McLaren-Bericht der Wada
Belege für Staatsdoping in Russland gefunden

Der Untersuchungsbericht der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada zu systematischem Doping in Russland liegt vor. Der Staat hat demnach mitgewusst, mitgewirkt und vertuscht. Die Überraschung: Sanktionen werden nicht empfohlen.

MoskauWas die Spatzen schon von den Dächern pfiffen, ist nun  Gewissheit: Die internationale Dopingagentur Wada hat Russland massive Verfehlungen bei den heimischen Winterspielen in Sotschi vor zwei Jahren vorgeworfen. In einem Bericht des Sonderermittlers Richard McLaren ist von einer staatlich geförderten Doping- und Verschleierungstaktik die Rede: „Das Sportministerium leitete, kontrollierte und führte die Manipulationen mit den Analyseergebnissen der Sportler aus und tauschte sie aus - unter aktiver Beteiligung und Mithilfe des FSB und des Zentrums für Sportvorbereitung der russischen Nationalmannschaft in Moskau und Sotschi“, heißt es in dem Bericht.

Das Moskauer Anti-Dopinglabor habe dabei Sportler, die verbotene Substanzen eingenommen haben, gedeckt, während das zu den Winterspielen aufgebaute Anti-Dopinglabor in Sotschi „eine beispiellose Methode zum Austausch der Dopingproben“ entwickelt haben soll. Dafür gibt es laut McLaren eine Reihe von Beweisen. Es seien tausende Daten und Dokumente ausgewertet worden, auch gelöschte Dateien seien wiederhergestellt worden, sagte McLaren. Allerdings wird der Jurist keine Empfehlung für den Umgang mit der Sportnation Russland. Sein Job sei gewesen, Fakten zu sammeln und zusammenzustellen, nicht aber Empfehlungen zu geben, sagte der Wada-Chefermittler.

Mindestens 643 positive Dopingproben von russischen Athleten sind zwischen 2012 und 2015 in den Analyselabors in Moskau und Sotschi „verschwunden“ - und waren dann negativ. Dies geht aus dem am Montag veröffentlichten Untersuchungsbericht der Welt-Anti-Doping-Agentur hervor. In die gigantische Vertuschungsaktion seien staatliche Stellen wie der Inlandsgeheimdienst FNB und das Sportministerium involviert gewesen. Die 643 Fälle seien „nur ein Minimum“, heißt es in dem Report, weil den Ermittlern der Zugang zu allen einschlägigen Berichten unmöglich war, heißt es in dem 97-seitigen Report.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird den Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur zum Staatsdoping in Russland eingehend prüfen und so schnell wie möglich entscheiden. Bereits am Dienstag werde die IOC-Exekutive zu einer Telefonkonferenz einberufen und vorläufige Maßnahmen und Sanktionen im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio besprechen.

„Die Ergebnisse des Berichts zeigen einen schockierenden und beispiellosen Angriff auf die Integrität des Sports und die Olympischen Spiele. Daher wird das IOC nicht zögern, die härtest möglichen Sanktionen gegen jede beteiligte Person oder Organisation zu ergreifen“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach am Montag. Die WADA empfahl unterdessen, allerdings nicht durch Ermittler McLaren, einen Ausschluss Russland von den Sommerspielen in Rio.

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