Leichtathletik-Weltmeisterschaft
Unger stürmt ins im 200-Meter-Finale

Tobias Ungerer nimmt erstmals an einem Weltmeisterschafts-Finale in der Leichtathletik teil. Nach seinem dritten Platz im ersten Halbfinale am Mittwochabend in Helsinki wollte der 200-Meter-Sprinter trotzdem nicht an eine Medaille denken.

HB HELSINKI. „Jetzt an eine Medaille zu denken, wäre vermessen. Aber Platz sieben hatte ich in Athen schon, den achten will ich nicht. Ich denke, dass ich um die Plätze fünf und sechs kämpfen werde.“

Unger reichten 20,63 Sekunden, um hinter den Amerikanern John Capel (20,45) und Wallace Spearman (20,49) ins Ziel zu kommen. „Durch Tobias Unger weiß ich, dass die Deutschen wieder schnell rennen können“, staunte sogar der Weltjahresbeste Spearman. Für den 26- jährigen Sportmarketingstudenten ist dies nach seinem siebten Platz bei den Olympischen Spielen 2004 und seiner Goldmedaille bei der Hallen-EM der größte Erfolg.

Im Endlauf an diesem Donnerstag stehen nun vier Amerikaner. Den zweiten Lauf gewann Tyson Gay in 20,27 Sekunden vor dem 100-Meter- Weltmeister und Olympiasieger Justin Gatlin. Unger ist nicht nur der einzige Europäer, sondern wie in Athen der einzige Weiße im Endlauf. „Mir selbst bedeutet das schon ein bisschen was. Aber man sollte auch aufpassen, dass man nicht als Rassist bezeichnet wird“, erklärte der deutsche Rekordhalter. „Umso mehr freue ich mich, ein kleiner Farbtupfer zu sein.“ Von den Mätzchen Capels, der mehrfach den Start verzögerte und mit den Kampfrichtern diskutierte, ließ sich der deutsche Meister nicht durcheinander bringen, auch wenn er hinterher schimpfte: „Ich hätte ihn rausgeschmissen.“

Unger machte damit endgültig seine Blamage von Paris wett: Bei der WM vor zwei Jahren war er grußlos im Vorlauf ausgeschieden. „Ich habe morgen nichts mehr zu verlieren und kann locker rangehen“, sagte er und lächelte vor sich hin. „Ich bin ein bisschen kaputt, kalt ist mir auch. Aber das passt schon.“ Dann wickelte er sich in eine gold und silber glänzende Folie, die ihm Helfer reichten, und schaute etwas ratlos an sich herunter: „Jetzt sehe ich aus wie ein Knallbonbon.“

Trotz heftiger Winde hatte Unger am Mittag die zweite Runde locker gemeistert. „In der Kurve bin ich gegen eine Wand gelaufen, das war brutal. Da sind wir fast gestanden“, sagte er. Da hatte er zeitgleich mit Spearmon vorne gelegen und sich gefreut: „Ich habe jetzt mein Hauptziel erreicht. Alles andere ist Zugabe.“ Unbeeindruckt zeigte sich Unger auch von der Verschiebung seines Rennens, als am Abend zuvor das große Unwetter in Helsinki ausgebrochen war. „Ich wäre ganz gern gelaufen, auch wenn Hochwasser war. Das wäre mal ganz witzig gewesen.“

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