Radsport Tour de France
Gerdemanns Soloritt für einen sauberen Radsport

Nach seinem Triumph auf der ersten Alpenetappe konnte sich Linus Gerdemann vor Lobeshymnen kaum noch retten. Der Youngster selbst wollte den Sturm ins Gelbe Trikot als Plädoyer für einen sauberen Sport gewürdigt sehen.

T-Mobile-Teamchef Bob Stapleton sprach von einem "Sieg für den gesamten Radsport", Sportdirektor Rolf Aldag sah die "Zeit für eine neue Generation von Fahrern" gekommen, und Linus Gerdemann selbst hielt gleich ein Plädoyer für den sauberen Sport: Der größte Triumph des Magenta-Teams seit den frühen Jahren der Ära Jan Ullrich war unweigerlich dem Kampf gegen Doping gewidmet. Auch wenn Gerdemanns Tour-Etappensieg samt Fahrt ins Gelbe Trikot in Le Grand-Bornand Erinnerungen an Ullrichs Glanzstück 1997 in Andorra weckte, ging der Erfolg des T-Mobile-Youngsters doch weit über die sportliche Dimension hinaus.

"Nur einer von vielen guten Fahrern

Als deutscher Radsport-Held in der Nachfolge Ullrichs wollte sich der 24-Jährige aus Münster aber keinesfalls sehen. "Ich bin nur einer von vielen guten jungen Fahrern in Deutschland, und ich hoffe, dass ich meinen Weg gehen und erfolgreich sein kann", sagte Gerdemann nach seinem Husarenritt auf dem ersten Alpen-Teilstück der Großen Schleife. Und doch war es das erste Mal seit jenem 15. Juli vor zehn Jahren, dass ein deutscher Fahrer eine Bergetappe der Tour im Alleingang gewann. Selbst Ullrich war dies nach der Triumphfahrt von Andorra nie wieder gelungen.

Doch während Ullrichs Siege nach den Erkenntnissen über systematisches Doping beim damaligen Telekom-Team zumindest in Frage gestellt werden müssen, wollte Gerdemann seinen Erfolg als Beweis dafür verstanden wissen, "dass man auch mit sauberen Mitteln schnell den Berg hochfahren kann". Denn ausgerechnet am Vorabend der Etappe hatte T-Mobile bei seinen Fahrern zum wiederholten Mal in diesem Jahr eine Blutvolumenmessung durchführen lassen - die derzeit modernste Testmethode, um Blutdoping nachzuweisen. "Mehr können wir eigentlich nicht mehr tun, um zu demonstrieren, dass wir nichts zu verbergen haben", sagte Stapleton.

Für Gerdemann und seine Teamkollegen war die Prozedur der von einem unabhängigen Ärzteteam aus Bayreuth durchgeführten Kontrolle dabei keineswegs angenehm, erfordert sie doch das Einatmen von Kohlendioxid. "Wir müssen diese Belastungen auf uns nehmen, obwohl ich ehrlich gesagt nicht besonders glücklich über den Test kurz vor so einer Etappe war. Ich war mir nicht sicher, ob mir das nicht schaden würde", meinte Gerdemann. Nach dem Sieg allerdings war der Image-Gewinn dafür umso größer. "Was kann denn besser sein, als nach so einem Erfolg zu sagen: seht her, wir testen und sind sauber", erklärte Aldag.

"Im Kampf gegen Doping noch nicht am Ziel

Für Stapleton war der Sieg "schon deshalb wichtig, weil unsere Fahrer wegen des strengen internen Ethik-Codes befürchten, dass sie benachteiligt sein könnten". Viele andere Teams wehren sich weiter dagegen, ähnliche Kontrollmechanismen wie T-Mobile zu installieren. "Natürlich ist nicht nur T-Mobile sauber, aber insgesamt sind wir im Kampf gegen Doping noch lange nicht am Ziel", sagte Gerdemann, der daher vor allem den Fans an der Strecke und den Fernsehzuschauern dankte: "Es ist nicht selbstverständlich, dass die Leute uns immer noch die Treue halten."

© SID

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