Olympia-Referendum
Überzeugungsarbeit für die Jahrhundertchance

Endspurt in Hamburg: Wollen die Bürger eine Bewerbung für Olympia 2024? Das Ergebnis ist erst am Sonntagabend klar. Bis dahin kämpfen die Befürworter, so wie die Macher der Riesenmodellbahn Miniaturwunderland.
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HamburgEs ist ein deutlicher Appel, den die beiden Zwillingsbrüder an ihre 73.933 Facebook-Freunde richten. „Lasst uns bitte nicht unsere Jahrhundertchance verpassen, weil genau jetzt so viele Probleme auf uns einstürzen!“, bitten Gerrit und Frederik Braun in einem Internetvideo.

Die Jahrhundertchance – das ist für die beiden die Hamburger Olympia-Bewerbung. Falls die Bürger der Stadt am Sonntag im Referendum mehrheitlich mit „Ja“ stimmen, ist das ganz sicher auch ein Verdienst der beiden Ausnahme-Unternehmer.
Ein schlechteres Umfeld für eine Abstimmung über Olympia ist kaum denkbar: Die Flüchtlingskrise verlangt unabsehbare Sonderausgaben, der DFB zerlegt sich in einem Skandal um das Sommermärchen, Paris trauert um die Terroropfer.

In München, Lemberg, Boston und Oslo sind Bewerbungen beim IOC am Volkswillen krachend gescheitert – bei weitaus entspannterer politischer Lage. In der jüngsten Forsa-Umfrage ist die Zustimmung von 64 auf 57 Prozent gesunken.

Und trotzdem: Es sind demnach noch immer deutlich mehr dafür als dagegen, zumal es noch etliche Unentschlossene gibt. Und die Wahlbeteiligung liegt schon vor Öffnung der Urnen dank Briefwahl bei über 40 Prozent. Denn die Bewerbung gilt vielen als ein Projekt der Bürger. Das unterscheidet die Hamburger Bewerbung vom Münchener Versuch für die Winterspiele 2022, als Prominente und Sponsoren im Vordergrund standen.

Es sind besonders die Aktionen der Braun-Brüder, die Hamburgs Bewerbung zur Graswurzelbewegung machen – obwohl doch der Anstoß vor zwei Jahren aus der Handelskammer und vom Immobilien-Unternehmer Alexander Otto kam.

Die Brüder griffen die Initiative ebenso begeistert auf wie die Hamburger Politik: Im Frühjahr schafften sie es, 20.000 Menschen mit Fackeln an die Binnenalster zu locken und so den Wettstreit mit Berlin um die Gunst des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) mitzuentscheiden.

Im November versammelten sie noch einmal Tausende, um die Olympischen Ringe, fotogen aus der Luft, im Stadtpark zu bilden. Zwischendurch drehten sie ein Musikvideo, das Stimmung für die Spiele macht. Die Braun-Brüder sind das freundliche Gesicht des Olympia-Traums.

Denn die 47-Jährigen entsprechen nicht dem Klischee vom renditeorientierten Olympia-Lobbyisten. Ihre Unternehmer-Karriere starteten sie als Disco-Betreiber und Musikproduzenten, heute haben sie ein florierendes Unternehmen mit 350 Mitarbeitern.

Seit dem Jahr 2000 haben sie eine der beliebtesten Hamburger Attraktionen aufgebaut: die Megamodellbahn Miniaturwunderland. Sie lockt Hundertausende Touristen in die Speicherstadt, es gibt stundenlange TV-Dokumentationen über das Wunderwerk, das immer weiter wächst. Gerade entsteht Italien im Miniaturformat.

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