Rhein/Ruhr 2032
Deutschlands letzte Chance auf Olympia

13 Städte an Rhein und Ruhr halten für eine Bewerbung um die olympischen Sommerspiele zusammen, wollen Kosten niedrig und Bürger bei der Stange halten. Das Konzept klingt schlüssig, muss aber der Realität standhalten.
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DüsseldorfDer nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) beweist schon kurz nach Amtsantritt Weitsicht. Einerseits im buchstäblichen Sinn, denn für sein erstes prestigeträchtiges Vorhaben als Landesvater lädt er an einem Freitagvormittag in den elften Stock der Düsseldorfer Staatskanzlei mit Blick über das halbe Rheinland. Weitsichtig ist aber auch eben jenes Projekt, was Laschet nun gemeinsam mit Hauptinitiator Michael Mronz vorgestellt hat. Vor den Größen der nordrhein-westfälischen Politik und den Unternehmen drehte sich alles um olympische Sommerspiele. Die Metropolregion Rhein/Ruhr will Olympia 2032 ausrichten und zwar gemeinsam, wie Mronz und Laschet mehrfach betonen. Das heißt: nicht an einem Standort, sondern in 13 Städten und Gemeinden. „Rhein Ruhr Olympic City-Initiative“ nennt sich das Projekt.

Die Organisatoren sind bemüht, Skepsis im Keim zu ersticken. Gute Erfahrungen mit Olympia gibt es hierzulande zwar, doch die negative Wahrnehmung überwiegt. Die Nazi-Spiele 1936 in Berlin und Garmisch-Patenkirchen, die vom Anschlag auf das israelische Athletenteam überschatteten Spiele von München 1972, die an Standortmängeln gescheiterte Bewerbung Leipzigs und zuletzt die am Bürgerwillen gescheiterten Bewerbungen von Hamburg und München. Walter Schneeloch, Vize-Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) fasste am Ende in Worte, was sich als Befürchtung wie ein roter Faden durch die Präsentation zog: „Wir können uns eine vierte Niederlage nicht leisten.“ Der Sportbund freut sich zwar über die frühzeitigen Bemühungen, aber er bleibt defensiv.

Olympia an Rhein und Ruhr – der Schuss muss sitzen. Auch Düsseldorf träumte schon einmal von olympischen Spielen, 2012 sollte es sein, da bekam am Ende London den Zuschlag. Erfahrungswerte, die es zu nutzen gilt. Vor allem, so sind sich Landesregierung, Organisatoren und die Bürgermeister der beteiligten Großstädte einig, muss die Bevölkerung abgeholt werden. „Die Menschen müssen von Anfang an verstehen, was sie davon haben“, sagte Mronz. Der Veranstaltungsmanager beschäftigt sich seit vergangenem Jahr mit dem Olympia-Gedanken, sprach mit DOSB, Landesregierung und Unternehmen. Denn ebenfalls klar ist, dass die Spiele nach Möglichkeit privat finanziert werden sollen. Für die Bewerbungsphase sind unter anderem Evonik, die Deutsche Post und Daimler als Wirtschaftspartner mit an Bord. Einen Kostenrahmen für die tatsächliche Organisation der Spiele konnte und wollte Mronz nicht nennen: „Das wäre nicht seriös und ich stehe für Seriosität.“ Die finanziellen Desaster der Spiele von Rio und Athen stehen jedoch als Drohkulisse im Raum.

So kam auch der Punkt zur Sprache, wie das in vielen Teilen hochverschuldete Ruhrgebiet denn ein Unterfangen dieser Größe stemmen sollte. „80 Prozent aller Sportstätten sind bereits vorhanden“, erklärten die Organisatoren. Einzig ein Olympia-Stadion für die Leichtathleten und der Kanu-Parcours müssten überhaupt neugebaut werden. Mronz musste jedoch auch einräumen, dass die komplette Privatfinanzierung sich nicht auf Aspekte wie Sicherheitsmaßnahmen und Infrastrukturprojekte bezieht. Hier müssten Land, Kommunen und Bund am Ende einspringen. Aber, so beschwor auch Laschet, der Innovationsschub in den Bereichen vernetzte Mobilität und Digitalisierung soll sich für das ganze Bundesland rechnen.

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  • Mit den Olympischen Spielen 1972 ist es dem damalige NOK-Präsidenten Willi Daume - trotz des Palästinenzeranschlags - gelungen ein freundlich - fröhliches Bild von Deutschland zu vermitteln.
    Nun besteht eine Chance 100 Jahre nach den Olympischen Nazi-Spielen von Berlin 1936, im Jahre 2036 erneut ein friedlich-fröhliches-freundliches Bild von einem neuen, dann aktuellen Deutschland in Europa zu zeichnen. Warum wird diese, auch symbolische Chance ungenutzt verstreichen gelassen indem man sich auf 2032 kapriziert?
    Nur weil heute aktive Politiker, Funktionäre und Manager dann evtl. nicht mehr leben könnten scheint europa- und welpolitisch viel zu kurz gedacht!

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