Radsport Doping
Freiburger Uni suspendiert Ärzte

Als zweiter Ex-Profi nach Bert Dietz hat Christian Henn Epo-Doping während seiner Zeit beim Team Telekom gestanden. Unterdessen hat die Uni Freiburg die des Dopings beschuldigten Ärzte der Uniklinik freigestellt.

Im größten Dopingskandal des deutschen Sports brechen die Mauern des Schweigens. Nicht nur der Radsport steht vor einem Scherbenhaufen, nachdem die früheren Telekom-Profis Bert Dietz und Christian Henn kurz hintereinander jahrelanges systematisches Epo-Blutdoping in den Neunziger-Jahren im Bonner Radrennstall gestanden haben.

Uni Freiburg suspendiert Ärzte

Das Outing der ehemaligen Teamkollegen erschüttert dramatisch auch das Ansehen der Freiburger Universität. Ihre beiden der Mitwirkung beschuldigten Mannschaftsärzte Dr. Lothar Heinrich und Prof. Andreas Schmid wurden am Dienstag von der Uniklinik freigestellt. Sie sollen laut Dietz und Ex-Masseur Jef D´hont die Manipulationen gesteuert haben. Henn habe die Aussagen "im Kern bestätigt", wie sein Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer dem sid sagte. Zuvor hatte der 43-Jährige dies gegenüber der Frankfurter Rundschau bekannt.

Die Freiburger Uni beendete gleichzeitig ihr Engagement für T-Mobile. Es gebe keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, hieß es. Für Heinrich und Schmid gelte aber weiter die Unschuldsvermutung, die Freistellung sei im Einvernehmen erfolgt. Beide waren bereits am 3. Mai nach den Doping-Vorwürfen D´honts von T-Mobile suspendiert worden.

"Nichts darf unter dem Tisch bleiben"

Eine von Dietz angeregte General-Amnestie wurde von IOC-Vize Thomas Bach und Holczer abgelehnt. "Ein deutscher Alleingang bringt nichts", sagte Bach, in Frage komme nur ein international abgestimmtes Vorgehen. "Nichts darf unter dem Tisch bleiben", erklärte Holczer: "Ohne volle Aufklärung erreichen wir keinen Lernprozess bei Teams, Ärzten und Fahrern."

Telekom-Konzern schließt Ausstieg aus dem Radsport nicht aus

Der Bonner Telekom-Konzern schloss erstmals einen möglichen Ausstieg aus dem Radsport nicht mehr aus. "Momentan stellt sich die Frage nicht, aber wir unterziehen sie einer ständigen Überprüfung und können keine Garantie für die Ewigkeit abgeben", sagte Kommunikationschef Christian Frommert dem sid. Man werde in den nächsten Tagen zu "einer ganz klaren Entscheidung kommen", ob das bis 2010 zugesagte Engagement beim T-Mobile Team bestehen bleibe.

Der 38-jährige Dietz hatte am Montag in der ARD-Sendung "Beckmann" gestanden, von 1995 bis 1998 von Heinrich und Schmid mit Epo und Wachstumshormonen behandelt worden zu sein. Sie hätten die Mittel persönlich angepriesen, direkt oder per Post verteilt und zum Teil auch persönlich gespritzt.

Henn (43) gab Epo-Missbrauch von 1995 bis 1999 zu, bis er nach positiver Testosteron-Analyse von Telekom entlassen worden war. 2001 wechselte er ins Gerolsteiner-Management. Holczer: "Sollte er sich danach irgendetwas zu Schulden haben kommen lassen, würden wir uns sofort trennen", sagte der Teamchef. Er glaube aber, dass er "geläutert" sei, und hoffe auch auf weitere Unterstützung von Sponsor Gerolsteiner.

Man werde "die Vergangenheit nicht verharmlosen", erklärte Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), und kündigte "aktive Unterstützung" bei der Aufklärung an. Dies könne auch in einen Lizenzentzug für verdächtige Profis münden.

© SID

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