„Operación Puerto“
Rückkehr auf Verdacht

Gepanschtes Blut, Wachstumshormone, Anabolika. Mit schmutzigen Details erschütterte vor knapp sechs Monaten einer der größten Dopingskandale den Radsport. Mittlerweile sind die Ermittlungen weitgehend eingestellt, die verdächtigten Fahrer wollen zurück in den Sattel. Auch der Deutsche Jörg Jaksche kämpft um sein Comeback. Jan Ullrich hat das Nachsehen.

DÜSSELDORF. Lange wusste Jörg Jaksche nicht, wie es weiter gehen soll. „Ich habe mich gefragt, ob das noch mein Beruf ist.“ Jaksche ist Radprofi. Er steht unter Verdacht. Der 30-Jährige ist neben Jan Ullrich der zweite deutsche Radprofi, dem Doping vorgeworfen wird.

Zunächst hätte die Saison für ihn kaum besser laufen können. Nach Erfolgen im Frühjahr lag Jaksche immerhin auf Platz vier der Weltrangliste. Für sein Team Astana-Würth sollte er bei der Tour de France starten. Dann der Schock. Wenige Tage vor Beginn der Tour wurden Ermittlungsergebnisse der spanischen Polizei über das Dopingnetzwerk des spanischen Mediziners Eufemiano Fuentes bekannt. Danach sollte Fuentes 58 Radprofis in großem Stil mit präparierten Blutkonserven und anderen verbotenen Mitteln wie EPO, Wachstumshormonen und Anabolika versorgt haben.

Auf der Liste der Verdächtigen stand neben Fahrern wie Jan Ullrich und Ivan Basso auch der Name Jaksche. Video-Bilder sollten den Beweis liefern, dass Jaksche beim Dopingarzt Dr. Fuentes ein und aus ging. „Ich kenne Herrn Fuentes, aber Kontakte, die irgendetwas mit Doping zu tun hatten, hatte ich nicht“, sagte Jaksche. Niemand wollte ihm glauben. Auch weil sich der Deutsche umgehend krank meldete und abtauchte. „Es sind so viele Leute vorgeprescht, die keine Ahnung hatten. Mit denen wollte ich mich nicht messen“, sagt Jaksche rückblickend im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Seit sechs Monaten ist er wegen Dopingverdachts nicht mehr bei Rennen gestartet. Aufgegeben hat er nicht. In den Tiroler Alpen trainiert er für die kommende Saison und gibt sich wieder kämpferisch: „Das ist mein Beruf. Das ist mein Leben, das ich noch weiter führen will.“ Nachdem der Radsportverband seiner Wahlheimat Österreich in der vergangenen Woche erklärt hatte, vorerst kein Verfahren gegen ihn einzuleiten, hofft Jaksche auf ein Comeback.

Bisher ist es in der so genannten „Operación Puerto“ gegen keinen Einzigen der 58 beschuldigten Radfahrer zu einem Verfahren gekommen. So eindeutig die Indizien zunächst schienen, vor Gericht sind die Ermittlungsergebnisse offenbar nicht verwertbar. In Spanien untersagte die Justiz den Sportverbänden bis auf weiteres, die Ermittlungsakten für eine Bestrafung verdächtiger Radsportler heranzuziehen. Daraufhin stellten der spanische und italienische Verband ihre Disziplinarverfahren gegen alle Fahrer ein.

„Die Operation fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen“, schrieb die Zeitung „El Mundo“. Ähnlich kommentierte „El País“: „Die Operación Puerto ist zu einem Synonym geworden für Unfähigkeit, Chaos, Verschleppungstaktiken und juristisches Geplänkel.“ Im spanischen Parlament wurde heftige Kritik am Vorgehen der Ermittlungsbehörden laut. Mehrere Abgeordnete sprachen von einer unzulässigen Vorverurteilung. Radprofis seien bestraft worden, ohne verurteilt worden zu sein und ohne die Chance auf Verteidigung gehabt zu haben.

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