Radsport Tour de France
Klöden und "Wino" geben sich in London wortkarg

Der erste Auftritt der Astana-Profis Andreas Klöden und Alexander Winokurow bei der diesjährigen Tour de France glich eher einem Spießrutenlauf. Die beiden Tour-Favoriten gaben sich in London dann auch eher wortkarg.

Kurz war er, der erste offizielle Auftritt von Andreas Klöden am Tour-Startort London - aber aufsehenerregend. Am Donnerstag, 48 Stunden vor dem Prolog zur 94. Frankreich-Rundfahrt, erschien der 32-jährige Astana-Fahrer zum obligatorischen Medizin-Check des Rad-Weltverbandes UCI auf dem Messegelände der englischen Metropole - dort, wo die Tour in dieser Woche ihr Hauptquartier aufgeschlagen hat.

Kein Statement zu Doping-Fragen

Seinen Weg musste sich der Vorjahresdritte durch eine Traube von Kamerateams, Fotografen und Journalisten bahnen, begleitet von Fragen zum anhaltenden Doping-Verdacht gegen den Radsport im Allgemeinen und sein Team im Speziellen. Antworten gab er nicht.

Mit einem kurzen Kopfschütteln quittierte er jeden Versuch, ihn zu einem Statement zu bewegen. Sichtlich genervt absolvierte er den Spießrutenlauf durch die Kongresshalle und verschwand kurz darauf wieder im Teambus, der die Astana-Fahrer zurück ins nahegelegene Mannschaftshotel Crowne Plaza chauffierte.

Nur wenig mehr Zeit nahm sich Teamkollege Alexander Winokurow, der lediglich Stellung zur sportlichen Situation des Teams nahm, auf die Verdächtigungen gegen ihn und seine Kollegen jedoch gereizt reagierte. Wenig später flüchtete auch der Kasache, der als Topfavorit auf den diesjährigen Toursieg gilt, hinter abgedunkelten Scheiben.

Der Rückendeckung ihres Teamchefs konnten sich die beiden Astana-Kapitäne trotz ihrer fragwürdigen Außendarstellung sicher sein. "Das ist wie eine Hexenjagd", sagte Marc Biver, Manager des in der Schweiz lizensierten und von einem kasachischen Konsortium finanzierten Rennstalls.

"Wino": "Habe mir nichts vorzuwerfen"

Die Doping-Verdächtigungen gegen die Fahrer in den cyan-blauen Trikots waren zuletzt immer lauter geworden, nachdem ein positiver Test des Nürbergers Matthias Kessler, Ermittlungen gegen den Italiener Eddy Mazzoleni und indirekte Vorwürfe des geständigen Jörg Jaksche gegen Winokurow die Mannschaft auf breiter Front getroffen hatten. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", wies "Wino" alles von sich.

Doch die Fragen werden kaum verstummen, zumal während der dreiwöchigen Rundfahrt mit Erfolgen der Astana-Equipe stark zu rechnen ist. Bei den Vorbereitungsrennen Dauphine Libere und Tour de Suisse zeigten sich die Tourstarter jedenfalls schon in bestechender Form. "Die Stimmung in der Mannschaft ist gut - auch deshalb, weil die meisten unserer Fahrer kein Deutsch lesen können", giftete Sportdirektor Mario Kummer gegen die negative Presse, die sein Team in jüngster Zeit erhalten hatte.

Klöden ist angesichts der Doping-Diskussion sogar der Spaß an der gesamten Tour vergangen. Wie eine "Strafversetzung" empfinde er den Start beim wichtigsten Radrennen des Jahres, erklärte der frühere T-Mobile-Fahrer in einem Interview mit der "Welt". Die von allen Profis geforderte Anti-Doping-Erklärung sieht er als "sittenwidrig und menschenunwürdig" an. Unterschrieben hat dennoch, wenn auch spät: "Ich wollte einfach ein wenig provozieren."

© SID

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