Neue Gesichter
Begeisterte Radsportfans am Tourmalet

Auf der elften Etappe der 93. Tour de France stand am Donnerstag der Tourmalet auf dem Programm, ein Mythos der "Großen Schleife". Der Sport-Informations-Dienst (sid) beschreibt die Szenerie am Gipfel.

Mit dem Tourmalet steht im Rahmen der elften Etappe der 93. Tour de France ein Mythos der "Großen Schleife" auf dem Programm. Der Sport-Informations-Dienst (sid) beschreibt die Szene am Gipel.

Morgens um sieben ist am Tourmalet die Welt noch in Ordnung. Die Sonne bahnt sich allmählich ihren Weg durch die tief hängenden Wolken. Die Passstraße schlängelt sich durch die Stille der malerischen Berglandschaft. Links und rechts türmen sich die 3000er der Hochpyrenäen auf.

Dann erwacht das Leben. In Erwartung des nahenden Tour-Konvois schälen sich die Menschen aus ihren Zelten und Caravans, in denen sie die Nacht am Berg verbracht haben. Während die Rennfahrer im 75km entfernten Startort Tarbes noch in ihren Hotelbetten liegen, richten sich die Radsport-Fans entlang der Strecke "häuslich" ein. Frühstückstische werden gedeckt, Sonnenschirme aufgespannt.

Hier und da wird schon ein bisschen gefachsimpelt. Namen fallen und werden wieder verworfen. Man ist sich offenbar nicht einig. Andere nutzen die Zeit, um die Leiden der Tour am eigenen Leib zu erfahren. Hobbyradler quälen sich Tritt für Tritt den bis zu zehn Prozent steilen Anstieg hinauf. Anfangs sind es nur ein paar Dutzend, später Hunderte. Das 2115m hohe Tour-Monument zieht Heerscharen von Pedaleuren in seinen Bann.

Massen säumen die Aufstiege

30km weiter, am Col d´Aspin, säumen die Radsport-"Verrückten" ebenfalls jeden Meter der 13km langen Bergstraße. Wo immer der Wald ein wenig lichte Wiese preisgibt, sind in den Stunden zuvor Zeltlager und Wagenburgen entstanden. Die ersten vorbeikommenden Fahrzeuge der Tour-Karavane werden euphorisch begrüßt. Hier und da stehen die winkenden Massen bereits so dicht, dass sich die Wagen ihren Weg frei hupen müssen.

Eng wird es vor allem dort, wo ein paar Eifrige letzte Hand anlegen, um die Namen ihrer Lieblinge noch rechtzeitig auf die Straße zu malen. Lokalmatador Cedric Coutouly hat augenscheinlich eine große Fangemeinde hinter sich, zur Unterstützung von Weltmeister Tom Boonen sind viele Belgier mit Vans und Wohnwagen angereist, und auch deutsche Schlachtenbummler machen sich mit Gerolsteiner-Fahnen und T-Mobile-Schriftzügen bemerkbar.

Neue Publikumslieblinge

Dagegen sind die Helden vergangener Jahre scheinbar schon vergessen. Kein Ullrich, kein Basso, kein Armstrong. Die Tour sucht neue Gesichter. Am vorletzten Anstieg der Etappe ist man bereits fündig geworden: "Dessel, Dessel, Dessel" steht dort Meter für Meter auf dem Teer - für den französichen "Nobody" im Gelben Trikot.

Einen Kilometer vor dem Portillon-Pass kündigt der dutzendfach aufgemalte Dreizack den Tour-Teufel an. Hinter der nächsten Kurve steht "El Diabolo" Didi Senft und feuert unermüdlich jeden Passanten, Radler und Autofahrer an: "Allez, allez", schallt es auch uns hinterher.

Ein paar hundert Meter weiter rollt die Tour hinein nach Spanien und auf den Schlussanstieg zu. Die Kulisse ist plötzlich in Orange und Grün gefärbt, die Farben der Basken. Auch hier schäumt die Stimmung schon Stunden vor der Ankunft der Fahrer über. Die sind zu diesem Zeitpunkt gerade erst ins Rennen gegangen - doch die Party hat längst begonnen.

© SID

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