Radsport Tour de France
T-Mobile lässt Ullrich nach Kündigung nicht fallen

Trotz der ausgesprochenen Kündigung lässt das T-Mobile Team Jan Ullrich nicht gänzlich fallen. "Eine Vermittlung zwischen uns und Jan ist nicht ausgeschlossen", sagte T-Mobile-Manager Olaf Ludwig.

Im "Fall Jan Ullrich" baut T-Mobile-Manager Olaf Ludwig seinem einstigen Superstar auch nach der Kündigung weiterhin eine Brücke. Ludwig ist nach wie vor zur Kooperation bereit, die bisherige Stellungnahmen Ullrichs reichen dem Thüringer indes nicht. Ludwig fordert hinsichtlich des Dopingverdachts endlich Klartext.

"Weder von Oscar Sevilla noch von Jan Ullrich ist eine Erklärung gekommen, die ihre Unschuld bewiesen hätte. Ich habe lediglich Jans Stellungnahme erhalten, deren Inhalt belanglos ist", sagte Ludwig dem Sport-Informations-Dienst (sid), räumte aber ein: "Es gibt noch einen Gesprächstermin. Eine Vermittlung zwischen uns und Jan ist nicht ausgeschlossen. Es sei denn, Jan und Oscar können keine Beweis erbringen, dass es keine Verwicklungen ihrerseits mit dem spanischen Arzt Fuentes gab."

"Wir veranstalten keine Hexenjagd"

Der Chef der Olaf Ludwig Cycling Gmbh betonte, dass die Kündigung in Übereinstimmung mit dem Sponsor erfolgt sei. Vorwürfe einer "T-Mobile-Hexenjagd" gegen Ullrich weist Ludwig zurück. "Wir veranstalten keine Hexenjagd. Ich bin mir schon im Klaren, dass Ullrich viele Fans hat. Er war der erste Deutsche, der die Tour gewonnen hat. Das wird er immer bleiben. Wir behaupten auch nicht, dass er positive Dopingproben abgegeben hat. Seine Unschuldsbekenntnisse sind aber keine."

Viele "offene Fragen" sieht auch Dr. Dirk Clasing, der stellvertretende Vorsitzende der deutschen Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada). "Was bisher aufgedeckt wurde, ist ein sehr dubioses Doping-Umfeld. Wenn Blutkonserven von Ullrich bei einem spanischen Arzt gefunden wurden, dann muss es auch einen Kontakt oder einen weiteren Mitwisser, einen Boten oder sogar ein ganzes Netzwerk gegeben haben", sagte der Dopingexperte in einem Interview mit dem Bonner Generalanzeiger.

Nada sind die Hände gebunden

Der Nada seien im Fall Ullrich die Hände gebunden. Dr. Clasing bedauert, dass Ullrich und andere deutsche Fahrer sich durch den Umzug in die Schweiz und mit der dort gültigen Fahrerlizenz dem Zugriff der Nada entzogen haben.

"Früher gab es einen besonderen Vertrag mit der Telekom, der vorsah, dass die gesamte Mannschaft mehrfach im Jahr kontrolliert wurde. Diesen Vertrag gibt es nicht mehr. Und wenn Fahrer in die Schweiz umziehen und mit Schweizer Lizenz starten, haben wir, außer im Vorfeld von Olympischen Spielen, keine Zugriffmöglichkeit", sagte Clasing. "Emigranten" wie Jan Ullrich und Andreas Klöden seien zuletzt vor zwei Jahren im Vorfeld der Olympischen Spiele von Athen durch die Nada getestet worden.

Obwohl die Kontrollen nicht optimal fassen, hält Clasing die Tests wegen ihrer abschreckenden Wirkung für wichtig. Bei der Bestrafung sollten aber geltene Gesetze konsequenter angewandt werden.

Nada-Vize räumt Schwächen im Kontrollsystem ein

Die Schwächen des Kontrollsystems räumt der 71 Jahre alte Nada-Vize ein: "Mit einer Wettkampf-Kontrolle werden heute keine Topsportler mehr erwischt, oder nur die dummen. Da weiß jeder, was er zu tun hat, um die Einnahmen der verbotenen Substanzen zu vertuschen. Die Chance, bei einer Trainingskontrolle erwischt zu werden, ist da weit größer. Wenn allerdings Mannschaften ein Trainingslager absolvieren, dann ahnen sie bereits, dass sie auch dort kontrolliert werden könnten."

Ähnlich wie Dr. Clasing sieht Jean-Marie Leblanc, der scheidende Chef der Tour de France, die Problematik. "Ich kann nicht behaupten, dass wir das Dopingproblem im Griff hätten. Es wäre geradezu lächerlich, wenn ich sagen würde, es gäbe kein Doping mehr. Natürlich gibt es weiter gedopte Fahrer, gewiss auch bei dieser Tour. Aber grundsätzlich hat sich die Situation verbessert", sagte der Franzose in der Frankfurter Rundschau.

Leblanc lobt die Konsequenz des T-Mobile-Teams, ihren Topstar Ullrich zu suspendieren. "Hätten die Sportdirektoren diese Entscheidung nicht getroffen, hätten wir es getan", sagte der Tour-Direktor, der sich seit der Festina-Affäre 1998 von "Betrügern umgeben" sieht: "Die Ärzte haben immer wieder Lücken gefunden, das System zu umgehen. Wir brauchen Polizei und Gesetze, um solche Gestalten wie Dr. Fuentes, aber auch die betroffenen Sportdirektoren Rudy Pevenage und Manolo Saiz für immer aus dem Verkehr zu ziehen."

© SID

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