ralf Bartels (20,19).

© SID

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