Leichtathletik-WM
Dietzsch-Abschied ohne Happy End

Der Vorhang ist gefallen, eine große Ära im Diskus-Ring zu Ende: Ohne Tränen, aber voller Frust hat Franka Dietzsch am Mittwoch im Berliner Olympiastadion ihre über 20 Jahre währende großartige Laufbahn mit einem Flop beendet.

BERLIN. "So ist es halt. Scheiße. Jetzt ist es vorbei. Ich bin unendlich enttäuscht, aber irgendwie auch erleichtert. Ich kann ja nicht noch 20 Jahre Diskus werfen", meinte die 41 Jahre alte Grande Dame der deutschen Leichtathletik, nachdem sie in der Qualifikation von Berlin nach zwei ungültigen Versuchen mit nur 58,44 Metern ausgeschieden war.

Dennoch feierten die Berliner Zuschauer die gestürzte Titelverteidigerin, die als Weltmeisterin von 2007 automatisch für Berlin qualifiziert war, und verabschiedeten eine ganz Große ihrer Zunft in den verdienten "Ruhestand". Beim Verlassen des Stadions wirkte es, als stünde die erfolgreichste Diskuswerferin der WM-Geschichte neben sich. Ein letztes Winken ins Publikum, ein letztes Schulterzucken. Ihre Miene wirkte ferngesteuert. "Ich halte mich emotional gut, oder? Das kommt später, wenn ich allein bin...", meinte die Neubrandenburgerin, der 61,08 Metern zum Einzug ins Finale am Freitag (20.20 Uhr) gereicht hätten. Dort steht die 18 Jahre jüngere deutsche Meisterin Nadine Müller nach 61,63 Metern.

Auch die aufmunternden Worte ihrer Zimmergefährtin Steffi Nerius hatten nicht mehr geholfen. Die "Gold-Steffi" hatte gehofft, dass ihr Speerwurf-Titel vom Vortag die Freundin nach einer insgesamt grausamen Saison noch einmal aus dem Tief zerren könnte. Extra hatte sie Dietzsch versprochen, sie durch ihre Partylaune nicht in der Konzentration zu stören. "Als ich nach der Party um 7 Uhr ins Hotelzimmer kam, war sie schon wach", meinte Nerius. "Steffi hatte nicht die gesundheitlichen Probleme wie ich. Und außerdem ist sie erst 37 - in dem Alter bin ich auch Weltmeisterin geworden", meinte Dietzsch schließlich auf die Frage, warum die Freundin so viel besser motiviert war.

Dietzschs Gefühle waren im Laufe der verkorksten Saison bereits auf der Strecke geblieben. Ohne große Emotionen sei sie in den letzten internationalen Wettkampf gegangen. "Ich habe schon vorher innerlich Abschied genommen. Eigentlich mit jedem Wettkampf, der mir nicht richtig gelungen ist", gab die Neubrandenburgerin zu. Trotzdem gab die als Titelverteidigerin gesetzte Bankkauffrau den Traum vom Abschied vor Heim-Publikum nicht einfach auf. "Ich wollte unbedingt in Berlin starten und die große Bühne haben", sagte Dietzsch. "Bei der Herfahrt zum Stadion hatte ich ein bisschen Pipi in den Augen, aber im Ring war ich total verkrampft. Es lief technisch unrund. Ich habe alles versucht, mit Kraft zu machen und die Technik vernachlässigt", räumte sie ein und kündigte an: "Ich mache noch zwei, drei kleine Wettkämpfe in Deutschland, aber international starte ich nicht mehr."

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