Ski alpin National
DSV hat mit akuten Finanzproblemen zu kämpfen

Der DSV befindet sich in akuten Finanzproblemen und hat eine Ausgabensperre unterhalb des Weltcup-Kaders erlassen. Das bestätigte Sportdirektor Thomas Pfüller dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Kurz vor dem Weltcup-Auftakt im alpinen Skisport und Langlauf hat der Deutsche Skiverband (DSV) mit akuten Finanzproblemen zu kämpfen und eine Ausgabensperre unterhalb des Weltcup-Kaders erlassen. Das bestätigte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller. Hintergrund des drohenden Engpasses sind offenbar befürchtete Probleme mit dem neuen Fernsehvertrag des DSV, der bis zu 15 Mill. Euro pro Jahr in die Kassen spülen sollte.

"Ich führe nicht nur einen Verband, sondern auch ein Wirtschaftsunternehmen und da muss ich vorausblickend auf den Haushalt schauen. Ich will schließlich nicht, dass wir irgendwann tot sind", sagte Pfüller dem Sport-Informations-Dienst (sid). Die Gehälter der Angestellten und der Weltcup-Kader habe Priorität, deshalb seien alle Verantwortlichen in den Sparten aufgefordert worden, andere Maßnahmen auf ein Minimum herunterzufahren und sich auf einen noch härteren Sparkurs einzustellen.

Pfüller: "Ohne den Fernsehvertrag gehts nicht"

Laut Pfüller sei der Eingang liquider Mittel momentan "nicht genau vorhersehbar". Pfüller kündigte zwar an, die millionenschweren Rücklagen zum Überstehen der kritischen Situation anzugreifen, "aber ohne den Fernsehvertrag gehts nicht": "Damit will ich aber Niemandem den schwarzen Peter zuschieben." Schon seit Wochen gibt es Berichte über Probleme mit den im Mai mit großem Tamtam vorgestellten Kontrakt bis 2011 mit der Sportmarketing-Agentur Infront Sports & Media. Infront erklärte allerdings auf Anfrage, dass es derzeit "keinerlei ausstehende Zahlungen an den DSV" gebe.

"Wir gehen davon aus, dass wir gemeinsam mit dem bisherigen Partner RTL und unserem neuen Vertragspartner Infront wie deren möglichen Abnehmern im nationalen und internationalen Markt eine zeitnahe Klärung der Situation erreichen", sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann: "Dabei vertrauen wir auf faire Lösungen, die der weiteren Entwicklung des Skisports dienen und unsere Spitzenpositionierung absichern."

Der Weiterverkauf der TV-Rechte an den deutschen Weltcups durch Infront - wie zum Beispiel zum Jahreswechsel den beiden deutschen Springen der Vierschanzentournee oder den zwei Stationen der Tour de Ski - an Interessenten wie ARD und ZDF stockte wegen eines Rechtsstreits zwischen DSV und dem alten TV-Rechteinhaber RTL. Laut RTL-Sportchef Manfred Loppe beharrt der Privatsender auf sein Matching-Offer-Right (das Recht, das beste Angebot zu überbieten), das bei Abschluss des neuen Kontraktes durch den DSV nicht beachtet worden sei. Damit sind die eingeplanten TV-Mill. gefährdet.

Und nicht nur das - bei dem Streit geht es um nichts weniger als die Zukunft des größten Medaillenproduzenten im deutschen Sport und die der Ski-Weltcups im Land. "Im schlimmsten Falle gibt es ein Desaster. In gut zwei Monaten finden die Wettbewerbe statt und wir wissen nicht, welcher TV-Sender produziert. Daran hängt alles bis hin zur Veranstaltungsvermarktung und den Sponsoren", sagte FIS-Langlaufchef Jürg Capol dem sid beim Forum Nordicum im schwedischen Östersund.

Massive Auswirkungen für die Sportler

Für die Sportler haben die finanziellen Probleme schon jetzt massive Auswirkungen. "Sie haben kein Geld mehr, so etwas habe ich in den langen Jahren im Sport noch nie erlebt. Nicht mal die kleinste Wachsdose darf man ohne Genehmigung mehr für die Leute unterhalb der Lehrgangsgruppe 1 A kaufen", sagt Kombinierer-Bundestrainer Hermann Weinbuch. Sein Weltcup-Team um Weltmeister Ronny Ackermann konnte immerhin das Training auf dem Dachstein-Gletscher fortsetzen, allerdings stelle er sich in Zukunft auf weitere massive finanzielle Einschränkungen ein.

Pfüller kündigte für die offizielle Einkleidung am Freitag eine Erklärung des DSV an - Spekulationen über eine möglicherweise drohende Pleite des Verbandes werden bis dahin nicht kommentiert.

© SID

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