Radsport Tour de France
Ausreißer Gerdemann erobert Gelbes Trikot

Linus Gerdemann vom Team T-Mobile hat mit einem Alleingang die siebte Etappe der Tour de France gewonnen. Damit eroberte der 23 Jahre alte T-Mobile-Profi auch das Gelbe Trikot des Gesamtführenden.

Linus Gerdemann hat mit einem spektakulären Alleingang das Gelbe Trikot erobert. Am französischen Nationalfeiertag kam der Shootingstar zu seinem ersten Etappensieg und machte damit den größten Triumph seiner erst zweijährigen Profikarriere auf der ersten Alpen-Etappe der 94. Tour de France perfekt.

Im Ziel in den Savoyer Alpen war Gerdemann erschöpft, aber überglücklich: "Die letzten 300m waren so schwer zu treten. Ich hatte überall Krämpfe und bin noch nie in meinem Leben so über mein Limit gegangen. Auf den nächsten Etappen werde ich aber weiter für unseren Kapitän Michael Rogers kämpfen", sagte der Wahl-Kölner.

Mit einer Offensive beim Gipfelsturm über den Col de la Colombiere leitete der 24-jährige Westfale seinen Doppel-Erfolg ein und holte nach 197,5 Kilometern zwischen Bourg-en-Bresse und Le Grand-Bornand den Tagessieg. Der T-Mobile-Neuling setzte sich nach 4:53:13 Stunden im Alleingang mit 40 Sekunden Vorsprung vor dem Spanier Inigo Landaluze (Euskatel) und 1:38 Minuten vor dem Franzosen David de la Fuente (Saunier) durch. In der ersten Verfolgergruppe kam der deutsche Meister Fabian Wegmann vom Team Gerolsteiner als Sechster an.

Im vergangenen Jahr hatten Matthias Kessler und Jens Voigt Etappensiege gefeiert. Gerdemann ist der 18. deutsche Tagessieger der Tour, bei der erstmals der Berliner Kurt Stöpel 1932 triumphierte. Ingesamt gibt es nun 55 deutsche Etappensieger.

Klöden und Winokurow unerwartet gut

Als zuvor letzter Deutscher war der Berliner Jens Voigt am 10. Juli 2005 im Mülhausen ins Gelbe Trikot gefahren. Gerdemann fährt nun als insgesamt 12. Deutscher in der 104-jährigen Tour-Gschichte in Gelb. Das Trikot hatte Rudi Altig 1962 erstmals erobert. Der spätere Weltmeister ist gemeinsam mit Jan Ullrich deutscher Rekordfahrer in Gelb, beide blieben jeweils 18 Tage an der Spitze des Gesamtklassements.

Die nach schweren Stürzen am vergangenen Donnerstag durch Verletzungen gehandicapten Astana-Stars Andreas Klöden und Alexander Winokurow hielten unerwartet gut mit. "Sie sind noch spät in der Nacht behandelt worden und haben wenig geschlafen. Wir müssen optimistisch bleiben", sagte Astana-Teamchef Marc Biver.

Cancellara verliert Gelbes Trikot

Prologsieger Fabian Cancellara musste das Gelbe Trikot erwartungsgemäß abgeben und hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Der Schweizer Zeitfahr-Weltmeister revanchierte sich am Samstag für die sechstägige Unterstützung seiner Mannschaft und leistete an der Spitze des Pelotons die Führungsarbeit der Verfolger. Erst am 14 Kilometer langen Aufstieg mit teilweise zehn Prozent Steigung musste er abreißen lassen.

Während das rot-weiß-gepunktete Trikot von Berg-König Sylvain Chavanel (Cofidis) dank des komfortablen Punktvorsprungs des Franzosen nicht in Gefahr geriet, baute Ex-Weltmeister Tom Boonen seinen Vorspung im Kampf ums Grüne Trikot auf 15 Punkte vor Milram-Kapitän Erik Zabel aus. Der Belgier konnte die erste Sprintwertung des Tages 16 Kilometer nach dem Start vor Zabel gewinnen.

"Woche der Sprinter" endgültig vorbei

Mit diesem Duell war die "Woche der Sprinter" endgültig vorbei. Beim Aufstieg ins Jura-Gebirge zog sich das Feld weit auseinander, bevor sich nach rund 35 Kilometern eine erste Gruppe an der Spitze etablierte.

Der Spitzengruppe schlossen sich kurz danach Wegmann und Gerdemann an, der bereits nach seinem Sieg bei der 2. Sprintwertung im Rhone-Tal im virtuellen Gelben Trikot fuhr. Die Flüchtlinge hatten teilweise rund acht Minuten Vorsprung und blieben bis zum Finale unter sich.

Die 2. Tour-Woche beginnt am Sonntag mit der ersten Bergankunft der "Großen Schleife". 165 Kilometer lang ist der Weg von Le Grand-Bonard zur Touristen-Hochburg Tignes, wo das Ziel in 2068 Meter Höhe erreicht wird. Die Bergankunft ist erstmals eine Wertung der 1. Kategorie. Der Schlussanstieg vom Tal der Isere hinauf zu Europas höchstgelegener Gemeinde ist 18 Kilometer lang und geht über rund 1 000 Höhenmeter mit teilweise mehr als zehn Prozent Steigung.

© SID

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