Radprofis im Wirtschaftsclub
Was Manager vom Radsport lernen können

Teamgeist, Entschlossenheit und Aufopferung sorgen im Radsport für Erfolge. Doch lässt sich das ins Unternehmensmanagement übertragen? Fünf Ex-Profis diskutierten im Handelsblatt Wirtschaftsclub genau diese Frage.
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DüsseldorfJedes Team hat einen Kapitän. Das gilt für den Sport, das gilt im übertragenen Sinn auch für Unternehmen. Die Frage, die mitschwingt: Wann ist ein Chef ein guter Chef? Eine Frage, der am Mittwochabend am Flughafen Düsseldorf die ehemaligen Radsportprofis Hanka Kupfernagel, Larissa Kleinmann, Iwan Spekenbrink, Sven Teutenberg und Rolf Aldag nachgingen. Beim Wirtschaftsclub-Event unter dem Titel „Team und Führung – wie Führungskräfte vom Profiradsport lernen können“ teilten die Athleten, heute teils selbst in leitenden Positionen, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse.

„Als Einzelsportler hat man keine Chance, ein Rennen zu gewinnen“, sagt Larissa Kleinmann. Die Marketingexpertin weiß, wovon sie spricht. Die heute 38-Jährige begann ihre Sportlerlaufbahn als Leichtathletin, wechselte nach dem Studium erst 2005 in den Radrennsattel. Und erzählt anschaulich vom Teamgeist, der sie überraschte. Wie sich Fahrerinnen zurückfallen lassen, um Mannschaftskameradinnen nach vorne zu ziehen. Einzig der Erfolg des Teams zähle. „Es ist die einzig Ego-freie Welt“, schiebt sie nach, „das Gegenteil der Wirtschaft.“

Dabei beschwören die Profis als Erfolgsgeheimnis, dass jeder sich für jeden einsetzt. Das weiß auch Rolf Aldag, einstmals Edelhelfer von Tour-Sieger Jan Ulrich und inzwischen Manager des südafrikanischen Rennstalls Dimension Data. Den Teamgedanken lebt er auch mit dem Projekt Qhubeka. Hierbei geht es nicht nur um die Förderung afrikanischer Rennradfahrer. Es geht vor allem darum, Afrika mit Fahrrädern auszustatten, um die Wege zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen zu verkürzen. Für das Vorhaben versteigerte Mark Cavendish sogar sein erstes Gelbes Trikot. Vom Erlös wurde ein ganzes Dorf mit Rädern ausgestattet.

Selbstlosigkeit ist also ein entscheidender Punkt, vor allem bei den großen Rundfahrten. Doch wie motiviert man einen Fahrer, einem anderen Fahrer zuzuarbeiten? „Keiner sagt ‚Ich will Edelhelfer werden‘“, sagt Aldag. Jeder sei Rennfahrer, jeder, der in den Top-Teams ankommt, hat viel gewonnen – und will viel gewinnen. Irgendwann, sagt er, stellt man den individuellen Erfolg hintenan.

Das, so erläutern die Profis ausgiebig, ist dem geschuldet, dass nichts damit erreicht wird, indem ein Fahrer auf Kosten anderer eine Etappe oder ein Rennen gewinnt. Nicht nur die Prämien werden auf die Mannschaft umgelegt, der Erfolg eines Fahrers aus dem eigenen Team sichert den Fortbestand, die Sponsoren- und Preisgelder. Erst wenn die Zusammenarbeit stimmt, kommt das individuelle Talent zum Tragen, sagt Iwan Spekenbrink, Chef des Tour-Teams Sunweb: „Fahrer A fährt nicht für Fahrer B, er fährt für die Mannschaft.“ Wichtiger Teil der Führungsarbeit ist das Leistungsmanagement, so der Niederländer. Es geht auch darum, das Rennen richtig einzuteilen, etwa dafür zu sorgen, dass sich der beste Sprinter nicht vor dem Finale schon völlig verausgabt.

Hilft denn die Radsporterfahrung im Geschäftsleben? Eindeutig, sagt Sven Teutenberg. Der langjährige Profi, selbst in Düsseldorf geboren, war eine der entscheidenden Figuren beim Vorhaben, den Start der Tour de France ins Rheinland zu holen. Als Event-Manager organisiert er den Grand Depart und schaufelt sich trotz massig Arbeit den Termin frei. Unternehmerisch ist er als Inhaber einer Radsportagentur und eines Fahrradfachgeschäfts tätig. Und was hat er aus dem Sattel in den Bürostuhl mitgenommen? „Teamfähigkeit, Organisationstalent, Motivationsfähigkeit“, sagt Teutenberg. Das alles hilft ihm als Manager.

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