Skispringen Vier-Schanzen-Tournee
"Wunder von Oberstdorf" als Initialzündung

Bei der Vierschanzentournee gehören die deutschen Adler zwar nicht zu den Favoriten, suchen aber dennoch ihre Außenseiterchance. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Martin Schmitt.

Im Duell der Skisprung-Giganten um die heftig kritisierten Miniprämien bei der 58. Vierschanzentournee sind die deutschen Flieger nur Außenseiter. Nach einem Sondertraining in Oberstdorf und einer Athletikeinheit über Weihnachten ruhen die vagen Hoffnungen auf Vizeweltmeister Martin Schmitt und Youngster Pascal Bodmer. Die haushohen Favoriten sind jedoch Gregor Schlierenzauer und Simon Ammann.

"Podestplätze sind drin. Platzierungen zwischen drei und sechs halte ich in jedem Fall für möglich, vielleicht gelingt auch der Durchbruch nach oben", sagt Sven Hannawald vor der Qualifikation für das Auftaktspringen in Oberstdorf heute (16.30 Uhr/live in der ARD) dem Sport-Informations-Dienst (SID) dennoch optimistisch. Er feierte 2001/2 002 als bislang einziger Springer der Geschichte einen historischen Grand-Slam-Sieg bei der Tournee und gewann am 29. Dezember 2002 in Oberstdorf auch als bis dato letzter Deutscher ein Einzelspringen.

Hoffen auf das "Wunder von Oberstdorf"

Sieben Jahre danach hofft er als einer der beiden Stadionsprecher gemeinsam mit 25 000 Fans am Schattenberg auf das "Wunder von Oberstdorf". Denn selbst Bundestrainer Werner Schuster muss nach dem mäßigen Leistungen bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg eingestehen, dass in seinem Team "keiner in Sicht ist, der um den Tourneesieg mitspringen kann". Zumal Skiflug-Weltmeister Schlierenzauer (Österreich) und Gesamtweltcup-Spitzenreiter Ammann (Schweiz) zuletzt in einer eigenen Liga sprangen.

Umso größer ist im Lager der beiden Topflieger der Ärger über die auf das Niveau von grauen Vorzeiten geschrumpften Siegprämien beim Skisprung-Grand-Slam. Statt 30 000 Schweizer Franken wie im Vorwinter gibt es nur 10 000 für den Tagessieg, weil die Prämien im Weltcup solidarisch unter den besten 30 aufgeteilt werden. "Beim Neujahrsspringen mit Mill. Zuschauern vor den Fernsehern ist das ziemlich wenig für die Show, die wir bieten", sagt Ammann. Als Trost bleibt die Hoffnung auf ein 35 000 Euro teures Auto für den Gesamtsieger.

Mit einer Quote von 2,8 für 1 ist der Doppel-Olympiasieger von 2002 auch bei den Zockern neben Schlierenzauer (2,3:1) Favorit. Das war im Vorwinter genauso, und damals stand am Ende der Österreicher Wolfgang Loitzl ganz oben. Allein dieser Fakt sollte Schmitt und Bodmer Aufwind geben, zumal sie als krasse 81:1-Außenseiter gar nichts zu verlieren haben.

Traum vom Gesamtsieg im Hinterkopf

"Natürlich ist ein Gesamtsieg momentan kein realistisches Ziel, aber irgendwo im Hinterkopf habe ich den Traum natürlich", sagt Schmitt. Er hat beste Erinnerungen an die Schanze am Schattenberg, schließlich hat er hier von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander gewonnen und im Vorjahr immerhin Platz fünf belegt. Er fühlt sich auf einem guten Weg und ist am Sonntag mit großer Vorfreude zum 14. Mal zur Tournee in Oberstdorf angereist: "Das Stadion wird voll sein, es ist tolle Stimmung - das macht jedes Jahr mehr Spaß."

Chefcoach Schuster hofft, dass sein "Rennpferd" Schmitt ein paar Prozent zulegt: "Schmitt und Uhrmann sind in der Pflicht. In Oberstdorf sind unsere Chancen sicher am besten. Wir brauchen den berühmten Funken, damit wir auf einer Erfolgswelle durch die Tournee getragen werden." Davon soll auch der 18-jährige Bodmer profitieren, der mit seinem zweiten Platz beim Weltcup-Auftakt in Finnland für den bislang einzigen deutschen Podestplatz gesorgt hat.

Schuster traut dem neben Neuling Richard Freitag jüngsten Springer in seinem siebenköpfigen Team zu, dass er bei der Tournee Highlights setzen kann. Bodmer will die Rolle als Außenseiter nutzen: "Ich sehe mich nicht als deutscher Hoffnungsträger, ich springe einfach und will mich oben festbeißen."

© SID

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