Skispringen Vier-Schanzen-Tournee
Ammann hofft auf Coup, Schmitt in Lauerstellung

"Einfach nochmal siegen", wünscht sich Martin Schmitt vor dem heutigen Auftakt der Vierschanzentournee. Der 30-Jährige gilt neben dem Schweizer Simon Ammann als Geheimfavorit.

Mit Martin Schmitt als Geheimfavorit und einer neuen Skisprung-Begeisterung im Rücken gehen die wiedererstarkten deutschen Flieger voller Optimismus in die 57. Vierschanzentournee. Sieben Jahre nach dem letzten deutschen Gesamtsieg durch Sven Hannawald bereitete sich Schmitt mit einem Athletiktraining über Weihnachten auf seine Rolle als Jäger der Favoriten Simon Ammann und Gregor Schlierenzauer vor.

"Martin kann bei der Tournee gewinnen. Ammann und Schlierenzauer werden sich aneinander aufreiben", sagte Hannawald vor der Qualifikation für das Auftaktspringen in Oberstdorf am heutigen Sonntag (16.30 Uhr/live im ZDF) dem sid. Er feierte 2001/2 002 als bislang einziger Springer der Geschichte einen historischen Grand-Slam-Sieg bei der Tournee und gewann am 29. Dezember 2002 in Oberstdorf auch als bis dato letzter Deutscher ein Einzelspringen.

Angesichts des aktuellen Höhenfluges von Schmitt, der nach einem stetigen Aufwärtstrend als Vierter bei der Generalprobe in Engelberg auf Augenhöhe mit den Topfavoriten war, träumen die Fans in Deutschland nach langer Durststrecke von einem neuen Skisprung-Wunder. "Seit Martin Schmitt wieder erfolgreich ist, hat die Kartennachfrage deutlich angezogen. Wir erwarten insgesamt 30. 000 Fans, ein deutscher Erfolg wäre das I-Tüpfelchen. Das könnte einen neuen Boom auslösen", sagt Stefan Huber, Generalsekretär beim Auftaktspringen in Oberstdorf.

Schmitt möchte "einfach nochmal siegen"

Schmitt hat gute Erinnerungen an die Schanze am Schattenberg, schließlich hat er hier von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander gewonnen. Der 30-Jährige fühlt sich so gut in Form wie seit 2001 nicht mehr, ist zuletzt fünfmal in Folge unter den Top Ten gelandet und stapelt trotzdem tief: "Simon und Gregor haben eine gewisse Distanz da vorn. Der nächste Schritt für mich wäre, ein paar Mal auf dem Podest zu landen, dann kann man über Siege reden. Ich möchte einfach nochmal siegen - egal, wo."

Für den viermaligen Weltmeister, Team-Olympiasieger und doppelten Gesamtweltcupsieger wäre der Triumph bei der Tournee die Erfüllung seines letzten großen sportlichen Traums. Seinen nach all den Pleitejahren nicht mehr erwarteten Höhenflug hat er vor allem dem neuen Bundestrainer Werner Schuster zu verdanken, der vor seiner ersten großen Bewährungsprobe die Euphorie ein wenig dämpft: "Man sollte Martin nicht so einen großen Rucksack umhängen. Seine Entwicklung ist phänomenal, aber man sollte ihm Zeit lassen."

Neben Schmitt traut Schuster auch dem letztjährigen Überraschungs-Tourneedritten Michael Neumayer und Michael Uhrmann Top-Ten-Plätze zu. Die Schar der im Continental-Cup überzeugenden jungen Talente soll vor allem lernen und bei der Tournee den Anschluss an die Weltspitze schaffen.

"Im letzten Winter hatten die Deutschen mit dem dritten Platz von Neumayer eine gute Tournee, aber keiner hat es gemerkt", sagt Schuster: "Natürlich würde es meine Arbeit irrsinnig erleichtern, wenn einer vorn mitspringt. Martin Schmitt hatte zuletzt ein paar Sprünge dabei, die Ammann und Schlierenzauer Probleme bereitet haben."

Ammann und Schlierenzauer hoffen auf den großen Coup

Finanzielle Anreize für den langersehnten Erfolg gibt es vom klammen Deutschen Skiverband (DSV) allerdings nicht mehr. Statt den von Hannawald vor sieben Jahren abgesahnten 150 000 Euro ist dieses Mal eine glatte Null ausgelobt. Prämien zahlt nur der Veranstalter, der für den Gesamtsieger der vier Springen in Oberstdorf (29. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) einen 30 000 Euro teuren Geländewagen bereitstellt.

Gesamtweltcup-Spitzenreiter und Doppel-Olympiasieger Simon Ammann könnte als erster Schweizer ganz oben stehen, der doppelte Skiflug-Weltmeister Gregor Schlierenzauer als erster Österreicher seit neun Jahren. Die beiden haben aber vorsorglich schon mal darauf hingewiesen, dass "Routinier Martin Schmitt definitiv zu den Favoriten gehört". Jetzt muss dieser die großen Hoffnungen nur noch erfüllen.

© SID

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