Ski alpin Weltcup
Neureuther nach Stockerl-Fahrt ratlos und happy

Nach seinem Coup im Slalom von Beaver Creek verstand Felix Neureuther die Welt nicht mehr: "Ich habe im zweiten Lauf so viele Fehler gemacht, dass ich kaum glauben kann, dass ich es aufs Podium geschafft habe."

Nach dem größten Erfolg seiner Karriere war Felix Neureuther plötzlich verschwunden. Als sich in der Bar des Hotels in Denver Ski-Rennläufer, Trainer und Betreuer am Abend vor ihrer gemeinsamen Rückreise nach Europa noch einen Schluck genehmigten, schien der Partenkirchener nicht in Feierlaune. "Ach, der ist wahrscheinlich schon im Bett", mutmaßte Cheftrainer Werner Margreiter zu mitternächtlicher Stunde. Wie auch immer, Grund zum Feiern hätte der 22-Jährige durchaus gehabt.

Am gleichen Nachmittag war Neureuther rund drei Autostunden weiter westlich erstmals im Weltcup aufs "Stockerl" gefahren. Beim Slalom in Beaver Creek belegte er hinter Andre Myhrer aus Schweden und Michael Janyck aus Kanada Rang drei, qualifizierte sich damit zugleich für die WM im Februar 2007 im schwedischen Are und staunte anschließend nicht schlecht über sich selbst: "Ich habe im zweiten Lauf so viele Fehler gemacht, dass ich kaum glauben kann, dass ich es aufs Podium geschafft habe. Das ist absolut verrückt."

Was Neureuther erstaunte, registrierte Margreiter mit großer Genugtuung. "Wenn man sich den zweiten Lauf anschaut: Im vergangenen Jahr wäre der Felix in acht von zehn Rennen in so einer Situation noch ausgeschieden", behauptete der Österreicher. Bislang hatte Neureuther selten den Königsweg gefunden zwischen Attacke und taktisch gewiefter Fahrweise, zwischen den Toren wirkte er außerdem oft unkontrolliert. Seit Beginn des Winters aber scheint er nun das Ungestüme, das Draufgängerische in sich besser im Griff zu haben.

Mehr Kraft, mehr Stabilität

Mit ein Grund: Neureuther hat mehr Kraft im Oberkörper, was zu einer stabileren Fahrweise führt. "Es war unser Ziel, mehr Ruhe bei Felix reinzubringen", erklärte Margreiter und ergänzte ungefragt: "Er hat vor der Saison unglaublich hart und konsequent gearbeitet. Und auch den Trainern gilt auch ein großes Lob." Sein neuer Slalom-Trainer Wolfgang Erharter, bestätigt Neureuther, sei ein "absoluter Top-Mann". Hinzu kommt ein erfahrener Service-Mann, bisher zuständig für Ex-Weltmeister Kalle Palander.

"Ich weiß, dass ich schnell sein kann. Vielleicht kann ich beim nächsten Mal sogar gewinnen", sagte Neureuther. Ein Sieg wäre sogar diesmal schon möglich gewesen, meinte Margreiter, hatte dabei freilich Alois Vogl (Zwiesel) im Sinn. Der Routinier fuhr im ersten Lauf mit der zweitbesten Zeit hinter Myhrer ins Ziel, wurde jedoch kurz vor Beginn des Finales wegen eines angeblichen Torfehlers noch disqualifiziert. "Den Lois hätte ich noch höher eingeschätzt als den Felix", betonte der Cheftrainer.

Margreiters Kollegen aber machten Vogl einen Strich durch die Rechnung. Den deutschen FIS-Renndirektor Günter Hujara piesackten sie so lange, bis dieser sogar Standbilder der Fernsehaufzeichnung vergrößern ließ, um einen Fehler von Vogl ausmachen zu können. Ganz eindeutig war aber auch dann nicht zu klären, ob Vogl eingefädelt hatte. "Ich habe nichts gemerkt", beteuerte der Bayerwäldler, nahm seinen Ausschluss aber gelassen hin: "Ich weiß, dass meine Form gut ist. Ich kann sogar noch schneller fahren."

© SID

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