Russland - Kanada oder Schweden - Finnland
Skandinavisches Endspiel versus Traumfinale

Bei der Eishockey-WM in Russland ist ein Traumfinale der heimischen Sbornaja gegen Kanada in Sichtweite. Die Gastgeber treffen im Halbfinale auf Finnland, die Nordamerikaner müssen gegen Schweden antreten. Doch allzu gerne würden die Skandinavier den Spielverderber geben.

Mit unterschiedlichen Rezepten wollen Gastgeber Russland und Kanada bei der Eishockey-WM sich und den Fans ein Traumfinale ermöglichen. Während die Russen auf neue Freiheiten setzen, vertrauen die Kanadier einem alten Bekannten. Die heimische Sbornaja, die heute (13.15 Uhr Mesz) im ersten Halbfinale auf Finnland trifft, hat unter dem neuen Trainer Wjatscheslaw Bykow die Freude am Spiel zurückgewonnen. Die Ahornblätter, die sich danach (17.15 Uhr Mesz) mit Titelverteidiger Schweden auseinandersetzen müssen, hoffen auf den dritten WM-Titel mit Erfolgscoach Andy Murray.

Lob von allen Seiten für Russen-Coach Bykow

"Es ist keiner mehr da, der uns den Kopf wäscht oder sagt: Das darfst du nicht machen", erklärte Jungstar Alexander Owetschkin nach sieben Siegen in sieben WM-Spielen das Erfolgsgeheimnis der WM-Gastgeber. "Die Atmosphäre ist perfekt. Ich fühle mich frei. Und wenn man sich frei fühlt, spielt man gut." Für den Angreifer der Washington Capitals ist Trainer Bykow der Unterschied zu den vergangenen Jahren: "Es liegt an ihm, dass die Atmosphäre so gut ist."

Auch Routinier Sergej Gontschar lobt den früheren Weltklassestürmer in den höchsten Tönen. "Mit ihm ist eine andere Stimmung in die Kabine gekommen. Deshalb sind wir so erfolgreich", sagte der Verteidiger der Pittsburgh Penguins. Der 33-Jährige weiß, wovon er redet. Er ist einer von nur drei verbliebenen WM-Versagern von 2000, die bei der letzten Heim-WM in St. Petersburg mit Platz elf für ein Debakel sorgten. Damals kam die versammelte russische Eishockey-Prominenz aus der NHL mit Coach Alexander Jakuschew überhaupt nicht klar, auch die vier Trainerwechsel danach brachten keinen Erfolg.

Bykow scheint nun den richtigen Draht zu den Spielern gefunden zu haben. Der WM-Held von 1986, der die damalige Sowjetunion mit dem 3:2-Siegtreffer gegen Schweden zum letzten Titelgewinn vor heimischem Publikum schoss, berief insgesamt nur sieben NHL-Profis ins Team. Den Rest rekrutierte er aus der russischen Liga, die als zweitbeste der Welt gilt. Von ihm erwarten die Fans, dass er nach 14 langen Jahren die einstige Eishockey-Supermacht endlich wieder zum WM-Gold führt.

Den Druck der Öffentlichkeit gibt er nicht an seine Spieler weiter, denn die wissen selbst, was von ihnen erwartet wird. "Diese Mannschaft hungert nach Erfolgen", sagte er nach dem überzeugenden 4:0 im Viertelfinale gegen den alten Rivalen Tschechien. Der Sieg gegen den elfmaligen Weltmeister war der 36. in Folge in Moskau. Zwei weitere noch, dann hätten Owetschkin und Co. es den sowjetischen Eissputniks gleichgetan, die 1973, 1979 und 1986 ohne einen einzigen Punktverlust überlegen Gold gewannen.

Kanada mit Respekt vor Schweden

Härtester Konkurrent dürften die Kanadier sein, die neben den Gastgebern das einzige noch ungeschlagene Team sind. Beim 5:1 im Viertelfinale gegen die Schweiz wurden sie nicht ernsthaft gefordert. Gegen Weltmeister und Olympiasieger Schweden allerdings erwartet sie die erste große Herausforderung des Turniers - auch wenn die Skandinavier nur mit einem einzigen NHL-Profi antreten.

"Sie spielen schon lange zusammen, sie kennen die große Eisfläche, und sie wissen genau, was ihr Trainer will. Das sind alles Vorteile, die sie uns gegenüber haben", meinte Verteidiger Eric Brewer: "Für uns ist es schwieriger. Wir sind über ganz Nordamerika verteilt und müssen erst zusammen finden." Der Weltmeister von 2003 und 2004 hat größten Respekt vor den Tre Kronor: "Es gibt viele gute Spieler außerhalb der NHL, und die Schweden haben einige ganze Menge davon."

Weil die Stars wie Mats Sundin oder Peter Forsberg fehlen, ist der Gegner für die meisten Kanadier ein unbeschriebenes Blatt. "Ich kenne nur einen einzigen Spieler", gab Torhüter Dwayne Roloson zu. Und Trainer Murray bat um etwas Geduld: "Ich brauche ein wenig Zeit, um mich auf die Schweden vorzubereiten." Der frühere Coach der Berliner Eisbären kennt sich im internationalen Eishockey bestens aus: 1997 und 2003 führte er Kanada jeweils in Finnland zum WM-Titel.

© SID

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