Olympia 2016
Rio wirbt mit großen Gefühlen

An der Copacabana entsteht eine Riesenbühne: Am Freitagmorgen treten am Strand von Rio Sambatänzer und Livebands auf, während Hunderttausende Zuschauer der Entscheidung in Kopenhagen entgegenfiebern. Zweimal ist Rio de Janeiro bei der Auswahl zur Olympiastadt durchgefallen - vor allem wegen technischer Mängel. Diesmal wollen die Organisatoren alles richtig machen.

RIO DE JANEIRO. 700 Kilogramm wogen die Dokumente, die sie an das IOC schickten. Dessen Evaluierungskommission bescheinigte Rio Anfang des Monats, dass es technisch mit Tokio, Madrid und Chicago auf Augenhöhe liegt. "Wir sind bestens vorbereitet", sagt Carlos Roberto Osório, Generalsekretär des Bewerbungskomitees. "Brasilien wächst, wir haben die nötigen finanziellen Garantien, und anders als die Mitbewerber besitzen wir die Erfahrungen und die Infrastruktur der Panamerikanischen Spiele von 2007."

Tatsächlich verfügt Rio schon über viele Stadien und muss kaum neue Arenen bauen. Dennoch hat die Stadt mit einem Budget von 13,9 Mrd. Dollar den umfangreichsten Finanzierungsplan unter den Bewerbern vorgelegt. Doch das ist notwendig: Die Hälfte der Investitionen entfällt auf Infrastrukturprojekte. Noch hat die zweitgrößte Stadt Brasiliens ein katastrophales öffentliches Verkehrssystem. Bisher ist Engenhão, welches das zentrale Stadion für Olympia sein soll, im Straßenverkehr nur in einem zweistündigen Stop and go aus dem Süden Rios zu erreichen - und dort stehen die meisten Hotels. Oder besser: sollten stehen. Denn auch davon gibt es viel zu wenige. Die Organisatoren wollen daher einen Teil der Olympia-Besucher auf sechs Kreuzfahrtschiffen unterbringen.

Das Transportproblem soll ein Verkehrskonzept mit Schnellzügen, Bussen und einem Hubschrauber-Shuttle lösen. Damit wollen die Planer die Wettkampforte im Norden und Westen der Stadt miteinander verbinden. Auch die Sicherheit habe man im Griff, heißt es. Doch dass am Zuckerhut nur halbwegs Sicherheit herrscht, wenn die Polizei brutal für Ordnung sorgt - darüber schweigen die Planer lieber.

Überhaupt halten die Brasilianer nicht viel von Erbsenzählerei - Rio denkt in größeren Dimensionen: "Brasilien ist als erster Vertreter Südamerikas wegen seiner jugendlichen Bevölkerung der geeignete Kandidat für die Olympischen Spiele", sagt Carlos Arthur Nuzman, Präsident des Rio-Komitees. "180 Millionen Jugendliche in Südamerika, davon 65 Millionen in Brasilien, können wir mit Olympia sozial integrieren." Ungeahnt emotional appelliert Bürgermeister Eduardo Paes: "Brasilien ist ein frischer Kandidat unter den olympischen Nationen. Nirgendwo sonst haben sich die Bewohner so in ein Projekt verliebt wie in Rio."

Die Cariocas, wie die Einwohner von Rio heißen, setzen im Endspurt auf Gefühle. Das wird am Freitag nicht anders sein. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Kandidatur Rios früh zu Chefsache gemacht. Bei seinem Vortrag in Kopenhagen wird der routinierte Redner auf das setzen, was Brasilien am besten kann: Emotionen wecken.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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