Livestrong
Die dubiosen Geschäfte des Lance Armstrong

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush schätzt ihn sehr. Doch ebenso leicht fällt es Lance Armstrong, mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy oder Fürst Albert von Monaco zu plaudern. Der siebenfache Tour-de-France-Sieger, der gerade zum achten Mal antritt, fühlt sich in der Politik, im Sport und auch in der Geschäftswelt zuhause. Die Verflechtungen sind kaum zu durchschauen. Die zwei Enthüllungsjournalisten David Walsh und Pierre Ballester unterstellen Armstrong nun, dass er nicht uneigennützig für seine Krebsstiftung Livestrong wirbt.

PARIS. In ihrem neuen Buch "Le sale tour" (Die schmutzige Tour) attackieren die Autoren das Comeback des Amerikaners. Sie werfen ihm vor, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Seit kurzem gibt es neben der Stiftung Livestrong.org das lukrative Unternehmen Livestrong.com - eine Gesundheitsplattform, die über Fitness und einen gesunden Lebensstil informiert. Das Web-Portal finanziert sich über Werbung - und profitiert dabei angenehmerweise vom Marketing der Stiftung.

Ballester kritisiert, dass die Stiftung viel zu viel Geld für ihre Außendarstellung ausgibt - nämlich 45 Prozent ihrer Einnahmen. So werde sie quasi zur Werbeagentur von Armstrongs kommerzieller Firma. Ballester erklärt: "Seine Stiftung ist nur ein Alibi, um unter dem Deckmantel der Krankheit Geld zu verdienen." Und die französische Zeitung "10Sport" schreibt: "Livestrong ist unter einem Vorwand ein gigantisches Geschäft geworden."

Die Unterscheidung zwischen Armstrongs beiden Organisationen sei nicht klar, sagt Ballester. Spenden könnten auch in den lukrativen Teil fließen. Und Armstrong erhalte etwa 150 000 Euro für eine Konferenz zum Thema Krebs, die er für sich behält. Der Radprofi selbst nimmt zu den Vorwürfen keine Stellung. Auf Anfrage bei seiner Stiftung weicht eine Sprecherin aus: "Lance Armstrong ist zum professionellen Radsport zurückgekehrt, um Aufmerksamkeit für die 28 Millionen Krebskranken weltweit zu erreichen."

Allein durch die Tour sei es gelungen, 130 000 Livestrong-Armbänder zu verkaufen. Der Erlös gehe an die französische Krebsstiftung Ligue Contre le Cancer sowie die monegassische Ecoute Cancer Réconfort. Von den gelben Armbändern, die der Texaner zusammen mit dem US-Sportartikelhersteller Nike entwarf, wurden weltweit seit dem Jahr 2004 schon 80 Millionen für je einen Dollar verkauft.

Der Nike-Konzern, der während der Tour auch einen Werbefilm zum Thema Krebs mit Lance Armstrong zeigt, ist einer der wichtigen Partner und Geldgeber der Livestrong-Stiftung. Für Nike ist Armstrong "ein Symbol der Hoffnung und des Mutes für Menschen, die mit dieser schrecklichen Krankheit leben".

Der wichtigste Spender der Organisation ist Armstrong selbst. Seinen Angaben zufolge hat er sieben Mio. Dollar aus eigener Tasche gestiftet. Andere Livestrong-Spender sind Sonnenbrillenhersteller Oakley, Nahrungsmittelkonzern Nestlé und die Investmentfirma American Century Investments.

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