Ski alpin WM
Neureuthers Generalprobe im Riesenslalom

Der Riesenslalom am Mittwoch soll für Felix Neureuther die große Generalprobe werden: Bei der Ski-WM im schwedischen Are rechnet sich der 22-Jährige vor allem Chancen im Slalom aus.

Mit einem gequälten Lächeln verfolgte Felix Neureuther die Szenerie: Die Qualifikation der Ghanaer, Dänen und Iren für den Riesenslalom erinnerte ihn doch stark an seine ersten Schritte bei einer WM. "Ich weiß wie es ist, ein Exot zu sein", sagte der Partenkirchener, "vor vier Jahren bin ich bei der Besichtigung zwischen all diesen Jungs herumgerutscht." Mittlerweile hat Neureuther sich etabliert, beim Rennen am Mittwoch ist er der einzige Deutsche in der Startgruppe der Top 30.

Das einfache Dabeisein aber stellt den ebenso ehrgeizigen wie zielstrebigen Neureuther schon lange nicht mehr zufrieden. Anders als bei seiner ersten WM 2003 in St. Moritz ist der 22-Jährige nun nach Are gekommen, um eine Medaille zu holen. "Aber wohl nicht im Riesenslalom", sagt er. Mit Platz 13 beim Weltcup in Alta Badia war er besser als alle anderen deutschen Riesentorläufer in den vergangenen vier Jahren, die Weltspitze ist aber noch einen großen Schritt voraus.

Chance wohl eher im Slalom

"Wenn ich eine realistische Chance auf Edelmetall habe, dann sicher im Slalom", sagt Neureuther. Bei seinem ersten WM-Torlauf 2003 wurde er mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang 15., zwei Jahre später kam er auf Rang 19. Im Riesenslalom stehen ein 35. Platz und "did not finish" in Neureuthers persönlicher WM-Akte. Das Rennen am Mittwoch ist deshalb nur eine gute Gelegenheit, den Hang auf dem Areskutan kennenzulernen.

Das erste Treffen Neureuther - Berg verlief vielversprechend. "Es taugt mir hier sehr gut", sagt Neureuther im Skifahrer-Sprech, die Bedingungen in Are kommen ihm entgegen, meint er. Wie in Beaver Creek (USA) ist es in Mittelschweden sehr kalt, der Schnee eisig und stumpf. Neureuther nutzte diese Verhältnisse Anfang Dezember in Beaver Creek und sprang beim Slalom als Dritter erstmals auf das Podest. Im Riesenslalom fuhr er als 22. zum dritten Mal in die Top 30, ehe er in Alta Badia noch einen drauf setzte.

Zu gutem Techniker gereift

Die Ergebnisse belegen, dass Neureuther im WM-Winter zu einem der besten Techniker im alpinen Ski-Zirkus gereift ist. Das hat in erster Linie mit härterem Training und einem neuen Servicemann zu tun, der einst Kalle Palander aus Finnland zum Siegfahrer machte. Doch Neureuther hat auch eine menschliche Entwicklung hinter sich, die aus dem einst exotischen Draufgänger einen seriösen, aber noch immer beachtlich wagemutigen Ski-Rennläufer gemacht hat.

"Ich habe früher wegen meiner Sprüche oft eins auf den Deckel bekommen", sagt er. Deshalb halte er sich nun mehr zurück, ohne dabei seinen Charakter zu verbiegen. Neureuther ist noch immer ein lockerer Typ, seine draufgängerischen Fähigkeiten zeigt er nun aber in erster Linie auf der Piste - in wohl dosierter Form. "Ich habe dabei nun viel mehr Routine und weiß, wie ich mit einer Niederlage umgehen muss." Die Anwendung dieses Wissens noch bei der WM würde er aber gerne den Exoten überlassen.

© SID

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